Holthusen : Katzenbabys einfach weggeworfen

Flaschenkind Wali
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Flaschenkind Wali

Tierpflegerin Francezca Jeschke zieht Wali und Waida mit der Flasche auf. Kaum noch Platz für Samtpfoten im Holthusener Heim.

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21. September 2015, 06:30 Uhr

Francezca Jeschke kann derzeit keine Nacht durchschlafen. Alle drei Stunden klingelt der Wecker. Dann muss sich die 28-Jährige um Wali und Waida kümmern. Die Tierpflegerin versucht, die beiden Katzenbabys durchzubringen. „Ein Welpe hat es aber nicht geschafft, der lag schon tot neben seinen Geschwistern, als Spaziergänger die Tiere fanden“, erzählt Doris Schiemann, die Chefin im Tierheim „Kleine Oase “ bei Holthusen. Das war zu Beginn voriger Woche auf einer Wiese bei Hagenow. Die kleinen Kätzchen dürften noch keinen Tag alt gewesen sein, als sie weggeworfen wurden. „Keine Katzenmutter hätte ihre Jungen dort abgelegt und im Stich gelassen, ist Schiemann überzeugt. Noch blind und schon ausgekühlt hatten die drei Welpen eigentlich keine Chance. Ungeziefer setzte den Tierbabys auch schon zu: Fliegen hatten ihre Eier im Fell abgelegt.

Jetzt liegen Kater Wali und Kätzchen Waida gesäubert und gefüttert zwischen Decken in einem Katzenkorb. „Geheizt“ wird mit einem Wärmekissen. Alle drei Stunden muss Francezca Jeschke die Kleinen aber aus dem gemütlichen Nest nehmen. „Zuerst trinken sie ja jedes Mal nur ein paar Gramm Spezialmilch“, erzählt die junge Tierpflegerin. Doch bevor es ans Füttern geht, steht die Bauchmassage an. Darm und Blase müssen auf diese Art und Weise entleert werden. Das Ganze braucht seine Zeit – etwa zehn Minuten für jedes Katzenbaby. Francezca Jeschke kennt das aber schon: „Das ist meine vierte Handaufzucht“, erzählt die 28-Jährige. Und um Wali und Waida kümmert sie sich dabei neben ihrer Arbeit im Tierheim.

Ob die Fachfrau diese beiden Kätzchen durchbringt, weiß sie aber noch nicht. Denn alle Pflege ist letztlich nicht so gut wie die Fürsorge durch die Katzenmutter. Francezca Jeschke und Doris Schiemann hoffen aber, dass Wali und Waida es schaffen und in acht bis zehn Wochen abgegeben werden können. „Das werden die besten Hauskatzen“, ist Schiemann überzeugt. „Denn sie sind vom ersten Tag an auf den Menschen geprägt.“ Und da Francezca Jeschke auch noch einen Hund hält, werden Wali und Waida keine Angst vor großen Vierbeinern haben.

Die beiden Kätzchen sind zwar die derzeit größten Sorgenfälle im Holthusener Tierheim, aber bei weitem nicht die einzigen. „Wir haben eine regelrechte Katzenschwemme“, berichtet Schiemann. Nach dem ersten Katzenwurf im Frühjahr blieb in diesem Jahr eine Welpenflut aus. Und die Tierschützer hofften schon, dass die vielfältigen Bemühungen, die wilde Vermehrung frei lebender Katzen einzudämmen, Früchte tragen. Doch jetzt im Spätsommer sieht es leider ganz anders aus. Seit Mitte August werden aus Städten und Gemeinden südlich von Schwerin Katzen mit Jungtieren und auch einzelne Welpen in die „Kleine Oase“ gebracht. „Derzeit sind es 27 Jungtiere. Vier Muttertiere kommen hinzu“, erzählt Doris Schiemann. Langsam aber sicher sind die Kapazitäten im Tierheim ausgeschöpft. „Zum Glück sind die ältesten Welpen jetzt groß genug, um vermittelt werden zu können“, sagt Schiemann. Im Alter von acht Wochen können die geimpften und entwurmten Jungtiere umziehen. „Wir geben aber nie mehr als zwei Tiere in einen Haushalt“, betont die Tierheimchefin. Nachfragen sind unter Telefon 03865-844330 möglich. Schiemann rät dringend dazu, die Katze später kastrieren zu lassen. „Bei den Muttertieren machen wir das, bevor wir auch die abgeben“, ergänzt Schiemann. Denn nur so könne die unkontrollierte Vermehrung der Katzen eingeschränkt werden.

Trotz der aktuellen Katzenschwemme ist in der „Kleinen Oase“ aber immer Platz für Notfälle. Erst im Frühjahr wurde ein neues Quarantänehaus für Katzen gebaut. „Zum Glück sind wir bislang von Seuchen verschont geblieben“, betont Schiemann. Aber vorbereitet ist das Tierheim. Dazu gehört, dass ausreichend Decken und Katzenkörbe zur Verfügung stehen. „Wir verwenden auch alte Handtücher und Bettwäsche als Katzendecken“, erzählt Schiemann. „Wer so etwas übrig hat, kann es uns gern bringen.“ Und dann vielleicht gleich eine Katze mit nach Hause nehmen.

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