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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. August 2017 | 12:12 Uhr

Weltkulturerbe Schwerin : Kathedrale aus Backstein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor – Teil 20: Dom St. Marien und St. Johannes

Thron und Altar, also Fürstentum und Kirche, gehörten für Großherzog Friedrich Franz II. (1823-1883) klar zusammen. Er verstand sich als Oberbischof seiner lutherischen Landeskinder, besuchte oft den Gottesdienst, ließ drei Schweriner Kirchen neu ausstatten und liegt selbst im Dom begraben. Das sei von „eminenter Bedeutung für die Entstehung wesentlicher Teile des Residenzensembles und ihr tieferes Verständnis“, schreibt Dr. Christian Ottersbach in seinem Welterbe-Gutachten. „Der Dom bildet als 1842 bis 1883 genutzte Grablege der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin einen wesentlichen Bestandteil des Residenzensembles. Er wurde unter Friedrich Franz II. in programmatischer Weise neu ausgestaltet.“ Neben dem Schloss ist der Dom die zweite Dominante im Stadtbild. 1889 bis 1893 erst erhielt er seinen Turm, der mit 117,5 Meter der höchste Kirchturm des Landes ist. Und noch andere „Rekorde“ weist der Dom auf: Er ist ist die einzige echte Kathedrale in ganz Mecklenburg-Vorpommern, das einzig verbliebene echte mittelalterliche Gebäude in Schwerin. Sein „richtiger“ Name lautet übrigens St. Marien und St. Johannis, seine Geschichte ist lang, spannend und geheimnisvoll. Genau weiß man zum Beispiel nicht, ob die Körper der Großherzoglichen Familie wirklich in den prächtigen Prunksarkophagen im Kirchenschiff oder in der verschlossenen Gruft liegen. In den Revolutionswirren zum Ende des Ersten Weltkrieges sollen einige von ihnen in Sicherheit gebracht worden sein. Aber geöffnet werden die Särge deshalb nicht – Wahrung der Totenruhe geht hier vor geschichtlicher Neugier. Solche Geschichten erfährt, wer sich eine Stunde Zeit nimmt für eine öffentliche Domführung, die mehrmals die Woche angeboten wird.

Der Führer beginnt seine Erzählungen im tiefen Mittelalter, nimmt die Besucher mit in die Zeiten von Stadtgründer Heinrich dem Löwen. Der war bei der Grundsteinlegung zum Vorgänger-Dom an dieser Stelle am 9.  September 1171 nämlich selbst dabei. Nach 76 Jahren Bauzeit, am 15. Juni 1248, wurde der „Löwendom“ geweiht. Eine kostbare Reliquie des Heiligen Blutes, einen in einen Jaspis eingeschlossenen angeblichen Blutstropfen Christi, brachte Graf Heinrich von Schwerin 1222 von einem Kreuzzug mit. Plötzlich wurde das Gotteshaus zur bedeutendsten Wallfahrtskirche Nordostdeutschlands. Die Pilger spendeten reichlich, schließlich versprach der Blutstropfen Heilung von vielen Krankheiten. Schon 1270 war Geld genug da für einen größeren, neuen Dom. 1416 war er fertig, ein frühes Bauwerk der Backsteingotik, hoch, hell, groß, himmlisch.

Von der mittelalterlichen liturgischen Ausstattung sind heute nur noch Altar und Taufbecken erhalten. Mehr als 42 Altäre soll es vor der Reformation gegeben haben, eine gemauerte Chorschranke sowie eine reiche Ausstattung der Heilig-Blut-Kapelle. Selbst das Triumphkreuz ist nicht das Original, sondern stammt aus der Wismarer Marienkirche, die zu DDR-Zeiten gesprengt wurde. Es stammt aus dem Jahr 1420 und wurde 1990 nach Schwerin gebracht. Es versinnbildlicht den Sieg des Lebens über den Tod: Das Kreuz stellt einen Baum des Lebens dar mit grünen Ranken und roten Linien.

Verschwunden ist übrigens auch die Reliquie selbst. Höchstwahrscheinlich wurde sie während er Reformation einfach zerschlagen, erzählt der Domführer.

Unter der ehemaligen Heilig-Blut-Kapelle ließ Johann Albrecht I. (1525-1576) eine Gruft errichten. Er selbst, seine Söhne Johann VII. und Sigismund sind hier beigesetzt. Sein jüngerer Bruder Christoph erhielt im Chorumgang ein aufwändiges Grabmal – das einzige herzogliche Grabmonument, das aus dem 16. Jahrhundert überdauert hat und heute ein beliebtes Foto-Objekt ist.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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