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Schwerinerin gewann Leistungswettbewerb : Katharina ist die beste Gesellin

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Katharina Schlutt erreichte im Leistungswettbewerb des Handwerks in ihrer Berufsgruppe auf Bundesebene Platz 1. Sie ist somit die beste junge Orthopädiemechanikerin und Bandagistin in ganz Deutschland.

svz.de von
erstellt am 08.Dez.2011 | 10:32 Uhr

Schwerin | Dass sie die beste junge Orthopädiemechanikerin und Bandagistin in ganz Deutschland ist, das ist Katharina Schlutt bei allem gebotenen Stolz auch ein kleines bisschen peinlich. "Ich musste für diesen Titel noch nicht einmal etwas Besonderes machen", sagt die 24-jährige Gesellin bescheiden, die im Schweriner Sanitätshaus Hofmann gelernt hat und heute dort angestellt ist. Im Leistungswettbewerb des Handwerks erreichte sie jetzt in ihrer Berufsgruppe auf Bundesebene Platz 1. Keine Sonderaufgaben galt es vor einer Fachjury zu erledigen, ihr gutes Abschlusszeugnis samt Gesellenstück wurde schlicht im nationalen Vergleich bewertet - und schnitt als bestes ab. Von Bundespräsident Christian Wulff gab es dafür eine persönliche Gratulation und von den Kollegen aus Schwerin viel Schulterklopfen und lächelnde Zustimmung: Weiter so, Kleine.

"Ohne die Kollegen hier hätte ich es nie so gut geschafft", sagt Katharina Schlutt. Und wenn sie den beiden Meistern Mario Krüger und Sven Rohde ausdrücklich dankt, möchte sie sich damit nicht einschmeicheln. Sie arbeitet sehr gerne hier im Team und kann ihren Platz richtig einschätzen. "Ich bin ein einfacher Geselle, der noch ganz viel lernen muss, vor allem im Orthetikbereich, also beim Bauen von Apparaten", sagt sie und holt einen Thomas-Splint hervor, den sie gerade für einen afrikanischen Jungen anfertigt, der im Krankenhaus in Parchim versorgt wird. Sein Unterschenkel ist nach Krankheit und Operation nicht mehr belastbar, zum Gehen und Aufstehen braucht er dieses Metallgestell, das er an den Oberschenkel schnallen kann und das ihn vielleicht für einige Jahre, vielleicht sogar sein Leben lang begleiten wird.

Katharina Schlutt liebt es, dass sie in ihrem Job etwas Sinnvolles tut. Das war ein wichtiges Kriterium bei der Berufswahl für die junge Frau aus Boddin, nachdem sie ihr Abi am Schweriner Fachgymnasium Wirtschaft und Verwaltung, Fachrichtung Gesundheit, gemacht hatte. Ein Handwerk sollte es auf jeden Fall sein, etwas, auf das man auch noch ein Studium draufsetzen kann. Augenoptik, Goldschmied und Orthopadiemechaniker kamen nach einer ersten Sondierung in Frage, schließlich entschied sich die Abiturientin für Hofmann. Um das Gespür für die Werkstoffe zu bekommen, musste sie anfangs per Hand feilen, sägen, treiben und einen Würfel herstellen. Heute macht sie Einlagen, Bandagen, Prothesen und Stützen, die alle die unterschiedlichsten Namen tragen und fast alle individuell angefertigt werden müssen. Sie arbeitet an ihrer eigenen Werkbank, an der Nähmaschine oder an den großen Richterfräsen. Eine Schuheinlage ist natürlich weniger aufwändig als eine Beinprothese, für die man mehrere Abdrücke, Modelle und Abgüsse braucht. "Dieser Beruf ist unglaublich vielfältig, das ist toll", sagt die junge Frau, die während ihrer Ausbildung auch noch ihren "technischen Betriebswirt" bei der Handwerkskammer machte. "Aber wenn man jetzt alleine auf einen Patienten losgelassen wird, ist das ein ganz anderer Schnack, als wenn der Meister dabei ist." Der kann bei solchen Sätze nur schmunzeln, denn auch Sven Rohde, Meister und Geschäftsführer vom Sanitätshaus Hofmann, hat schon Erfahrung mit Top-Azubis. "In den vergangenen zehn Jahren hatten wir drei Landesbeste und einen unter den ersten im Bund", sagt er. "Wir nehmen das als Synonym für eine gute Ausbildung bei uns im Haus."

Insgesamt 50 Menschen arbeiten aktuell im Sanitätshaus, zehn davon in den orthopädischen Werkstätten. Mehrere 1000 "Vorgänge" werden dort pro Monat bearbeitet - vom einfachen Stützstrumpf bis zum komplizierten Thomas-Splint. Katharina Schlutt möchte hier noch möglichst lange bleiben - und lernen. Den Traum von der Selbstständigkeit träumt die 24-Jährige aktuell noch nicht. Der Markt sei zu hart umkämpft. Und sie liebt es, abends nach Hause zu kommen, ganz in Ruhe mit dem Hund Gassi zu gehen und wieder das Mädchen vom Lande zu sein. "Vielleicht möchte ich irgendwann einmal nach Schweden ziehen", sagt sie. "Ich mag dieses Einsiedlerleben dort." Von ihrem Bildungsgutschein, den sie als beste Auszubildende gewonnen hat, macht sie jetzt schon mal einen Schwedisch-Kurs.

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