Plate : Kartoffelservice ist Geschichte

Kein Zutritt: Die Mitarbeiter der Kartoffel-Gemüse-Service Plate GmbH hatten gestern ihren letzten Arbeitstag. Mehr als 100 Jobs sind damit weg.
Kein Zutritt: Die Mitarbeiter der Kartoffel-Gemüse-Service Plate GmbH hatten gestern ihren letzten Arbeitstag. Mehr als 100 Jobs sind damit weg.

Plater Unternehmen hat gestern endgültig die Tore geschlossen und eine Vielzahl sprachloser Mitarbeiter hinterlassen

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11. Juni 2016, 05:00 Uhr

Seit gestern ist es nun amtlich: Die Tore der Kartoffel-Gemüse-Service (KGS) Plate GmbH sind nun zu. Die Firma ist pleite, auch der Insolvenzverwalter konnte das Aus nicht abwenden. 100 Jobs fallen weg (SVZ berichtete). Gestern wurden die Maschinen gereinigt, die letzten Waren gingen vom Hof.

Auch die Mitarbeiter scheinen das Kapitel endgültig beendet zu haben. Keiner war bereit, noch ein Wort über den bisherigen Arbeitgeber oder gar die Arbeit der vergangenen Jahre, Monate, Wochen verlieren zu wollen. „Ich sag da nichts zu“, der einstimmige Tenor. Sie hätten damit jetzt abgeschossen, erklärten zwei Mitarbeiterinnen auf Nachfrage der Redaktion. Und auch auf dem Gelände gab man sich gestern zugeknöpft. Eine Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes kontrollierte genau, wer den Hof betrat und verließ. Sie habe die Anweisung, niemanden auf das Gelände zu lassen. Eine Telefonnummer prangte groß am Eingangstor: „Anmeldungen nur nach telefonischer Absprache.“ Doch auch die war nicht möglich, denn entweder wurde der Anruf weggedrückt oder niemand ging ans Telefon.

Einige der Mitarbeiter hatten noch bis kurz vor dem endgültigen Aus gehofft, dass es eine Rettung gibt. „Es sind ja nur noch ein paar Jahre bis zur Rente, aber das habe ich nicht geschafft“, erklärte eine langjährige Angestellte. Nun, mit über 60 Jahren, müsse sie sich noch einmal nach einer anderen Beschäftigung umschauen, erklärt sie. Zu ihrer bisherigen Arbeit bei der KGS will sie nichts sagen. Sie habe Angst, dass „es noch Ärger gibt“, schiebt sie hinterher und beendet das Gespräch. Auch ein Kollege winkt ab. Ihm könne keiner helfen und er wolle nichts sagen. Auch er habe Angst, dass es noch Ärger geben könnte.

Zwei Senioren hatten sich gestern auf den Weg nach Plate gemacht. „Wir wollten zum Ausverkauf, können wir durch“, fragten sie die Dame vom Sicherheitsdienst. Keine Chance. Der Ausverkauf war bereits in der vergangenen Woche. Das Tor blieb zu. Die Senioren fuhren ab.

Rechtzeitig hat hingegen Silvana Güßmann den Absprung geschafft. Zehn Jahre war sie bei der KGS Plate angestellt. „Ich habe im Hofladen gearbeitet. Er war mein Baby. Ich habe meine Arbeit sehr gemocht“, sagt sie wehmütig. Doch als das erste Mal das Wort Insolvenz fiel, wurde die 39-Jährige hellhörig. „Freunde hatte mir geraten, mich umzuschauen. So etwas würde nie gut ausgehen“, sagt sie. Die Stimmung wurde schlechter, die Leute unzufrieden. Silvana Güßmann bewarb sich anderswo, kündigte im Mai bei der KGS. „Natürlich bin ich traurig, denn ich habe dort sehr gern gearbeitet. Aber nun bin ich auch froh, dass ich weiterhin Arbeit habe“, erzählt sie. Bei der Legehennenfarm Gutshof-Ei in Banzkow hat sie einen neuen Job. „Ich hatte wirklich Glück, denn ich habe vor der Tür Arbeit gefunden. Für die anderen Kollegen tut mir das sehr leid. Ich hoffe, sie finden bald etwas“, sagt die Banzkowerin.

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