Crivitzer Museum : Kartoffelroder vom alten Schlag

Haben den Kartoffelroder wieder hergerichtet: Horst Moltmann und Iris Niemann arbeiten historische Gerätschaften auf. Sie sind für drei Jahre angestellt.
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Haben den Kartoffelroder wieder hergerichtet: Horst Moltmann und Iris Niemann arbeiten historische Gerätschaften auf. Sie sind für drei Jahre angestellt. Fotos: Heidrun Pätzold (3)

Iris Niemann und Horst Moltmann arbeiten für das Crivitzer Heimatmuseum alte Geräte aus Haus, Hof und Landwirtschaft auf

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04. August 2016, 16:00 Uhr

Der Kartoffelroder sei geradezu ein Schmuckstück geworden, schwärmt Edmund Richter. „Den haben wir vor Jahren vom Schrottplatz bekommen und jetzt aufgearbeitet.“ Das alte Gerät habe ein Bauer dem Museum überlassen, in der Hoffnung, dass es hier in guten Händen ist, erklärt der Vorsitzende des Heimatvereins Crivitz. Solche landwirtschaftlichen Geräte kennen noch viele von früher. Und Richter ist überzeugt, dass einige „Kleinbauern“ diese heute noch nutzen.

Edmund Richter freut sich, dass dem Verein zwei geförderte Maßnahmen für die Museumsarbeit bewilligt worden sind. Für drei Jahre. „In dieser Zeit lässt sich einiges umsetzen.“ Seit einem halben Jahr schrauben und werkeln nun Iris Niemann aus Crivitz und Horst Moltmann aus Plate an alten Gerätschaften aus Haus, Hof und Landwirtschaft herum. Den Kartoffelroder haben die Beiden gerade in Schuss gebracht. Jetzt warten Nähmaschinen darauf, ein neues Antlitz zu bekommen. 14 Stück unterschiedlicher Marken gibt es: Singer, Veritas Naumann, Textima. „Wer zu DDR-Zeiten eine Veritas besaß, schätzte sich glücklich“, erinnert sich Edmund Richter. „Das war in den 1960-er und 70-er Jahren so was wie Goldstaub.“

Allerdings hat an den Museums-Nähmaschinen der Zahn der Zeit genagt. Sie sollen jetzt aufgearbeitet werden. Eine Aufgabe für Iris Niemann, die von Hause aus Montageschlosser ist, und für Horst Moltmann, dem Schlosser und Schweißer. „Die Holzteile müssen geschliffen werden, dann entweder geölt oder gewachst. Und vielleicht muss der Antriebsriemen erneuert werden“, erklärt der 57-Jähige. Überhaupt müsse man sehen, was auszuwechseln ist und was bleiben kann. Mitunter muss er sich auch im Internet kundig machen.

Eine Herausforderung war für die Beiden ein Pflug aus dem Jahre 1957. Eigentlich handele es sich hierbei um ein einfaches Gerät. Aber das war total verrostet, fast schon Schrott, meint Moltmann. Aber sie haben den Pflug in Einzelteile zerlegt, was mitunter nur mit großer Kraftanstrengung ging, und festgestellt, dass sie einen Bautenzug für die Kippvorrichtung anfertigen müssen. Aber auch das sei letztlich kein Problem gewesen – dank ihres handwerklichen Geschicks und Berufserfahrung.

In den Sommermonaten haben die beiden technisch Versierten draußen genug zu tun. Außerdem wird jetzt das Schaufenster neu gestaltet. Gezeigt werden Lebensmittel, die in 1960er- und 70er-Jahren üblich waren. Edmund Richter: „Wir wollen damit neugierig machen und potenzielle Besucher ermuntern, in unser Heimatmuseum einzukehren.“ Regelmäßig kommen zum Beispiel Gruppen der Kita „Uns Lütten“ aus der Crivitzer Neustadt ins Museum. Als freundliche Geste haben Kinder jetzt eine Staffelei mit eigenen Zeichnungen gestaltet. Zu sehen ebenfalls im Schaufenster.

Mehr als 4000 Exponate zeigt das Museum – sie reichen von landwirtschaftlichen Gerätschaften über hauswirtschaftliche Geräte und einfache medizinische Instrumente bis zu einer kompletten Schusterwerkstatt und präparierten Tieren. Im Archiv lagern noch Sachen, die gesichtet werden müssen. Immer noch werden alte Stücke abgegeben – Tonbandgeräte, Lampen, Bilder. „Wir nehmen das alles an, müssen aber auch selbst schauen, was würdig ist, aufgearbeitet zu werden“, erklärt Edmund Richter. Wer sich das Heimatmuseum anschauen möchte, kann sich bei ihm unter Telefon 0172/3135393 oder unter 03863/222820 melden. Er bietet Führungen an. Und wer spontan vorbeischaut, ist auch willkommen. Iris Niemann und Horst Moltmann sind die Ansprechpartner.

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