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14. Dezember 2017 | 17:48 Uhr

"Kann einer so viel Hass haben?"

vom

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 06:07 Uhr

Schwerin | Auch wenn die Leichtathleten des Schweriner SC nach dem fürchterlichen Hallenbrand vom 24. März nach wie vor mit allerlei Widrigkeiten - gerade bei dem aktuellen Wetter - zu kämpfen haben, war gestern beim SSC-Leichtathletikchef Gerd Wessig doch etwas Erleichterung zu verspüren: "Der Kopf hebt sich langsam…"

Zur aktuellen Nachricht, dass es definitiv Brandstiftung war, meinte der Hochsprung-Olympiasieger von Moskau 1980 mit der damaligen Weltrekordhöhe von 2,36 Metern: "Gut, dass jetzt ein Ergebnis vorhanden ist. Dies ist viel wichtiger, als dass man weiter im Dunkeln tappt. Jetzt liegt es an den Experten, herauszubekommen: Wer, wann, warum?"

Der SSC-Leichtathletikchef hofft jetzt, "wenn es offiziell Brandstiftung ist, dass der Schaden versicherungstechnisch unter Dringlichkeit läuft und Vorschüsse geleistet werden". Das höre man laut Wessig aus Gesprächen heraus, die zwischenzeitlich geführt wurden.

Ihn - und sicherlich viele - interessiert es brennend, warum so etwas einer macht. Wessig: "War es Leichtsinn, Dummheit oder eine ganz bewusste Tat? So etwas macht man doch nicht mit Streichholz oder Feuerzeug, wenn innerhalb einer halben Stunde die ganze Halle abfackelt." Aus Diskussionen höre er immer wieder die Fragen: "Kann einer so viel Hass haben? Gibt es jemand, der so viel Spaß dran hat, so etwas zu tun?" Das Motiv bzw. die Motive des Brandstifters - das zu erfahren, ist für Wessig "sehr wichtig".

Und, wie jetzt bekannt wird, hätte es eine noch viel, viel größere Katastrophe geben können. Beim Brand kam auf die benachbarte neue Volleyball-Arena trotz des günstigen Windes ganz schön Druck zu. Und an der Arena, deren Außenhaut aus Styropur plus Putz drauf besteht, gibt es im Bereich der - vis-à-vis der abgebrannten Laufhalle gelegenen - Dachterrasse des VIP-Raums einen Schaden, wenn auch zum Glück keinen größeren. Der Putz hat sich dort gelöst und wird nur noch von der Spritzbeschichtung gehalten.

Im Stadion Lambrechtsgrund - zwischen der abgebrannten Laufhalle und dem Stadion befindet sich noch die Sport- und Kongresshalle - fand Gerd Wessig "Fusseln und Reste von den Sprunganlagen." Nicht auszudenken, wenn Glutnester bei anderer Windrichtung auf die Arena geflogen wären…

Zugleich ist die Hilfsbereitschaft aus der Region, aber auch bis aus Süddeutschland weiterhin groß. Die besten SSC-Leichtathleten trainierten derzeit laut Wessig "in der Rostocker Laufhalle. Bei den Kleineren wird versucht, dass sie bei den Volleyballern und Boxern mit unterkommen". Heute kämen 26 Hochprungstäbe aus München an. Zudem berichtet Wessig diesbezüglich auch von Hilfsangeboten "aus Potsdam, Neubrandenburg und Leverkusen". Nur müsste das alles gut organisiert und durchdacht sein: "Was nützen uns zum Beispiel 100 Medizinbälle, und wir haben keinen Platz, wo wir sie hintun können", so Wessig.

Zugleich verspricht der 52-Jährige: "Jeder, der über 200 Euro spendet, bekommt von mir eine persönliche Danksagung." Bisher seien Spenden jenseits der 20 000 Euro eingegangen. Eine erste genaue Zahl dazu soll es heute geben.

Laufhalle: Es war Brandstiftung

Nach dem Feuer in der Schweriner Laufhalle vor mehr als einer Woche ermittelt die Polizei wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Die Untersuchungen eines Sachverständigen hätten ergeben, dass ein technischer Defekt als Ursache ausgeschlossen werden könne, sagte gestern eine Polizeisprecherin. Zudem sei das Feuer an gleich zwei Stellen ausgebrochen. Hinweise auf den Täter gebe es noch nicht. Die Halle war bei dem Brand zerstört worden. Dem Landessportbund zufolge waren Sportgeräte im Wert von 170000 Euro verbrannt. Der Gesamtschaden liegt den Polizeiangaben nach bei drei Millionen Euro.

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