Schwerin : Kana liebt gegrilltes Wildschwein

Besonders im Bereich der Barrierefreiheit von Gebäuden und Infrastruktur ist Japan im Vergleich zu anderen Industrienationen weit fortgeschritten, aber eine inklusive Gesellschaft erfordert mehr als nur das. Kana Negishi will sich in Deutschland über Inklusion informieren. Dolmetscher Oliver Hockenberger hilft beim Übersetzen.
Besonders im Bereich der Barrierefreiheit von Gebäuden und Infrastruktur ist Japan im Vergleich zu anderen Industrienationen weit fortgeschritten, aber eine inklusive Gesellschaft erfordert mehr als nur das. Kana Negishi will sich in Deutschland über Inklusion informieren. Dolmetscher Oliver Hockenberger hilft beim Übersetzen.

Junge Japanerin aus der Nähe von Tokio ist das erste Mal in Deutschland: 18-jährige Studentin interessiert sich vor allem für Inklusion

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11. August 2018, 16:00 Uhr

Anders zu sein, das ist in Japan eine echte Herausforderung und nicht selten auch Anlass für Diskriminierung. Das gilt insbesondere für behinderte Menschen. Lange stand das fernöstliche Inselreich im Ruf, Behinderte wegzusperren. Nicht wenige Familien verheimlichen Angehörige, die geistige oder körperliche Defizite haben. Obwohl jeder 20. Japaner mit einem Handicap lebt, waren sie jahrzehntelang geradezu unsichtbar. Das wird sich jetzt wohl ändern. Inklusion heißt das Zauberwort, das auch im Kaiserreich mehr und mehr an Bedeutung gewinnen soll.

So ist es wohl auch erklärbar, dass sich eine sechsköpfige Abordnung aus der Nähe von Tokio auf den Weg gemacht hat, um in Deutschland herauszufinden, wie Gleichbehandlung funktioniert. Es sind Basketballer, Baseballer, Softballer, Schwimmer und Fußballer. Gemeinsam mit deutschen Schülern nehmen die 17 und 18 Jahre alten Mädchen und Jungen am deutsch-japanischen Sportjugend-Simultanaustausch teil, der zum 45. Mal stattfindet. Unter ihnen ist Kana Negishi, eine Studentin aus der Präfektur Saitama, nördlich von Tokio. Die Erziehung und Betreuung behinderter Menschen, ist ihr Fachgebiet. Berührungsängste abzubauen und detaillierte Informationen über die Bedürfnisse von Behinderten öffentlich zu machen, das ist das erklärte Ziel.

In Deutschland ist die junge Frau das erste Mal. Ein Land, das sie mitunter erstaunt. „Dass ich hier für die Benutzung der Toilette auf dem Bahnhof Geld bezahlen muss, wundert mich. Bei uns in Japan ist das kostenlos“, verrät die 18-Jährige. Dass man von Personen, die man nicht kenne, gegrüßt und mitunter sogar angesprochen werde, sei ebenfalls recht ungewöhnlich, berichtet Kana Negishi. So etwas gäbe es bei ihr daheim ganz und gar nicht.

Für die Kommunikation während der Völkerbegegnung, die auch Ludwigslust und demnächst Berlin einschließt, ist Oliver Hockenberger zuständig. Der 24-jährige Masterstudent für Konferenzdolmetschen aus Heidelberg hat Japanologie studiert und bereits ein Jahr in Kanas Heimatland gelebt. Die Tage mit der Delegation bereiten ihm sehr viel Spaß, gesteht der junge Mann, der ein astreines Japanisch sprich, die Gäste immer wieder spontan zum Lachen bringt.

„Ich finde, dass die Getränke hier in Deutschland viel mehr Kohlensäure haben. Das Mineralwasser schmeckt mir hingegen besser als zu Hause, da mag ich es nicht“, berichtet die Sportlerin weiter, die sich Softball und Schwimmen auserkoren hat. In ihrer Freizeit engagiere sie sich ehrenamtlich. Outdoor-Aktivitäten, vor allem Wandern in den Bergen, möge sie auch. „Ich habe in Deutschland erstmals gegrilltes Wildschwein gegessen. Das war richtig lecker“, schwärmt Kana Negishi, die in Japan ein großer Fan von Sushi und Sashimi ist. „Beides esse ich für meine Leben gern.“

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