Firmenchefs zufrieden : Kammern setzen auf Wachstumskurs

Großbaustelle Schweriner Schwimmhalle: Neun von zehn Bauunternehmen in Westmecklenburgs bezeichnen ihre wirtschaftliche Lage als gut. Und sie hoffen, dass es 2014 so weiter geht.
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Großbaustelle Schweriner Schwimmhalle: Neun von zehn Bauunternehmen in Westmecklenburgs bezeichnen ihre wirtschaftliche Lage als gut. Und sie hoffen, dass es 2014 so weiter geht.

Schweriner Hauptgeschäftsführer sind sich sicher: Koalitionsvertrag auf Bundesebene wirkt sich auch auf Westmecklenburg aus – positiv, wenn es keine Steuererhöhung gibt

svz.de von
26. Dezember 2013, 23:46 Uhr

Mit Blick auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im kommenden Jahr bewerten die beiden Wirtschaftskammern in Westmecklenburg den gerade geschlossenen Koalitionsvertrag im Bund als Kompromiss mit Licht- und Schattenseiten. Die Handwerkskammer Schwerin begrüßt das darin enthaltene klare Bekenntnis zum Handwerk, zu den Kammern und zum Erhalt des Meisterbriefs in Deutschland. Bemängelt wird jedoch, dass die Rentenkasse Mehrausgaben in zweistelliger Milliardenhöhe verkraften muss, was sich negativ auf Wachstum und Beschäftigung auswirken kann. „Und an Stelle eines allgemeinen und flächendeckenden Mindestlohnes hätten wir weitere branchenbezogene, von den Tarifparteien ausgehandelte Mindestlöhne vorgezogen, wie sie zuletzt für das Friseurhandwerk vereinbart wurden“, sagt Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin.

Der Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin, Siegbert Eisenach, weist darauf hin, dass „die Ausweitung der LKW-Maut die Wirtschaft zusätzlich belasten wird. Dies sei völlig unnötig, da der Umfang aus verkehrsbezogenen Steuern für eine Finanzierung der Infrastruktur ausreicht. Einzig die Verteilung dieser Mittel muss dringend neu strukturiert werden“. Darüber hinaus schränke ein flächendeckender Mindestlohn die Rolle der Tarifpartner ein. „Aus Sicht der Wirtschaft sind Reformen im Steuerrecht nötig, um die zu erwartende Mehrbelastungen der Steuerzahler in den kommenden Jahren zu vermeiden.“ Die Wirtschaftskammern appellieren an die Politik, das Ziel der Haushaltskonsolidierung weiterhin konsequent zu verfolgen.

Nach einer Konjunkturdelle im Frühjahr 2013 hat das Handwerk der Region im Herbst wieder nahezu das hohe Niveau des Vorjahres erreicht. 90 Prozent der Betriebe haben ihre Geschäftslage im Herbst als gut oder befriedigend bezeichnet und über die Hälfte der Betriebe sich als voll ausgelastet bezeichnet. Dies hat auch die Investitionsbereitschaft befördert: 28 Prozent haben ihre Investitionen erhöht, das sind 8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Auch der Ausblick auf die zukünftige Entwicklung fällt positiv aus: 89 Prozent der Betriebe rechnen damit, dass ihre Geschäftslage weiterhin gut oder zufriedenstellend bleibt.

Die Wirtschaft Westmecklenburgs hat sich nach der Konjunkturumfrage der IHK zu Schwerin im Jahr 2013 insgesamt positiv entwickelt. Diese Einschätzung gilt über alle Branchen hinweg. Neun von zehn Unternehmen bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend. Das Verarbeitende Gewerbe und die Bauwirtschaft stehen besonders gut da und unterstreichen diese Bewertung auch mit überdurchschnittlich guten Erwartungen für Geschäftslage und Umsatz. 88 Prozent der Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe erwarten eine gleich bleibende oder bessere Geschäftslage. Dies gilt sogar für neun von zehn Unternehmen der Bauwirtschaft. 86 Prozent der Dienstleistungsunternehmen beurteilen ihre derzeitige Lage als gut oder befriedigend. 84 Prozent der Handelsunternehmen im IHK-Bereich erwarten eine gleich bleibende oder bessere Entwicklung ihrer Geschäftslage. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 75 Prozent. Der Landkreis Nordwestmecklenburg erreichte seinen bislang höchsten Wert innerhalb der Konjunkturumfrage der IHK zu Schwerin.

Diese positive Konjunktureinschätzung schlägt sich auf die Beschäftigungssituation nieder. 90 Prozent der IHK-Unternehmen verzeichnen einen gleich gewachsenen oder bleibenden Beschäftigungsstand. Alarmierend ist die Fachkräftesituation in den Unternehmen. Bei den IHK-Unternehmen liegt der Fokus des Fachkräftemangels im hochqualifizierten Bereich.

Die gute Konjunktur spiegelt auch die Beschäftigungssituation im Handwerk. Insgesamt 95 Prozent haben ihre Belegschaften gehalten oder sogar aufgestockt. Nach Einschätzung der Handwerkskammer übersteigt der Bedarf der Betriebe das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften. Sie fordert daher von der Agentur für Arbeit, bei Qualifizierungsprogrammen für Langzeitarbeitslose und Jugendliche ohne Berufsabschluss auch die Bedarfe des Handwerks zu berücksichtigen. Die Anzahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk hat sich gegenüber dem Vorjahr um 5,8 Prozent bzw. 40 Verträge auf 648 verringert. Zur Unterstützung der Ausbildungsbetriebe bei der Nachwuchsgewinnung setzt die Handwerkskammer vor allem auf ihren großen „Tag der offenen Tür“ am 18. Januar sowie auf die stark ausgebaute Präsenz der landesweiten Handwerkskampagne in den sozialen Netzwerken im Internet. Hinzu kommt eine Smartphone-App für die Lehrstellensuche und ein Service zur „passgenauen Vermittlung“.

Die Gewinnung von ausländischen Jugendlichen für die Berufsausbildung sei eine gute und sinnvolle Ergänzung zur Entspannung der gegenwärtigen Situation auf dem Ausbildungsmarkt, betonen die beiden Kammer-Gerschäftsführer. Für das begonnene Berufsausbildungsjahr konnten 80 ausländische Jugendliche für eine Ausbildung in Westmecklenburg gewonnen werden, weitere 10 ausländische Jugendliche werden in handwerklichen Berufen betreut. Der Schwerpunkt für das neue Ausbildungsjahr liegt in der Reduzierung der vorzeitigen Lösungen von Ausbildungsverhältnissen.

Gedämpft wird das weitere wirtschaftliche Wachstum durch diverse Risiken. Größtes Risiko für die Unternehmen bleibt die Entwicklung bei Rohstoff-, Material- und Energiepreisen. „In Fragen der zukünftigen Energiegewinnung und -versorgung muss eine verlässliche Preisgestaltung gesichert werden. Insbesondere sind bei der Gewinnung regenerativer Energien geografische Gegebenheiten stärker zu berücksichtigen“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Eisenach. Aus Sicht des Handwerks ergeben sich Risikofaktoren vor allem aus der bisher nicht konsequent angegangenen Energiewende. Der Verzicht auf die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung entziehe den in diesem Geschäftsfeld tätigen Handwerksbetrieben in der Region wichtige Impulse. Zudem könnten weiter steigende Energiepreise vor allem die energieintensiven Handwerksbereiche hart treffen.

Beide Kammern warnen vor dem Hintergrund der Finanznot der Kommunen vor weiteren finanziellen Belastungen der in der Region ansässigen Betriebe. In der Diskussion ist zum Beispiel eine Änderung des Kommunalabgabengesetzes. Danach würde die Erhebung einer Tourismusabgabe auch in nicht anerkannten Kur- und Erholungsorten möglich sein und zwar von allen Betrieben, die nicht nur direkt, sondern auch indirekt vom Tourismus profitieren könnten, wie z.B. Bäcker, Fleischer oder Dienstleistungsunternehmen.

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