Falkner : Kamera guckt in Seeadler-Horste

Auf diese Aufnahmen von Adlerhorsten und der Insel Walfisch sind der Ornithologe Peter Hauff und der Copter-Pilot Dietrich Papendorf (r.) besonders stolz.  Fotos: Mett / Hauff / Papdendorf
1 von 3
Auf diese Aufnahmen von Adlerhorsten und der Insel Walfisch sind der Ornithologe Peter Hauff und der Copter-Pilot Dietrich Papendorf (r.) besonders stolz. Fotos: Mett / Hauff / Papdendorf

Modellbauer Dietrich Papendorf und Ornithologe Peter Hauff kombinieren ihre Hobbys, um Jungvögel besser zählen zu können

von
30. September 2015, 12:00 Uhr

Vor gut einem Jahr kannten sich Peter Hauff und Dietrich Papendorf aus Kleefeld noch gar nicht. Doch inzwischen machen der Ornithologe aus Neu Wandrum und der Kleefelder Pilot eines Flugroboters mit Kamera gemeinsame Sache – bei der Beobachtung von Seeadlern in Westmecklenburg. „Mit Hilfe von Dietrichs Copter bekommen wir genaue Zahlen, wie viele Jungvögel in schwer einsehbaren Horsten groß werden“, erzählt Hauff. Der 79-Jährige gilt als der Adlerexperte in der Region und kümmert sich seit Jahrzehnten insbesondere um den größten heimischen Greifvogel. „So mancher Seeadler-Horst liegt aber gut versteckt in Buchenkronen“, erzählt Hauff. Wenn der Baum dann Laub trägt, ist vom Boden aus nicht zu erkennen, wie viele Jungtiere im zeitigen Frühjahr geschlüpft sind. Hauff geht davon aus, dass zehn Prozent des Seeadler-Nachwuchses unbemerkt bleibt. Das wurmte den Neu Wandrumer schon lange.

Als er dann im vorigen Jahr in einer Fachzeitschrift las, dass bei der Beobachtung von Horsten auch Copter eingesetzt werden, machte er sich auf die Suche nach Partnern. „Ich wusste, dass es in Pinnow nicht nur Segelflieger, sondern auch Modellbauer gibt“, erzählt Peter Hauff.

Zu dieser Gruppe gehört auch der Kleefelder Dietrich Papendorf. Der 74-Jährige ist ein Copter-Fan. Ihn reizte es, seine Technik auch in der extremen Umgebung fliegen zu lassen und damit den Vogelkundlern bei deren Forschung zu helfen. „Im Wald einen geeigneten Start- und Aufstiegsplatz zu finden, ist gar nicht so leicht“, erzählt Papendorf. Besonders schwierig war es gleich bei ersten Tests im vorigen Jahr im Buchenwald bei Warin. Doch alles klappte. „Das war nicht nur ganz toll, sondern auch mutig von Dietrich“, betont Peter Hauff. Denn Dietrich Papendorf war der einzige Pilot, der sich das traute. Es war aber nicht klar, dass es in diesem Jahr so einfach weitergehen kann. Die Landesbehörden mussten dem Copter-Einsatz für diesen Zweck zustimmen. Und auch die Versicherung musste grünes Licht geben.

Bedenken gab es zudem auch unter Vogelschützern, erzählt Hauff: „Doch wir haben erlebt, dass sich die Seeadler gar nicht darum kümmern, dass da ein anderes Wesen in der Nähe ihrer Horste fliegt.“ Und dabei ist der Hexacopter mit seinen sechs Elektro-Motoren und einem Durchmesser von 70 Zentimetern nicht gerade klein. Hinzu kommt die Kamera, die Bilder per Funk gleich an den Boden überträgt. „Ich war total fasziniert, als ich einen jungen Seeadler sah, der sich im Horst an den Nestboden drückt“, erzählt Papendorf. Und überhaupt hätte der Kleefelder nie gedacht, dass er einmal Seeadlern so nahe kommt. Acht Einsätze mit seiner Technik für den Vogelschutz gab es in diesem Jahr.

Beeindruckende Bilder sind nicht nur an Adlerhorsten entstanden, sondern auch von der Insel Walfisch in der Wismarbucht. Dort ließ Papendorf seinen Copter ebenfalls im Auftrag von Vogelschützern Aufnahmen machen. „So habe ich hunderte Vögel, beeindruckende Pflanzenformationen und sogar den Grund der Ostsee gesehen“, berichtet Papendorf. Hinzu kamen je nach Lichteinfall wechselnde Stimmungen. „Ein einmaliges Erlebnis.“

Es gibt aber die Chance auf eine Fortsetzung. Denn die Genehmigung zu solchen Copter-Einsätzen gilt noch für das nächste Jahr. Peter Hauff und Dietrich Papendorf machen im nächsten Frühjahr weiter. Hauff ist zuversichtlich, exakte Zahlen für die Adlerforschung zu erhalten. 350 Seeadlerpaare gibt es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Drittel davon zieht Nachwuchs auf – zumeist ein oder zwei Jungtiere. „Die Population der Seeadler bei uns wächst“, freut sich der Neu Wandrumer. Zugleich mahnt der 79-Jährige: „Das gilt leider nur für wenige Vogelarten, andere sind stark bedroht und aus unserem Sichtfeld verschwunden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen