Schwerinerinnen lieben Hip-Hop : Junge Tänzer auf Weltmeister-Kurs

Ganz schön lässig: Die Crazy Crabs sind zwischen 11 und 13 Jahren alt, trainieren mindestens einmal die Woche in der Tanzschule und sehr oft zu Hause. Jetzt bereiten sie sich auf die WM im August vor.
Ganz schön lässig: Die Crazy Crabs sind zwischen 11 und 13 Jahren alt, trainieren mindestens einmal die Woche in der Tanzschule und sehr oft zu Hause. Jetzt bereiten sie sich auf die WM im August vor.

Nach vielen Titeln und TV-Auftritten kommt die Königsklasse: Drei Gruppen aus Schwerin sind qualifiziert für Hip-Hop-WM in Glasgow

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16. Mai 2017, 21:00 Uhr

Die meisten von ihnen sind gerade mal zwölf Jahre alt, aber wenn die 19 Mädels der Crazy Crabs Hip- Hop tanzen, dann wirken sie wie abgebrühte Videostars. Ihre Bewegungen sind so schnell und kompliziert, ihre Klamotten ausgesprochen lässig, ihre Minen dermaßen cool, dass man kaum glauben kann, dass sie alle heftig kichern, lachen, prusten, sich in die Arme fallen, rumalbern und eben echte Mädchen sind – wenn die Musik ausgeht. Auch wenn der Spaßfaktor angeblich oberste Priorität hat – meisterlich sind die Hip-Hoper aus Schwerin obendrein. Zusammen mit den Beatbusters und der Desire Deluxe Crew von der Tanzschule Schlebusch qualifizierten sie sich jetzt bei den Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken für die Weltmeisterschaft in Glasgow. Die steigt im August, 35 Nationen waren bei der vergangenen WM am Start. „Wir lassen uns einfach überraschen“, sagt Trainerin Tina Possehl. Natürlich wäre es toll, wenn die Schweriner weit nach vorne kämen. „Aber Spaß geht vor Ehrgeiz.

Besonders stark seien erfahrungsgemäß die Crews aus Polen, Slowenien und den Niederlanden, sagt Tina Possehl. Sie ist eine der Hip-Hip-Pioniere in Schwerin. Vor 15 Jahren leitete sie als Teenager die erste Hip-Hop-Gruppe mit etwa 20 Schülerinnen, hatte in Berlin ihr Handwerkszeug gelernt. Heute besuchen 400 Jungen und Mädchen beim Tanzstudio Schlebusch die Hip-Hop- und Breakdance-Kurse. Und Tina Possehl ist mittlerweile Mitinhaberin der privaten Schule in der Lübecker Straße. „Ich rate aber allen unseren Schülern, auch einen Kurs Standard zu machen. Wer ein Tänzer sein will, der muss auch den Walzer beherrschen.“

Doch ob Drehung im Dreivierteltakt oder Locking, Popping und Voguing – extrem anspruchsvoll sind beide Tanzarten. Wer beim Aufwärmtraining von Jette, Josi, Rike, Pia, Lilo, Maja, Nele, Charlotte und den anderen Crazy Crabs dabei sein darf, bekommt schon vom bloßen Zuschauen Rückenschmerzen. „Die haben alle gute Muskeln aufgebaut“, sagt
Tina Possehl lächelnd, als sie fertig ist und „No Roots“ von Alice Merton leiser dreht. „Da kann nichts passieren.“

Einige der „verrückten Krabben“ tanzen seit Vorschulzeiten. Sie haben schon viele Preise abgesahnt, Erfahrungen auf der Bühne und vor der Kamera gesammelt. 2015 wurden sie Europameister, bekamen eine Einladung zur RTL-Casting-Show „Got to dance Kids“. In Berlin und Köln tanzten die Schweriner Mädels, trafen dabei Choreografin und TV-Star Nikeata Thompson. „Wir haben es zwar ins Halbfinale geschafft, waren unter den besten 25 Gruppen aus ganz Deutschland – aber im Fernsehen zu sehen waren wir leider nicht“, erzählt Tina Possehl. Bei nur drei Folgen waren andere Crews für die Ausstrahlung ausgewählt worden. Auch bei Andrea Berg gehörten Tänzerinnen aus dem Hause Schlebusch zum Programm, einige wurden schon für Video-Drehs gebucht. Aktuell sorgen sie vor Spielen der Mecklenburger Stiere für gute Stimmung.

Die WM in Glasgow ist für alle trotzdem eine tolle, aufregende, völlig neue Erfahrung. Vom Organisationsaufwand – Choreografie umstellen, zusätzliches Training, Flug und Unterkunft in Schottland – ist sie allerdings erheblich und auch für die Eltern eine finanzielle Herausforderung. „Weil wir kein Verein sind, bekommen wir auch keine Spenden“, sagt Tina Possehl. Nach den Auftritten lassen sie gerne mal den Hut rumgehen und sammeln so für Fahrten, Trainingslager und Wettkampfkleidung.

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