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Syrer in Schwerin : Junge Flüchtlinge werden Kleingärtner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zuwanderer bewirtschaften Fläche in der Anlage „Panorama“ in Neumühle

von
erstellt am 25.Aug.2017 | 05:00 Uhr

„In Syrien habe ich immer meiner Familie im Garten geholfen. Gurken und Tomaten sind bei uns gewachsen wie in Deutschland“, erzählt Adnan. Seit mehr als eineinhalb Jahren lebt der 19-Jährige nun in
der Bundesrepublik, floh vor dem Bürgerkrieg. „Meine Heimatstadt Idlip ist eine grüne Stadt“, sagt Adnan. Dann denkt er an seine Eltern und jüngeren Brüder, die auch geflüchtet sind und es nur bis in den Libanon geschafft haben.

Kleingartenanlage „Panorama“ in Neumühle, Libellenweg 16. Gemeinsam mit Anas, Ibrahim und Majd, die ebenfalls aus Syrien stammen, und dem Palästinenser Mohammad greift Adnan zum Spaten. Ein Hochbeet wollen die jungen Männer anlegen – in ihrem Garten. Das Beet soll den Hang abfangen. Bevor es wieder grünt und blüht, Obst und Gemüse in größerem Umfang geerntet werden können, muss Pionierarbeit geleistet werden. Andere Beete auf der Parzelle haben die Zuwanderer schon hergerichtet, Wege frei geschnitten, die Fläche für eine neue Terrasse ausgehoben.

„Als wir das Grundstück übernommen haben, war es vollkommen zugewuchert“, berichtet Diana Wolf von der Schweriner Flüchtlingshilfe. Sie leitet das Kleingarten-Projekt, bei dem rund 20 Zuwanderer mitmachen, vorwiegend aus Syrien. Mit ihrer Idee, Flüchtlingen eine Fläche zum Bewirtschaften zu geben, stieß Wolf beim Vorsitzenden des Kreisverbandes der Gartenfreunde, Wolfram Görs, sofort auf offene Ohren. Er stellte den Kontakt zum Verein „Panorama“ her. „Wir haben in unserer Anlage schon seit Jahren ausländische Gartenbesitzer und bisher nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Vorsitzender Wilfried Lübbe.

Mittlerweile kümmern sich Diana Wolf und ihre Flüchtlinge auch schon um den benachbarten Garten. Der Kleingarten soll aber nicht nur ein Ort der Arbeit, sondern auch der Gemeinschaft sein, betont die Projektleiterin. „Wir wollen eine Brücke zu den Einheimischen schlagen.“ Jede Unterstützung sei willkommen, erklärt Wolf. Interessierte könnten sich unter der E-Mail-Adresse kontakt@flüchtlingshilfe-schwerin.de melden.

Adnan möchte in Deutschland bleiben, Krankenpfleger werden. Dem Gartenprojekt will er treu bleiben. Die Arbeit im Grünen erinnere ihn an seine Heimat. „In unserem Garten standen allerdings Ölbäume“, sagt Adnan. Für diese Bäume brauche man sehr viel Geduld. Und mit einem Lächeln fügt er hinzu: „Genau wie beim Erlernen der deutschen Sprache.“

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