Bauen in Schwerin : Jung, verheiratet, nicht kreditwürdig...

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Für junge Familien ist es schwierig, einen Kredit zu bekommen – Großteil der Anträge wird von den Banken abgelehnt

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29. September 2017, 08:00 Uhr

In der Landeshauptstadt muss dringend mehr günstiges Bauland ausgewiesen werden, auf dem junge Familien Eigenheime errichten können. Das war das Hauptargument von Baudezernent Bernd Nottebaum und der SPD- und der CDU-Fraktion in der Stadtvertretung für die Zustimmung zur Aufstellung eines Bebauungsplanes mit bis zu 160 Wohneinheiten in Wickendorf. Doch ist der Bedarf tatsächlich so hoch?

Vor wenigen Wochen hatte Robert Erdmann, Geschäftsführer des Erschließungsträgers Landesgrunderwerb (LGE) erklärt, dass es für die 170 Grundstücke, die sein Unternehmen derzeit in Friedrichsthal erschließt, mehr als 500 Interessenten gäbe. Jetzt heißt es auf der LGE-Homepage im Internet: „Es sind wieder Grundstücke im 1. Bauabschnitt frei geworden.“ Für Erdmann ein normaler Ablauf. „Am Anfang melden sich viele Interessenten. Für einzelne Grundstücke bis zu zehn.“ Dann geht es nach der Reihenfolge, in der sich die Bauwilligen gemeldet haben.

Das größte Problem auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden indes ist die Finanzierung. Hier klaffen Traum und Wirklichkeit oft weit auseinander. Aus Bankenkreisen heißt es, dass fast jedes zweite Ersuchen um einen Baukredit abgelehnt wird. Denn billig ist Bauen nicht. Junge Familien kommen da schon mal mit einem Kreditwunsch von 400 000 Euro. Das müssen die Banken in den meisten Fällen ablehnen. Denn die Bankenaufsicht hat die Bedingungen verschärft, zu denen Baukredite vergeben werden dürfen. Durch die historisch niedrigen Zinsen sollen die Interessenten nicht zu Investitionen verleitet werden, die sie in zehn Jahren bereuen, weil sie die Kredite bei steigenden Zinsen nicht mehr bedienen können und ihr Häusle wieder los werden.

Auch die Grundstücke selbst sind nicht gerade billig. „Am Mühlenscharrn wurden uns die Flächen für 50 Euro pro Quadratmeter geradezu aus den Händen gerissen“, sagt Robert Erdmann. In Friedrichsthal wird ein Preis ab 90 Euro aufgerufen. Der Durchschnittspreis liegt bei 130 Euro für den Quadratmeter. Und die Grundstücksgrößen beginnen bei 500 Quadratmetern. Da kommen schnell auch mal 100 000 Euro nur für das Grundstück zusammen. Erdmann spricht von „verschärften Bedingungern für Häuslebauer“.

In Friedrichsthal hat die LGE inzwischen 32 von 45 reservierten Grundstücken verkauft – notariell beglaubigt. „Das ist sehr gut“, sagt Erdmann. Allerdings sind erst für weniger als zehn Grundstücke bisher Hausanschlüsse bei den Stadtwerken beauftragt. Ganz so schnell geht es also offenbar doch nicht. Und dabei muss noch berücksichtigt werden: Es sind bei weitem nicht nur junge Familien mit kleinen Kindern, die den Traum vom Häuschen im Grünen träumen und ihn verwirklichen wollen.

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