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Alkoholproblem in Schwerin : Jung und berauscht in der City

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Polizei griff in diesem Jahr bereits 15 alkoholisierte Jugendliche auf. Experte appelliert an die Vorbildrolle der Eltern

von
erstellt am 17.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die Meldung schockierte: Vor wenigen Tagen griff die Polizei auf dem Marienplatz zwei 14 Jahre alte Mädchen auf, die sturzbetrunken waren. 1,4 Promille hatten die Jugendlichen intus. Am selben Abend wurde in der Wittenburger Straße ein ebenfalls 14-Jähriger gemeldet, der so stark alkoholisiert war, dass er noch vor Eintreffen der Polizei mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung ins Klinikum eingewiesen wurde.

Keine Einzelfälle. 15 alkoholisierte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren habe die Polizei in den ersten zwei Monaten dieses Jahres bereits angetroffen, sagt Madlen Fafczynski vom Schweriner Kriminalkommissariat. Im ganzen vergangenen Jahr seien es „lediglich“ 27 gewesen. „Und die warme Jahreszeit hat noch gar nicht begonnen“, so Fafczynski. So werde im Sommer erfahrungsgemäß mehr Alkohol unter freiem Himmel konsumiert – von Erwachsenen und leider auch von Jugendlichen.

Die gestiegene Zahl der bekannten Alkoholfälle sei zwar auch das Ergebnis verstärkter Kontrollen der Polizei besonders in der Innenstadt, erklärt die Schweriner Präventionsbeamtin Heidi Liebmann. Dennoch bleibe festzuhalten: Alkohol habe auf etliche Jugendliche weiterhin eine große Anziehungskraft – und sei viel zu leicht erreichbar. Die jungen Konsumenten kämen aus allen Teilen der Gesellschaft, aus Wohngruppen, aber auch gut funktionierenden Familien. Sie griffen zur Flasche, um cool zu erscheinen oder in der Gruppe zu bestehen, so Liebmann. „Bei unseren Besuchen in Schulen sprechen wir das Thema Alkoholmissbrauch immer wieder an“, so Liebmann. Es gäbe zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Ordnungsdienst, betont sie.

„Unser Dienst kontrolliert regelmäßig die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes“, bestätigt die Leiterin des Ordnungsamtes, Gabriele Kaufmann. Die Mitarbeiter seien sowohl auf Straßen und öffentlichen Plätzen, als auch in Gaststätten und an Veranstaltungsorten unterwegs. Im Vorfeld von großen Partys und Konzerten gäbe es genaue Absprachen mit den Organisatoren zum Thema Jugendschutz, die sich im Nachhinein auch auszahlten, so Kaufmann.

„Das Rauschtrinken unter Jugendlichen hat abgenommen“, sagt Rainer Siedelberg von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen mit Blick auf Zahlen für ganz MV. So seien etwa im Jahr 2009 noch fast 100 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung in Mecklenburg-Vorpommern ins Krankenhaus gekommen, im Jahr 2015 seien es rund 70 gewesen. Auch diese Zahl sei freilich noch alarmierend genug, unterstreicht Siedelberg, der vor allem Ältere in der Verantwortung sieht: „Jede Flasche Alkohol, die ein junger Mensch konsumiert, ist durch die Hand eines Erwachsenen gegangen.“ In puncto Vorbild appelliert der Experte besonders an die Rolle der Eltern.

In den Schweriner Helios-Kliniken würden im Schnitt etwa 30 Kinder und Jugendliche im Jahr wegen einer Alkoholvergiftung behandelt, berichtet Dr. Bernd Schenk, leitender Oberarzt in der Kinderklinik. Mädchen und Jungen hielten sich die Waage. „In der allermeisten Fällen handelt es sich um eine einmalige Grenzerfahrung“, so Schenk.

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