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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 04:54 Uhr

Hohe Kosten : Jugendhilfe in Schwerin zu teuer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eingeschliffene Strukturen, hohe Fallzahlen und Kosten: Beratender Beauftragter geht mit Stadt und Trägern ins Gericht

von
erstellt am 09.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Zu viele Fälle, zu hohe Kosten, zu wenig  differenzierte  Angebote auf Seiten der Träger – der Beratende Beauftragte Peter Jagnow und seine Mitarbeiter Astrid Schrader und Stefan Schwall sind  auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses mit den Hilfen zur Erziehung  in der Stadt  hart ins Gericht gegangen.

Wenn Eltern mit ihren Kindern nicht klar kommen, springt der Staat ein. Mal reicht ein Erziehungstraining, mal eine Begleitung zu Hause, mal ist eine Heimunterbringung notwendig. Seit  dem Jahr 2008 sei in Schwerin ein              sprunghafter Anstieg der Hilfen  festzustellen,  hieß es nun im Jugendhilfeausschuss.  Der  bis vor Kurzem gültige pauschale Stundensatz  habe dabei mit 46,35 Euro deutlich über den Sätzen in  vergleichbaren Städten gelegen.

In  Schwerin gäbe es nur etwa zehn Träger, die  überhaupt diese Hilfen zur Erziehung anbieten würden, kritisierte Astrid Schrader.   „Über Jahre  hinweg haben sich in  der Stadt bestimmte Strukturen eingeschliffen“, erklärte Stefan Schwall – zu Lasten der Stadtkasse. Sein Rat: Rund 30 Prozent der stationären Hilfen  sollten darauf hin untersucht werden, ob nicht auch eine ambulante Lösung infrage komme – mit besseren Ergebnissen und geringeren Kosten. Soll heißen: weniger Einweisungen in Heime, mehr Betreuung zu Hause.

Kritik der Experten: Es fehle im Umgang mit den Hilfen zur Erziehung an  einer einheitlichen Vorgehensweise. Das Jugendamt müsse sich häufiger und intensiver mit den Fallverläufen beschäftigen, mahnte Schwall. Noch ein Stein des Anstoßes: Eine Million Euro an Ertrags- und Aufwandsveränderungen im Bereich der Jugendhilfe seien  im Haushalt nicht erläutert.

„Wir nutzen die Kritik positiv und stehen bereits in einem engen Dialog mit den Trägern“, sagte Sozial- und Finanzdezernent Dieter Niesen (SPD) in der Ausschusssitzung. Tatsächlich seien die Stundensätze bei den Hilfen zur Erziehung schon neu verhandelt worden, werde jeder Hilfe-Fall noch einmal unter die Lupe genommen, berichtete Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk. Die Träger ließen sich die Schuld nicht in die Schuhe zuschieben, betonte Axel W. Markmann von der Diakonie. „Wir haben Veränderungswünsche nicht abgeblockt.“ Auch Awo-Chef Axel Mielke wehrte sich gegen den Vorwurf der Kartellbildung.

 

 

 

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