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Zivilcourage in Schwerin : Jugendgewalt – und niemand sieht hin?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Prügelei im Parkhaus des Schlosspark-Centers und Gully-Attacke an der Kepler-Haltestelle: Polizei fordert mehr Zivilcourage

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2014 | 08:45 Uhr

In einem öffentlichen Parkhaus wird eine Zwölfjährige von einer anderen Jugendlichen brutal verprügelt, an einer Haltestelle wird ein Zehnjähriger von einem Mitschüler in einen Gully eingesperrt – und niemand sieht hin? Die beiden jüngsten Fälle von Jugendgewalt in der Stadt werfen für die Schweriner Polizei einmal mehr die Frage nach der Zivilcourage auf. „Wir vermuten, dass es in beiden Fällen Zeugen gegeben hat“, sagt Polizeisprecher Steffen Salow. „Und es wäre wünschenswert gewesen, wenn sich diese Bürger bei uns gemeldet hätten.“

Niemand müsse sich selbst in Gefahr begeben, um Zivilcourage zu zeigen, betont Salow. „Aber einen Notruf unter 110 kann jeder absetzen.“ Tatsächlich habe sich der Übergriff auf das zwölfjährige Mädchen am Montag im Parkhaus des Schlosspark-Centers kurz vor Geschäftsschluss ereignet, zu einer Zeit, in der eigentlich viele Kunden in ihr Auto steigen müssten, so der Polizeisprecher. „Die Gully-Attacke hat sich am Dienstag sogar in der Mittagszeit abgespielt, an der normalerweise stark frequentierten Haltestelle in der Keplerstraße.“ Immerhin sei in diesem Fall ein Sechstklässler eingeschritten, um dem eingesperrten Zehnjährigen zu helfen, betont der Sprecher, der gestern die ursprüngliche Version der Polizei von den hilfsbereiten Neuntklässlern korrigierte.

Den Schüler-Einsatz wertet Armin Schlender, Leiter der Geschäftsstelle des Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung, als ein positives Zeichen: „Dieses Verhalten zeigt, dass die Präventionsarbeit in den Schulen durchaus fruchtet und regt zur Nachahmung an.“ In diesem Sinne leiste auch das landesweit beispielhafte „Zivico“-Projekt der Schweriner Polizei, die unter anderem auf Plakaten für mehr Zivilcourage werbe, einen wichtigen Beitrag. Der Geschäftsstellen-Leiter appelliert in Sachen Courage aber auch an die direkte Vorbildfunktion der Erwachsenen. Dass bei den prügelnden Kindern im Parkhaus des Schlosspark-Centers offenbar niemand eingegriffen habe, sollte als negatives Beispiel die Öffentlichkeit sensibilisieren und die Bedeutung von Zivilcourage unterstreichen, mahnt Schlender.

Für die Schweriner Polizei sind Präventionsarbeit und die Förderung von Zivilcourage zwei Seiten einer Medaille. So waren die zuständigen Beamten auch gestern im Einsatz, um der Jugendgewalt in der Stadt den Boden zu entziehen.

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