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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 12:39 Uhr

„Das Tierreich“ : Jugenddrama im E-Werk

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schultheatergruppe Taggs vom Goethegymnasium bringt Probleme junger Leute auf die Bühne

von
erstellt am 17.Mai.2015 | 16:00 Uhr

So viel Applaus, wie Taggs, die Theatergruppe am Goethegymnasium Schwerin, im E-Werk für ihr Stück „Das Tierreich“ erhielt, würden sich die Profi-Schauspieler im Großen Haus sicher auch wünschen. Die Schüler von Anne Holz hatten unter der Leitung von Regisseur Bernhard Meindl das Jugenddrama so überzeugend auf die Bühne gebracht, dass sie vom größtenteils jugendlichen Publikum frenetisch gefeiert wurden. Eine wahrlich gelungene Premiere.

Schon der Beginn des Stückes offenbarte eines der Elemente des Erfolgs: Überraschung. Ein bekannter Werbespot wird neu interpretiert, ein Papiervorhang zerfetzt und schon sind die Zuschauer mitten in der Welt der Jugend von heute. Der sparsame Umgang mit Kulissen und Requisiten erleichtert die Konzentration auf die jungen Schauspieler Moritz Gärber, Anne-Marie Klinger, Fenna Matton, Maximilian Ortmann, Charlotte Schön, Keven Seidel, Ulrike Wegener und Anna Zhukovets. Sie schlüpfen in jeweils mehrere Rollen, treten in unterschiedlichen Kombinationen auf, zeigen eine erstaunliche Bandbreite schauspielerischen Könnens: Ausdrucksstark zeichnen sie unterschiedliche Charaktere, bewegen sich sicher auf der Bühne, spielen voller Lust und Enthusiasmus. Denn es ist ihre Welt, die sie zeigen, es sind ihre Probleme, mit denen sie sich auseinandersetzen, es sind ihre Gedanken, denen sie Körper und Stimme verleihen: der Schulalltag und die Freizeit, die große Liebe und die kleinen Irrungen, Freundschaft, Mobbing, Träumereien und Enttäuschungen, absurde Nachrichten, deutsche Geschichte, die Rettung der Welt.

Die gute schauspielerische Vorbildung aus der Arbeitsgemeinschaft ist unübersehbar, ebenso das Talent der Jugendlichen, aber auch die professionelle Regiearbeit. Regisseur Bernhard Meindl ist es gelungen, die Stärken der jungen Darsteller herauszuarbeiten. Zu feilen wäre noch an der Sprache, Theaterakustik verlangt laute, deutliche Intonation in Richtung Publikum. Und die politische Relevanz des Stückes käme auch ohne das übergroßes Polit-Plakat zum Finale überzeugend zur Wirkung.

Doch diese kleinen Schwächen tun dem Erfolg des Stückes keinen Abbruch. Es findet genau dort das Interesse, wohin es abzielt: bei der Jugend. Das wurde bei der Premiere eindrucksvoll unterstrichen, noch lange nach dem Schlussakkord hatten die Zuschauer Gesprächsstoff.

Die Inszenierung „Das Tierreich“ ist die zweite Koproduktion des Staatstheaters mit dem Goethegymnasium. Mit dem ersten Projekt „Freiheit und Demokratie, du Wichser“ hatten es Taggs und Regisseur Meindl 2014 zum Theatertreffen der Jugend in Berlin geschafft.

 

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