Power for Kids : Jugendarbeit geht auch ohne Zuschüsse

Computerspiele im Club sind bei den Jungen besonders beliebt.
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Computerspiele im Club sind bei den Jungen besonders beliebt.

Treff „Power for Kids“ im Mueßer Holz wird vom gleichnamigen Verein betreut und auch vollständig finanziert

svz.de von
22. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Schwarze Ledercouch und Einbaumöbel, stilvolle Aquarien, geräumige Küche und ein Dutzend moderne Computer – der Jugendclub „Power for Kids“ wirkt edel. Auch die mehr als 20 Kinder und Jugendlichen bewegen sich ordentlich, sind ruhig und diszipliniert, reden und spielen miteinander und mit den Betreuern. Der Club arbeitet beispielhaft. Doch das eigentlich Besondere ist nicht das pädagogische Konzept, mit dem in dem sozialen Brennpunkt-Wohngebiet Maßstäbe gesetzt werden, sondern dass der Jugendtreff komplett ohne Förderung durch die öffentliche Hand auskommt. Damit ist „Power for Kids“ in Schwerin und der Region einzigartig.

Das indes ist für die 40 bis 60 Kinder im Alter von vier bis 18 Jahren, die täglich in den Club kommen, gar nicht so wichtig. Kevin, Marc, Marie, Jaqueline und die anderen freuen sich, dass sie in ihrer Freizeit das tun können, was sie gerne möchten: am Computer spielen und lernen, ihn zu reparieren, Hip-Hop oder Breakdance tanzen, Aquarienfische pflegen und Schildkröten füttern, in der Fahrradwerkstatt dem eigenen Zweirad eine besondere Note geben oder in der Holzwerkstatt basteln, im Tonstudio ein eigenes Video drehen oder in der Küche neue Rezepte ausprobieren. Doch wie ist diese Vielfalt möglich? Peter Boneß vom Trägerverein erklärt: „Das alles ist nur zu schultern, weil wir viele sind, die sich einbringen. Jeder übernimmt Verantwortung für einen bestimmten Bereich. Dadurch können wir unsere Angebote breit fächern. Das macht unseren Treff für die Jugendlichen so attraktiv.“

Alle der vielen Erwachsenen, von denen Boneß spricht, engagieren sich ehrenamtlich: Leiterin Grithli Frenzel, Stellvertreterin Anja Siebenhüner, Betreuer Benjamin Timm und all die anderen. Insgesamt sind es 33, davon gehören 13 zum Stammteam des Clubs. „Es macht uns selbst Freude, deshalb machen wir das“, begründet Timm kurz und knapp. Er kann auch erklären, warum das mit der Disziplin im Club so gut funktioniert: „Wir haben alle gemeinsam klare Regeln aufgestellt, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Und die gelten für alle, also auch für uns. Da gibt es keine Abstriche.“ Nach anderthalb Stunden am Computer beispielsweise – übrigens ohne Knaller-Baller-, sondern mit Strategie- und Geschicklichkeitsspielen – muss Pause gemacht werden. Nach einer viertel oder halben Stunde wird der zuständige Betreuer gefragt, ob es weitergehen kann. „Die Brettspiele werden auch gern genutzt“, sagt Timm.

Einmal im Monat ist Strategiedebatte. Dann setzen sich die Verantwortlichen vom Trägerverein mit den Betreuern und den Kindern zusammen und besprechen, was gut läuft und was nicht so gut, was verändert werden sollte und welche Ziele es für die Zukunft gibt. Derzeit plant der Verein, das Brachland zwischen dem Gorodki- und dem künftigen Plattenpark zu einer Familien-Grünanlage mit Spielplätzen und Obstbäumen zu entwickeln.

Doch wie kann das alles ohne fremde Hilfe finanziert werden? „Das ist kein Geheimnis“, sagt Boneß. „Als klar war, dass die Stadt mit der Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit Probleme hat, haben wir als Verein einen Wohnblock hier auf dem Dreesch gekauft. Aus den Mieteinnahmen wird die Vereinsarbeit finanziert.“

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