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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 04:57 Uhr

Sparzwang : Jugendarbeit auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sozialpolitik in Zeiten leerer Kassen: Arbeitsgruppe ermittelt tatsächlichen Bedarf an Angeboten für junge Leute in der Stadt

von
erstellt am 21.Jan.2015 | 23:15 Uhr

Wie viele Jugendtreffs braucht die Stadt? Welche bestehenden Offerten für junge Leute sind sinnvoll, welche nicht? Wo muss nachgesteuert, wo gestrichen werden? In Schwerin kommt die Jugendarbeit auf den Prüfstand. „Evaluation“ heißt das Stichwort. In der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 4. Februar wird sich eine Arbeitsgruppe konstituieren, die den tatsächlichen Bedarf an Angeboten ermitteln soll. So sieht es die Fortschreibung des Strategiepapiers zur Entwicklung der Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit bis 2017 vor.

Wie schwierig die Aufgabe der Arbeitsgruppe wird, lässt bereits die Debatte über die Zusammensetzung des Gremiums in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses erahnen. Hin und her gingen die Vorschläge. Nach letztem Stand sollen sechs Vertreter der Politik, drei Repräsentanten der Freien Träger und vier Fachleute aus den Trägerverbünden der Jugendarbeit in der Stadt in der Gruppe mitarbeiten, dazu Experten aus der Verwaltung.

„Die Arbeitsgruppe soll nicht vordergründig über Finanzen sprechen“, sagt der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Peter Brill (Linke). Er wünscht sich eine „offene Gesprächsatmosphäre“, in der es um die Interessen der Kinder und Jugendlichen in Schwerin geht, nicht um Besitzstandswahrung. Aber Brill weiß natürlich auch: Es gibt einen Sparzwang. Laut Haushaltskonsolidierungskonzept stehen schon im kommenden Jahr 125 000 Euro weniger im Jugendbereich zur Verfügung als in diesem Jahr.

Ausgaben in Höhe von 5,7 Millionen Euro hat die Stadt von 2015 bis 2017 für die Jugend insgesamt geplant. Trotz prekärer Kassenlage soll vorerst keiner der rund ein Dutzend Treffs geschlossen werden, kündigten Sozialdezernent Dieter Niesen (SPD) und Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk an, wohl aber müsse es Einsparungen geben. So belaufe sich die Finanzierungslücke im Jugendbereich nach den bereits vorliegenden Bedarfsanmeldungen der Träger im kommenden Jahr auf 327 000 Euro, im Jahr 2017 werde sie dann sogar 367 000 Euro betragen.

Die Arbeitsgruppe stehe also durchaus unter einem gewissen Zeit- und Erfolgsdruck, erklärt Brill. Bis Ende des Jahres sollten erste konkrete Ergebnisse vorliegen, als Entscheidungsgrundlage für Politik und Verwaltung. „Ich gehe davon aus, dass sich die Mitglieder der Gruppe schon im Februar zu ihrer ersten regulären Sitzung treffen“, so der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

Entscheidend für den Erfolg der Arbeitsgruppe, die zunächst bis 2017 tätig sein soll, sind aus Sicht von Brill die richtige Schwerpunktsetzung, eine sachorientierte Moderation und ein Methoden-Mix. Um sich ein Bild der Lage zu verschaffen, dürfe die Gruppe nicht nur auf ein Verfahren setzen. Aktenstudium, Diskussionen, Gespräche mit Praktikern, Workshops, aber auch Besuche in den Einrichtungen sollten die Tagesordnung bestimmen, sagt der Ausschussvorsitzende. Selbstverständlich müssten auch die Kinder und Jugendlichen selbst in die Evaluation mit einbezogen werden. Und so mahnte auch schon Matthias Glüer vom Bauspielplatz-Verein in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses an, geeignete Formen der Beteiligung für junge Leute zu finden.

Die vorhandenen Angebote der offenen Jugendarbeit seien bei Kindern und Jugendlichen nachgefragt, heißt kurz im Strategiepapier der Stadt. Die neue Arbeitsgruppe wird nun genau hinschauen.

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