Schweriner Jugendangebote : Jugendarbeit auf dem Prüfstand

Gratulation zur Eröffnung: Sozialdezernent Andreas Ruhl begutachtet den im Februar dieses Jahres eröffneten neuen Jugendtreff in den Schweriner Höfen.
Gratulation zur Eröffnung: Sozialdezernent Andreas Ruhl begutachtet den im Februar dieses Jahres eröffneten neuen Jugendtreff in den Schweriner Höfen.

Stadt, freie Träger und Kommunalpolitiker bereiten in einer Arbeitsgruppe neues Strategiepapier vor – Schwerpunkt: Mueßer Holz

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20. September 2017, 12:00 Uhr

Wenn die Stadtpolitik über Ausgaben für Jugend abstimmt, präsentiert ihnen die Verwaltung einen großen Topf – inklusive Kosten für Kita-Betreuung, Jugendarbeit und Hilfen zur Erziehung. Während für Schulsozialarbeiter, Mitarbeiter im Freizeittreff oder den Schulsanitätsdienst nicht einmal zwei Millionen Euro von der Stadt gezahlt werden, legt die Stadt für Kinder und Jugendliche mit Problemen allein 19 Millionen Euro pro Jahr mit den Hilfen zur Erziehung hin. „Wir wollen mehr Geld in präventive Angebote geben“, sagt Jugenddezernent Andreas Ruhl.

In Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring – der genau das gefordert hat – konnte für diesen Zwei-Jahres-Finanzplan schon etwas nachgebessert werden, verdeutlicht der Dezernent. „Es gibt für diesen Bereich in diesem und im kommenden Jahr jeweils zusätzlich 160 000 Euro“, so Ruhl.

Und noch ein Ziel des Stadtjugendrings trägt die Verwaltung mit. Jugendring-Geschäftsführerin Regina Dorfmann: „Im Mueßer Holz ist dringend ein weiteres hauptamtliches Angebot nötig.“ Ein Fall wie Power for Kids soll sich nicht wiederholen können.

„Schwerin braucht dringend ein neues Jugendstrategiepapier. Es gibt nicht nur wegen der Flüchtlinge deutlich mehr Kinder und Jugendliche. Der Jugendhilfeausschuss hat daher eine Arbeitsgruppe beauftragt, dafür einen Entwurf zu machen“, berichtet Ruhl. „Darin arbeiten Träger, Verwaltung und Stadtvertreter zusammen an einer Perspektive für Jugend- und Jugendsozialarbeit.“ Im Mittelpunkt stünden dabei Bedarfe und Standards gerade für Kinder- und Jugendschutz. Auch neue Anlaufstellen und Treffpunkte sollen eine Rolle spielen. „Zurzeit konzentriert sich die Stadtverwaltung hier auf das Mueßer Holz und Neu Zippendorf. Dort gibt es die größten Zuwächse bei Kindern und Jugendlichen“, sagt der Dezernent.

Das solle nicht heißen, dass es in anderen Stadtteilen nicht auch Bedarf gäbe, erklärt Ruhl. Gerade in den wachsenden Wohngebieten von Neumühle über Friedrichsthal bis hin nach Wickendorf fehlten zusätzliche Jugendfreizeitangebote. Doch die Schaffung von Treffs sei eben „sehr kostenintensiv“ für die notorisch klamme Stadt.

„Ein geeignetes Objekt zu finden, das der Stadt gehört, ist sicher nicht das Problem“, erläutert Ruhl. „Aber wir brauchen mindestens zwei pädagogische Mitarbeiter, damit ein Freizeittreff wirklich für die Kinder und Jugendlichen vor Ort da sein kann. Wenn wir die Sachkosten hinzu rechnen, landen wir pro Treff schnell bei Ausgaben von 100 000 Euro.“ Selbst bei Nutzung von Fördermöglichkeiten und Bundesprogrammen sei das nicht in jedem Stadtteil leistbar.

Was wird gebraucht? Wie wird Bestehendes angenommen? Das jetzt zu erarbeitende neue Strategiepapier für die Jugend soll auch die tatsächlichen Bedarfe in den Stadtteilen unter die Lupe nehmen. Im Mai wollen Verwaltung und Politik in die Finanzplanung für 2019/2020 gehen. Bis dahin soll das Strategiepapier im Entwurf fertig sein.

Kommentar

Was wollen die Jugendlichen?

Jugendarbeit ist eine Gratwanderung zwischen pädagogischer Hilfe für die Jugendlichen und zeitgemäßen Angeboten, die diese auch annehmen. Dass die Treffs sich und ihre Arbeit dafür quasi ständig hinterfragen müssen, liegt auf der Hand. Deshalb ist es richtig, nicht nur an Neues zu denken, sondern auch Bestehendes zu prüfen.

Timo Weber

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