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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. September 2017 | 06:02 Uhr

Erinnerungen : Jugend spielt gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Während immer weniger Zeitzeugen vom Nazi-Grauen berichten können, lassen Schüler die Zeit auf internationaler Bühne aufleben

von
erstellt am 09.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Ist der Hitlergruß auf der Theaterbühne erlaubt? Diese Frage kam bei Schülern aus Finnland, Österreich und Deutschland auf. Auslöser war ein europaweites Theaterprojekt, das sich unter dem Dach des „Esther“-Programms mit der Lebensgeschichte der Esther Bauer auseinandersetzt. Die Buchstabenfolge „Esther“ steht dabei für Europäische Strategien zur Holocaust-Erinnerung. Das am 1. Juni 2012 gestartete Projekt endete am gestrigen Tag der Befreiung vom Nazi-Regime mit einem Europäischen Konzert im Brigitte-Feldtmann-Saal des Schweriner Konservatoriums. Das Konzert erzählte von überschwänglicher Freude, zerreißender Melancholie, tiefer Trauer und ungebrochenem Lebenswillen – genau wie die Lebensgeschichte von Esther Bauer. 1925 in Hamburg geboren hat die Holocaust-Überlebende inzwischen in New York ein Zuhause gefunden. Die Premiere des Stücks ging bereits während des Internationalen Festivals Verfemte Musik 2012 in Schwerin über die Bühne, danach auch in Wien und Helsinki.

„Mehr als 700 Schüler haben die Aufführung gesehen und das, obwohl die finnischen Schüler nur drei Jahre Deutsch lernten“, erzählt Ole Sandbacka, „Esther“-Co-Koordinator und Leiter des Musikverbandes für junge Leute im schwedischsprachigen Teil Finnlands. An „Esther“ waren eine Vielzahl hochkarätiger Konzerte, Vorlesungen, Meisterkurse, Filmvorführungen, internationale Symposien und eine Ausstellung gekoppelt.

„Bei dem Projekt läuft mir das Herz über“, sagt Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Während immer weniger Zeitzeugen von den Nazi-Gräultaten erzählen können, würden die Jugendlichen die Geschichte beim Theaterspielen nacherleben. „Wir wollen nicht mit dem Vergessen umgehen lernen, sondern erinnern.“

Der Landesverband Jeunesses Musicales MV 2012 initiierte „Esther“ gemeinsam mit vier internationalen Organisationen: Die Exil.arte kümmert sich in Wien um Exil-Schicksale. Das Royal College of Music in London ist mit vielen aus Nazi-Deutschland vertriebenen Künstlern verbunden. Das „Pro Quartet-Centre européen de musique de chambre“ konzentriert sich mit Meister- und Amateurmusikern auf die Schulen in Paris. Der finnische Musikverbund Dunk fördert eine offene multikulturelle Gesellschaft.

Wie viel Sinn das Engagement der Organisationen besitzt, zeigen die Erfahrungen der Jugendlichen mit dem Hitlergruß auf der Theaterbühne. „Viele erzählten, dass sie dabei das erste Mal spürten, was Ausgrenzung bedeutet“, sagt Konservatoriumsleiter Volker Ahmels. Neben dem „Esther“-Projekt erinnert übrigens auch das Internationale Festival Verfemte Musik an die Holocaust-Opfer. Das beginnt am 15. September.

 

 

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