Die Deutsche Einheit und Schwerin : Jüdisches Leben kehrte zurück

Stolz auf die neue Synagoge, die an historischer Stätte in Schwerin entstand: Landesvorsitzender Valeriy Bunimov und Rabbiner Yuriy Kadnykov (r.)
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Stolz auf die neue Synagoge, die an historischer Stätte in Schwerin entstand: Landesvorsitzender Valeriy Bunimov und Rabbiner Yuriy Kadnykov (r.)

27 Jahre Deutsche Einheit – Was hat sie Schwerin gebracht? Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion gründeten Gemeinde neu

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29. September 2017, 16:00 Uhr

Am nächsten Dienstag jährt sich zum 27. Mal der Tag der Deutschen Einheit. Was hat sie Schwerin und den Schwerinern gebracht? Vieles hat sich verändert oder ist völlig neu hinzugekommen. Wir stellen einige Beispiele aus Politik, Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft vor.

Valeriy Bunimov kann sich noch genau erinnern: Am 24. April 1994 wurde der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in MV gegründet, im alten Gebetsraum am Schlachtermarkt, von 23 Mitgliedern. „Ich war damals gerade erst drei Tage in der Stadt“, erzählt der heutige Vorsitzende, der aus Charkow in der Ukraine stammt.

Seit den 90er-Jahren, ein halbes Jahrhundert nach dem Holocaust, gibt es wieder jüdisches Leben in Schwerin – auch ein Erfolg der Deutschen Einheit. 730 Mitglieder zählt heute die Gemeinde in der Stadt, zu der auch noch Wismar gehört. Sie kommen wie Valeriy Bunimov fast ausschließlich aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion, siedelten als so genannte Kontingentflüchtlinge in die Bundesrepublik über.

Sichtbarstes Zeichen für die Rückkehr der jüdischen Kultur ist die neue Synagoge, die 2008 an historischer Stätte am Schlachtermarkt entstand, errichtet über den Fundamenten ihrer Vorgängerbauten von 1773 und 1819. „Jeder Mensch hat eine Verantwortung für Frieden und Harmonie, jeder hat es selbst in der Hand, das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft zu stärken“, sagte Landesrabbiner William Wolff bei der Einweihung des Gotteshauses.

Wolff, 1933 mit seiner Familie vor den Nazis in die Niederlande geflohen, später nach England emigrierte, wurde in MV zum Brückenbauer zwischen den Religionen. Seit 2015 ist er Landesrabbiner im Ehrenamt, übernimmt Rabbiner Yuriy Kadnykov die regelmäßigen Aufgaben in den Gemeinden, pendelt zwischen Schwerin, Wismar und Rostock.

Gerade erst feierte auch die Gemeinde in Schwerin das jüdische Neujahrsfest. Jom Kippur, der höchste Feiertag, steht unmittelbar bevor. Neben der Ausrichtung der religiösen Feste kümmert sich die Gemeinde auch um kulturelle und soziale Belange, erklärt Landesvorsitzender Bunimov. So gäbe es einen eigenen Chor, einen Frauen-Club und eine Sonntagsschule, würden Gemeindemitglieder zu Ärzten und Behörden begleitet und in der deutschen Sprache unterrichtet. Vertreten sei die Jüdische Gemeinde auch im Interreligiösen Dialog und den Interkulturellen Wochen in der Stadt.

Bis Ende kommenden Jahres will die Gemeinde das ehemalige Rabbiner-Haus am Großen Moor 12 zu einem neuen Zentrum ausbauen. „Unsere Mitglieder vertrauen dem demokratischen Deutschland“, sagt Bunimov mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik.

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