Jobcenter in MV: Reibungen und massive Konflikte

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28. September 2012, 10:02 Uhr

Schwerin | In den Jobcentern in Mecklenburg-Vorpommern kommt es nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur bei Beratungsgesprächen öfter zu Reibungen und im Einzelfall auch zu massiven Konflikten. Das räumte gestern auf Nachfrage unserer Redaktion die Chefin der Direktion, Margit Haupt-Koopmann, ein. Eine genaue Zahl der tätlichen Angriffe in Jobcentern im Nordosten nannte sie nicht: "Wir führen darüber keine Statistik", behauptete Haupt-Koopmann.

Den hiesigen Mitarbeitern sei bewusst, dass es sich im Fall Neuss um eine absolute Ausnahmesituation gehandelt habe, sagte sie, nachdem am Mittwoch in der nordrhein-westfälischen Stadt ein Agentur-Kunde eine Mitarbeiterin mit mehreren Messerstichen getötet hatte. Die Sachbearbeiterin sei eher zufällig Opfer der Bluttat geworden, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft gestern. Der geständige Verdächtige habe eigentlich einen männlichen Kollegen der Frau heimsuchen wollen. Ein Richter erließ gegen den 52-jährigen Arbeitslosen Haftbefehl wegen Mordes. Sein Motiv sei erschreckend nichtig, berichteten die Ermittler: Als Grund der Attacke hatte der Mann Wut über den vermeintlichen Missbrauch seiner persönlichen Daten genannt. Ein Fernsehbeitrag über den Handel mit persönlichen Daten habe seinen Argwohn geweckt.

"Extreme Übergriffe und Gewalttaten treten nur vereinzelt auf", schätzte Haupt-Koopmann gestern ein. Laut der Leiterin der Regionaldirektion werden die Gespräche mit den Klienten normalerweise unter vier Augen geführt. Allerdings gäbe es Einzelfälle, in denen die Gespräche von zwei Mitarbeitern geführt werden. "Etwa wenn die Vorgeschichte des Kunden zeigt, dass mit schwer kalkulierbaren Reaktionen - beispielsweise durch Suchtkrankheiten - zu rechnen ist." . Jeder Mitarbeiter habe auf seinem PC-Bildschirm einen Alarmknopf, den er per Maus-Klick aktivieren könne. Neben dieser technischen Sicherheitsmaßnahme entschieden die Geschäftsführungen der einzelnen Jobcenter in Mecklenburg-Vorpommern selbst, ob sie zusätzliches Sicherheitspersonal einsetzen. "Hier ist die Situation der Jobcenter jedoch regional sehr unterschiedlich. Ein sozialer Brennpunkt in einer Großstadt ist natürlich mit einer ländlich geprägten Kleinstadt nur schwer vergleichbar." Entsprechend seien auch die jeweiligen Sicherheitskonzepte angelegt, sagte Haupt-Koopmann. Darüber hinaus würden die Kollegen über Kommunikationstrainings in die Lage versetzt, auch sehr schwierige Gespräche zu führen. Dazu gehöre natürlich auch das Thema Konfliktdeeskalation.

Wichtig sei ihr: "Bei aller Dramatik müssen wir sehen, dass keine der üblichen Sicherheitsmaßnahmen die Tat in Neuss hätte verhindern können. Unsere Jobcenter sind offene Häuser und sie sollen es auch bleiben." Man benötige eine angstfreies Gesprächsklima - auf beiden Seiten, betonte Haupt-Koopmann.

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