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Zeitung für die Landeshauptstadt

15. Dezember 2017 | 01:55 Uhr

Langzeitarbeitslos : Job bleibt vage Hoffnung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Erwerbslosenverband: Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt geht an Langzeitarbeitslosen vorbei

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 23:45 Uhr

Andrea Meyer (Name von der Redaktion geändert) hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Vielleicht finde ich ja doch noch einmal eine feste Anstellung“, sagt die 56-Jährige. Seit 2003 ist die Schwerinerin arbeitslos, hangelt sich von Maßnahme zu Maßnahme. Derzeit hat sie mal wieder einen Ein-Euro-Job, sortiert gebrauchte Dinge. Viel Sinn sieht Andrea Meyer darin nicht.

Jörg Böhm, Vorsitzender des Landesarbeitslosenverbandes, kennt viele solcher Fälle. Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt gehe an den Langzeitarbeitslosen vorbei, kritisiert er. Tatsächlich sprechen die Zahlen auch in Westmecklenburg eine deutliche Sprache. Während die Gesamtzahl der Arbeitslosen im August im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 5,4 Prozent zurückgegangen ist, stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen im gleichen Zeitraum um sieben Prozent. Dabei liegt der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Zahl der insgesamt 21 660 erwerbslos gemeldeten Personen in der Region immerhin bei fast 40 Prozent. Um die Situation zu verbessern, müssten alle Seiten aufeinanderzugehen, erklärte der stellvertretende Leiter der Schweriner Arbeitsagentur, Lothar Michael, beim jüngsten Arbeitsmarkt-Gespräch. Freie Stellen gäbe es im Westen Mecklenburgs jedenfalls eine ganze Reihe.

Für Jörg Böhm freilich liegt das Problem tiefer. Er mahnt eine stärkere Förderung der Langzeitarbeitslosen an. „Die bisher vom Bund ab 2015 geplanten Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus“, betont er. Statt Betroffene weiter zu sanktionieren, sei eine tatsächliche Reform von Hartz IV notwendig, an deren Ende die Integration in Arbeit und in die Gesellschaft stehen müsse. Alle Langzeitarbeitslosen sollten die möglichste Unterstützung erhalten, so Böhm.

Regine Rothe, Geschäftsführerin des Schweriner Jobcenters, zuständig für die meisten Langzeitarbeitslosen in der Landeshauptstadt, wehrt sich gegen den Eindruck, dass nicht genug für diesen Personenkreis getan werde. „Zur Förderung von Langzeitarbeitslosen steht uns das gesamte Spektrum der Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung – von der Qualifizierung bis zum Ein-Euro-Job“, so Rothe.

Neun Förder-Maßnahmen hat Andrea Meyer schon durchlaufen. Einem Arbeitsplatz sei sie dadurch kein Stück näher gekommen, sagt sie. Rund 180 Euro hat die 56-Jährige nach Abzug aller Fixkosten im Monat noch zum Leben. Für kulturelle Veranstaltungen etwa habe sie kein Geld, so Meyer. Ihren Lebensmut lasse sie sich aber nicht nehmen, denn es bleibe ihr ja die Hoffnung – auf einen festen Job.





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