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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 02:27 Uhr

Obst-Ernte MV : Jetzt geht es ans Eingemachte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Obstanbauer beklagen die schlechteste Apfel-Ernte seit der Wende und Kunden müssen mit höheren Preisen rechnen

svz.de von
erstellt am 30.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Als Landwirtschaftsminister Till Backhaus am Mittwoch bei der Sonnländer Bio Obst GmbH in Kröpelin offiziell die Apfelsaison einläutete, war eine junge Frau eingeladen, die auf den Vornamen Vanessa hört. Doch auch die Anwesenheit der Apfelblütenkönigin konnte der Veranstaltung nur schwer zu bester Laune verhelfen. Die haben die Apfelanbauer in Mecklenburg-Vorpommern derzeit nicht, denn sie erwarten die kleinste Apfelernte seit 26 Jahren.

Etwa 85 Kilometer westlich geht es an diesem Morgen weniger glamourös zu. Walter Strube sitzt in seinem geräumigen Büro vor einem Berg von Papieren und kann kalkulieren, wie er will: das Ergebnis bleibt das gleiche: „Ich muss in diesem Jahr den Kilopreis für Qualitätsäpfel von 1,50 auf zwei Euro erhöhen.“ Alles andere, ergänzt der Chef vom Obstbau Stralendorf, sei wirtschaftlich nicht mehr darstellbar.

Äpfel werden auf den 80 Hektar großen Plantagen des Betriebs schon seit einigen Wochen gepflückt. Helios, Piros oder Delba – die Frühsorten sind fast schon alle von den Bäumen. Jetzt sind Elstar oder auch die Jona-Sorten dran. Aber viel zu Pflücken gäbe es nicht. Das ist auch der Grund dafür, dass der Betrieb derzeit nur 10 anstelle der sonst 70 Erntehelfer beschäftigen kann. Alles in allem steht für Obstanbauer Strube jetzt schon fest: „Die Apfelernte ist in diesem Jahr eine Katastrophe. Im Vergleich zum Vorjahr ernten wir in unserem Betrieb um die zwei Drittel weniger Äpfel.“ Und wo er schon bei schlechter Ausbeute ist: Auch die anderen Obstsorten kommen im Erntejahr 2017 nicht gut bei ihm weg: Erdbeeren minus 50 Prozent, Pflaumen minus 75 Prozent und bei den Sauer- und Süßkirschen gehe der Ertrag fast gegen null.

Eine dicke Schneedecke im November, Minustemperaturen im Mai, Starkregen im Sommer, fehlender Bienenflug – es kam vieles so, wie es sich Strube und Co. nicht erhofft hatten. „Ich arbeite hier seit 1972. So eine Ernte habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 65-jährige Strube.

30 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Gekündigt, so sagt der Betriebsinhaber, habe er keinem. Aber noch ein, zwei solcher Jahre, dann wäre die Situation existenzbedrohend. Aber ans Eingemachte gehe es jetzt schon. „Wir gehen an unsere Rücklagen“, erklärt Strube, der froh ist, dass sein Betrieb so breit aufgestellt sei. Es gibt einen Hofladen, Baumschnittseminare und wer will, kann in Stralendorf bei Schwerin auch seinen Motorsägenschein machen.

Unterstützung von Seiten der Politik, „die könnten wir jetzt gut gebrauchen“, sagt Walter Strube, und meint damit vor allem finanzielle Hilfe. Das ginge, so Strube, in anderen Bereichen ja auch. Vielleicht kommt der Landwirtschaftsminister im nächsten Jahr zur Apfelsaison-Eröffnung ja in seinen Betrieb. Strube würde sich freuen. „Dann kann ich ihm das auch gerne persönlich sagen.“

Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Apfelblütenkönigin Vanessa läuteten die Apfelsaison in Kröpelin ein.
Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Apfelblütenkönigin Vanessa läuteten die Apfelsaison in Kröpelin ein. Foto: Jens Büttner
 

Extra: Viel Frost, wenig  Äpfel t, wenig  Äpfel

Obstanbauer in Deutschland rechnen in diesem Jahr nur mit halb so vielen Äpfeln wie im Vorjahr. In Mecklenburg-Vorpommern erwarten sie eine der schlechtesten Apfelernten seit der Wende, wie der Obstanbauberater Rolf Hornig sagte. Von 20 000 Tonnen ist die Rede, im langjährigen Mittel waren es 37 000 Tonnen. „Ein unglaublicher Rückschlag“, sagte gestern Agrarminister Till Backhaus (SPD) bei der offiziellen Eröffnung der Apfelsaison in Kröpelin. Grund für die Ausfälle bei der wichtigsten Obstsorte im Land sei das Wetter, sagte Günter Brandt, Vorsitzender des Verbandes Mecklenburger Obst und Gemüse. Er verwies auf starke Schneefälle bei minus zehn Grad im vergangenen November und Frostschäden während der Blüte im April. Das alles habe der Fruchtentwicklung nachhaltig geschadet. Zudem hatten der Regen in diesem Sommer und ausbleibender Bienenflug für eine unzureichende Bestäubung der verbliebenen Blüten geführt. So würden in diesem Jahr zumeist auch deutlich kleinere Äpfel geerntet.

 

 

 

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