Ehrenamtmesse : Jeder Dritte arbeitet am Wir-Gefühl

Auch Aussteller aus Parchim rührten auf der Ehrenamt-Messe die Werbetrommel.
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Auch Aussteller aus Parchim rührten auf der Ehrenamt-Messe die Werbetrommel.

Mehr als 60 Organisationen warben im Fridericianum für bürgerschaftliches Engagement und ein größeres Miteinander

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24. Februar 2014, 08:23 Uhr

Mit dem Unimog über den Schulhof des Fridericianums fahren – das war am Wochenende wohl das erste Mal. Das Technische Hilfswerk hatte den Lkw, ein Alleskönner im Gelände, und einen Großteil seiner beeindruckenden Technik auf dem Schulgelände aufgebaut, um Nachwuchs zu werben. Das THW war einer von 64 Ausstellern, die auf dem Schulhof und in den Unterrichtsräume die 7. Ehrenamt-Messe initiiert hatten. Wo sonst Schüler für das Leben lernen, verbreiteten die Freiwilligen am Sonnabend ein mitreißendes Wir-Gefühl. Und hunderte Besucher beteiligten sich an der „Suche nach dem Wir-Gefühl“, wie die neue Sozialministerin Birgit Hesse die Bewegung bezeichnet. Jeder Dritte in Mecklenburg-Vorpommern sei mittlerweile Teil des bürgerschaftlichen Engagements.

Die wachsende Bedeutung des Ehrenamtes zeigte sich auch in jedem Winkel des Fridericianums. Auch aus dem Umland waren Aussteller gekommen. In historischen Kostümen warben Mitglieder des Heimatbundes Parchim im ersten Stock der Schule. Die rund 80 Mitglieder halten mit Ausstellungen, Ausflügen, Ausführungen und Besichtigungen die Geschichte ihrer Stadt lebendig. Verein und Organisationen leisten „einen Beitrag für das Für- und Miteinander in Norddeutschland und sind eine gute Tradition“, so Hesse weiter. Allerdings müsse man aufpassen, dass Ehrenamtler von den Kommunen nicht als kostenlose Lückenbüßer missbraucht werden, wo eigentlich Verwaltungsmitarbeiter mit Sachkenntnis gefragt seien.

Diese Warnung scheint nicht unbegründet: Neben der Verwaltung und der Politik übernehmen Ehrenamtler in der Gesellschaft eine immer wichtigere Schlüsselrolle und Verantwortung. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Herbert-Quandt-Stiftung aus Berlin. Roland Löffler, Leiter des Themenfeldes „Bürger und Gesellschaft“ stellte Ausschnitte der Untersuchung vor. Er zog ein weiteres Fazit: Um so besser die Ausbildung, umso höher das bürgerschaftliche Engagement. Um das Ehrenamt auch in ländlichen Gebieten zu fördern, ist demnach das Zusammenspiel von Gemeinden, gesellschaftlichen Kräften wie Vereinen, die soziale Integration aller Bevölkerungsgruppen in einer Gemeinde und die Bildung jedes Einzelnen ausschlaggebend. In Mecklenburg-Vorpommern sei freiwilliges Engagement und das damit einhergehende Wir-Gefühl wichtig, um rechtem Gedankengut und den bestehenden Zweifeln an der Politik entgegenzuwirken, so Roland Löffler weiter. Außerdem erfordere die alternde Gesellschaft immer mehr ehrenamtlichen Einsatz. „Mecklenburg-Vorpommern hat sich ja nun einmal vom Bundesland mit den durchschnittlich jüngsten Einwohnern zu dem mit den mittlerweile ältesten entwickelt.“ Das Verhältnis spiegelte sich auch in den Besuchern der Ehrenamtmesse wider. Weniger Jugendliche als Ältere fanden den Weg ins Fridericianum. Das verdeutlicht auch die Situation vieler Vereine und Organisationen, die – wie das THW auch – um Nachwuchs ringen und werben. Alles in allem war die Ehrenamt-Messe ein Erfolg, der in den nächsten Wochen in den anderen Teilen von MV seine Fortsetzung finden soll.

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