Schulalltag in Crivitz für Flüchtlingskinder : Jeden Tag zwei Stunden Deutsch

Josephine Both mit ihren acht Schützlingen an der Grundschule. In dieser Woche startet auch der Unterricht für vier ältere Schüler an der Regionalen Schule in der Crivitzer Neustadt.
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Josephine Both mit ihren acht Schützlingen an der Grundschule. In dieser Woche startet auch der Unterricht für vier ältere Schüler an der Regionalen Schule in der Crivitzer Neustadt.

Acht Mädchen und Jungen aus Demen besuchen die Crivitzer Grundschule

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01. März 2016, 12:00 Uhr

Zwei Stunden Deutschunterricht bei Josephine Both. Dann geht es ab in die große Pause und anschließend in die Klasse mit den deutschen Mitschülern: So sieht der Schulalltag für Jihan, Jouan, Rewad, Jasin, Seflaldeh, Alireza, Roha und Sidra aus. Seit zwei Wochen besuchen acht Flüchtlingskinder, die mit ihren Familien im Demener Ziolkowskiring leben, die Grundschule Crivitz. „Die Kinder sind unglaublich motiviert“, erzählt Both, die den Flüchtlingskindern Deutsch als Zweitsprache vermittelt. „Sie fragen schon nach, wann wir anfangen zu schreiben.“ Doch so weit sind die Sieben- bis Elfjährigen noch nicht. Sie lernen jeden Morgen ein paar Wörter Deutsch hinzu. Denn nur Alireza, der aus Afghanistan stammt, kann ein bisschen Deutsch und auch ein paar Brocken Englisch. Seine sieben Banknachbarn kommen aus Syrien. Und für diese Kinder ist alles in Deutschland neu – auch die Sprache. Damit die Schüler die so schnell wie möglich erlernen, wird im Unterricht von Josephine Both ausschließlich Deutsch gesprochen. „Natürlich werden auch Hände und Füße zur Hilfe genommen. Doch die Verständigung klappt schon sehr gut“, freut sich die junge Lehrerin über ihre Schützlinge.

Nach zwei Stunden Deutsch als Zweitsprache wechseln die acht Kinder in die Grundschulklassen. Nur die Schwestern Roha und Rewad haben da noch gemeinsam Unterricht. „Wir haben die Kinder ganz bewusst aufgeteilt“, berichtet Schulleiterin Silke Darnstädt. So können sich die Flüchtlingskinder im Unterricht nicht gegenseitig ablenken und werden schneller in ihrern jeweiligen Klassen integriert. Das das super klappt, zeigt sich auch in den Pausen. „Schon nach zwei, drei Tagen waren die Neuen nicht von ihren Mitschülern zu unterscheiden.“ Silke Darnstädt verschweigt nicht, dass es noch einen organisatorischen Grund gibt, die Flüchtlingskinder zumeist einzeln in eine Klasse zu schicken: „Alle unserer 13 Klassen sind groß, da gibt es keine freien Plätze.“ Doch als Ende vorigen Jahres in Crivitz bekannt wurde, dass mehr als 100 Flüchtlinge nach Demen kommen sollen, fragten die Grundschullehrerinnen nach, wo die Kinder zur Schule gehen sollen. Im Januar wurde es konkret: Das Kultusministerium informierte Silke Darnstädt, dass nach den Winterferien acht Kinder eingeschult werden. Mit Josephine Both stieß eine neue Kollegin extra für diese Aufgabe zum Kollegium. Und auch das normale und spezielles Unterrichtsmaterial steht zur Verfügung. „Damit allein war es aber nicht getan“, berichtet Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm. Denn Ranzen, Sportkleidung und Federtasche gehören nicht zum gestellten Unterrichtsmaterial. Die Gruppe „Crivitz hilft“ bat um entsprechende Spenden. Und schon nach wenigen Tagen war alles Notwendige zusammen. „Das ist zwar keine große Sache, zeigt aber, dass wir Crivitzer vorbereitet sind“, freut sich Brusch-Gamm.

Neu auf dem Tisch der Bürgermeisterin liegt zudem die Nachricht, dass der Kreis Ludwigslust-Parchim zwei Wohnungen in der Stadt anmietet. Wann dort Flüchtlinge einziehen und ob das Familien sind, steht aber noch nicht fest.

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