Jäger nehmen Waschbären ins Visier

Pelziger Räuber mit Kuscheltier-Aussehen: Waschbären sind exzellente Kletterer und fühlen sich in Schwerins Kirschbäumen sehr wohl. Reinhard Klawitter
Pelziger Räuber mit Kuscheltier-Aussehen: Waschbären sind exzellente Kletterer und fühlen sich in Schwerins Kirschbäumen sehr wohl. Reinhard Klawitter

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20. Juni 2012, 06:29 Uhr

Schwerin | Auf den ersten Blick sind sie einfach putzig mit ihren neugierigen Knopfaugen, den langen Nasen, tapsigen Pfoten und dem schwarz-weißen Fell. "Wie niedlich" ist wohl der Standard-Ausruf jedes Städters, wenn er einen Waschbären im Zoo oder auf dem Foto sieht. Hausbesitzer, Gärtner und Jäger betrachten das fauchende Fellbündel mit ganz anderen Augen. Sie sehen die drohende Plage in jedem neuen Jungtier. Denn: Die kleinen Räuber stammen aus Nordamerika und haben in Europa keine natürlichen Feinde. Wo sie sich ungehindert vermehren dürfen, da droht Ungemach. In Kassel beispielsweise hatte im Jahr 2003 fast jedes zweite Haus einen Waschbären als ungewollten Untermieter. In der Jagdsaison 2010/2011 wurden in Deutschland 67 700 Waschbären getötet. "In Schwerin sind wir bislang glücklich verschont geblieben von den Tieren", sagt Kreisjägermeister Hans Hovemann. Doch in diesem Sommer sieht die Lage ein wenig anders aus: Waschbären scheinen nun auch in der Landeshauptstadt auf dem Vormarsch zu sein.

Schon im Winter war ein Waschbärenpaar in der Stadt gefangen worden- auf Beutesuche an einem Goldfischteich. Vor wenigen Tagen stürmten vier Jungtiere einen Kirschbaum im Schlossgartenviertel. Der beherzte Hausbesitzer versuchte sie zu vertreiben, bat um Hilfe und landete schließlich beim Kreisjägermeister. Der machte sich seine Entscheidung nicht leicht. Doch nach dem .Prinzip "Wehret den Anfängen" beschloss er schließlich, die Tiere zu töten. "Für einen Jäger ist das beileibe kein Spaß", betont Hovemann. Sie außerhalb der Stadt auszusetzen, würde nur bedeuten, sie dort zur Jagd freizugeben und das Problem zu verschieben. Waschbären dürfen ebenso wie Füchse und Marderhunde das ganze Jahr über geschossen werden, lediglich in der Aufzuchtzeit im Frühjahr bis Sommer besteht ein Verbot, die Elterntiere zu töten - damit deren Jungen nicht jämmerlich verhungern, so Hovemann. Den Nachwuchs niederzustrecken, ist allerdings erlaubt. Klingt erst mal paradox und ein wenig grausam, ist aus Sicht der Jäger aber sinnvoll. Denn die haben das große Ganze im Blick: Waschbären als Allesfresser können die heimischen Vogelbestände dramatisch reduzieren und richten als recht dreiste Kulturfolger in Haus und Hof beträchtliche Schäden an. Und beißen können sie natürlich auch. "Meine Hand möchte ich denen nicht hinhalten", sagt Hovemann und warnt alle Schweriner davor, einen wilden Waschbären streicheln zu wollen. "Da könnte ein Finger schnell ab sein."

Übrigens: Das für die Verbreitung des Waschbären in Europa wichtigste Ereignis geschah am 12. April 1934 am Edersee (Hessen). Da setzte Forstmeister Wilhelm Freiherr Sittich von Berlepsch nämlich Waschbären aus - und zwar genau vier Stück.

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