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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 02:54 Uhr

Im Trend : Jäger der versteckten Plastikdose

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geo-Caching findet immer mehr Anhänger: Wolfgang Maschke ging mit SVZ auf Tour

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Familien machen es beim Kindergeburtstag, Geschäftsleute machen es in der Mittagspause, Touristen am Urlaubsort und Rentner tun es, wann immer wie Lust haben: Geocaching ist ein neuer Sport für jedermann – ohne Vereinsbindung, ohne festgelegte Trainingszeiten, eine Mischung aus Gehirnjogging, Wandern und Hightech. Denn erst die punktgenauen GPS-Signale und ein entsprechendes Navigationsgerät machten Geocaching überhaupt möglich. Beschreiben lässt es sich so: Leute verstecken irgendwo Mini-Dosen voller netter Dinge sowie ein Notizbüchlein und veröffentlichen das Versteck als Koordinaten im Internet. Andere lesen dies, merken sich die Koordinaten und gehen mit ihrem GPS-Gerät auf die Suche. Finden sie den so genannten „Cache“, dann wird eine Kleinigkeit aus der Dose ausgetauscht, der Besuch im Internet geloggt und die Dose wieder an derselben Stelle versteckt – für den Nächsten. Zu finden sind die Schätze mitten in der Stadt, aber auch im Unterholz, an Brücken, auf Bäumen, Bergen oder mitten auf dem Wasser.

Der Schweriner Wolfgang Maschke ist leidenschaftlicher Geocacher. Er nahm SVZ mit zu Schätzen an geheimen Orten und erklärt, warum immer mehr Menschen kleine Plastikdosen jagen. Sein gefährlichster Feind auf den Touren durch Feld und Flur sei übrigens die Zecke, sagt er. Sein wichtigstes Hilfsmittel das eigene Gehirn. Denn vor der Suche müssen oft knifflige Rechenaufgaben oder Worträtsel gelöst werden und am Fundort ist detektivischer Spürsinn gefragt. Denn das GPS-Signal bringt den Suchenden nur an den richtigen Platz. Das eigentliche Versteck des winzigen Schatzes – oft eine alte Filmdose – muss jetzt erst gefunden werden. Zu Hause geht die Arbeit weiter. „Für mich ist das Cachen erst zu Ende, wenn ich im Internet meinen Log mit den Höhepunkten der Tour geschrieben habe. Manchmal suche ich nur eine Stunde lang und brauche für die Nachbereitung am Schreibtisch genauso lange.“

Wolfgang Maschke erwischte es Ende Mai 2006 in der Zippendorfer Naturschutzstation, wo er gerade eine ABM-Stelle hatte. „Zwei nette junge Leute kamen und fragten, ob sie im Hof einen Geocache verstecken dürften“, erinnert er sich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er von Geocaching noch nicht viel gehört, ein paar Stunden später war er infiziert. Der Cache wurde gemeinsam in die Birke gehängt und bis zum 17. November 2008 insgesamt 91mal gefunden. Wer Geocaching mit Leidenschaft und Ernsthaftigkeit betreibt, der hält sich natürlich an Regeln: Beim Verstecken und Suchen werden weder Natur noch Menschen über Gebühr gestört. „Etwa 30 bis 50 Caches sollte man gefunden haben, bevor man eigene legt“, sagt Maschke. Er hat mittlerweile mehrere hundert aufgespürt und selbst etwa 20 kleine Dosen rund um Schwerin verteilt. Dem gelernten Ingenieur macht es großen Spaß, sie als Mathe-Rätsel im Internet zu verpacken. Wenn Maschke auf Tour geht – manchmal mit Familie, manchmal ganz allein – hat er immer einen Rucksack dabei. Zeckenspray ist drin, denn oft pirscht er durchs hohe Gras. Dazu kommt sein Navigationsgerät, ein Erste-Hilfe-Kasten, eine Taschenlampe, eine Dose, ein Stift, Kompass, ein Walkie-Talkie, kleines Werkzeug, eine Lupe, ein Spiegel, ein Magnet und Kleinigkeiten zum Tauschen. Ein Fotoapparat sei praktisch, um Passanten abzulenken – denn Geocacher suchen zwar oft an zentraler Stelle, wollen aber keinesfalls die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen oder Fundorte preisgeben. So gibt es in Schwerin z.B. Caches mitten auf dem Grunthal-Platz, aber wo, das wissen nur die Profis. Geocacher erkennen einander zumeist an den Navi-Geräten. Wer nicht ihrer Leidenschaft frönt, den nennen sie „Muggel“, wie die Nicht-Zauberer aus den Harry-Potter-Romanen.

Doch einsam ist der Trendsport nicht – neue Freundschaften werden vor allem via Internet und Logbuch geschlossen. Da ist es dann auch ganz egal, welchen Beruf oder sozialen Status der andere gerade hat. Wichtig ist nur, wie gut er seinen Schatz verbirgt. „Einige Cacher haben echt tolle Verstecke gemacht“, schwärmt Maschke. „Dafür bin ich ihnen ewig dankbar.“


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