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13. Dezember 2017 | 06:36 Uhr

Schwerin : Invest-Ruinen nerven Zippendorfer

vom

Bei einer Podiumsdiskussion im "Strandpavillon", war das Interesse riesengroß. Mehr als 150 Bürger kamen in der Hoffnung auf Antworten auf die Frage "Hat Zippendorf noch eine Zukunft?" Doch das Ergebnis war eher mager.

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erstellt am 19.Jan.2012 | 11:57 Uhr

Zippendorf | Das Interesse war riesengroß, das Ergebnis eher mager. Mehr als 150 Bürger kamen zu einer Podiumsdiskussion im "Strandpavillon" in der Hoffnung auf Antworten auf die Frage "Hat Zippendorf noch eine Zukunft?" Eingeladen hatte der Ortsbeirat, deren Vorsitzender Peter J. Harke auch moderierte. Als erstes benannte er die Probleme des Stadtteils: Das leer stehende Strandhotel, das alte Kurhaus , die städtische Scheune, aber auch die ungepflegte Promenade mit zerbröselnden Steinen und defekten Geländern. Die Diskutanten auf dem Podium waren ausgewiesene Fachleute: Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, der ehemalige Stadtpräsident und bekennende Zippendorf-Aktivist Armin Jäger, Hotelier Valentin Resetarits, Projektentwickler Horst Brandt, Immobilienkaufmann Sebastian Lembke und der Chef der Linda Waschmittel GmbH und Ortsansässige Ulf Heyer. Alle waren sie der Meinung, dass Zippendorf tatsächlich noch eine Zukunft hat, schnelle Lösungen für die drängendsten Probleme, das Strandhotel und das Kurhaus, konnte aber keiner von ihnen anbieten.

Das Strandhotel wird im Internet derzeit für 2,5 Millionen Euro angeboten. "Viel zu viel", sagte sogar Sebastian Lembke, dessen Maklerfirma Engel & Völkers seit Ende vergangenen Jahres mit der Vermarktung des Hauses beauftragt ist. "Wir müssen uns erst in die Problematik einarbeiten", sagte der Immobilienmakler. "Den Preis haben wir erstmal auf Verlangen der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria aufgerufen." Das Kreditinstitut wusste bis zum Spätsommer vergangenen Jahres aber nichts über das ehemalige Hotel. "Sie waren über den Zustand schon sehr erschrocken", so Lembke. Er teilte mit, dass es mehrere Angebote für das Strandhotel gibt. "Intensive Gespräche führen wir mit einem Investor aus Peru." Diese Äußerung führte unter den Zuhörern zu leichtem Auflachen.

Ein Disput entspann sich zwischen Oberbürgermeisterin Gramkow und Armin Jäger. Der ist der Meinung, dass die Stadt mehr Druck auf die Bank ausüben muss. "Die Verwaltung muss dem Eigentümer sagen, was er zu tun hat. Das wäre durch eine Satzung für eine Entwicklungszone machbar", so der Verwaltungsspezialist. Doch Gramkow sah keine Möglichkeit, den Hoteleigner zum Handeln zu bewegen. "Ich werde aber sofort einen Brief schreiben."

Dass das Haus als Hotel betrieben werden kann und muss, davon zeigte sich Valentin Resetarits überzeugt. "Man muss einfach als Familienhotel anfangen", sagte er. "Dann muss Schritt für Schritt erweitert werden." Projektentwickler Horst Brandt, der vor einiger Zeit selbst schon ein Angebot für das Strandhotel abgegeben hat, bezweifelte, dass ein Hotel mit jetzt nur 25 Zimmern bei hohen Investitionskosten wirtschaftlich betrieben werden kann.

Gar nicht mehr irgendwie zu betreiben ist offenbar das Kurhaus. "Ich bin traurig, dass der Abriss beantragt wurde", so Oberbürgermeisterin Gramkow. Vor 17 Jahren war das Haus saniert worden. "Aber der damalige Eigentümer sorgte nicht für die Sicherung des leer stehenden Hauses", sagte Horst Brandt, der das marode Gebäude inzwischen für 500 000 Euro gekauft hat. "Wir haben etliche Konzepte erarbeitet", so Brandt. Von einer medizinischen Fortbildungsakademie über ein Hotel bis hin zu betreutem Wohnen reicht die Palette. "Wirtschaftlich darstellbar war nichts davon." Deshalb nun der Wunsch nach Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Doch die Stadt sträubt sich, die Genehmigung zu erteilen. "Auch mit Blick auf einen Welterbe-Antrag müssen wir vorsichtig mit unseren Denkmalen umgehen", sagte Gramkow.

Fertige Lösungen brachte die Diskussion für die Zukunft Zippendorfs nicht. Aber das hatten wohl auch die wenigsten Zuhörer erwartet, wie aus den Gesprächen im Anschluss zu entnehmen war.

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