Schwerin : Intensive Jobsuche für Flüchtlinge

Auf speziellen Ausbildungsmessen für Flüchtlinge, wie hier bei der Schweriner IHK , helfen Mitarbeiter vom Jobcenter auch beim Ausfüllen von Formularen.
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Auf speziellen Ausbildungsmessen für Flüchtlinge, wie hier bei der Schweriner IHK , helfen Mitarbeiter vom Jobcenter auch beim Ausfüllen von Formularen.

Stadt und Arbeitsagentur stocken Team auf und erklären das Ziel: Bis Jahresende sollen zehn Prozent der Zuwanderer Arbeit haben

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06. September 2017, 05:00 Uhr

Deutschland werde von den Flüchtlingen profitieren, erklärte vor zwei Jahren zur Hochzeit des Andrangs der Zuwanderer die Bundesregierung. Es würden dringend benötigte Fachkräfte ins Land kommen, hieß es. Die Realität sieht in Schwerin anders aus: Von 1650 arbeitsfähigen Flüchtlingen besitzen nur 199 einen Facharbeiterabschluss.

Rund 2400 Zuwanderer leben aktuell in der Landeshauptstadt. Hinzu kommen zwischen 400 und 600 in der Erstaufnahmeeinrichtung in Stern Buchholz. Im Schweriner Jobcenter waren Ende Juli exakt 1650 erwerbsfähige Flüchtlinge gemeldet. 1291 von ihnen kommen aus Syrien. Einen Facharbeiterabschluss besitzen nur 199 aller nach Schwerin Geflüchteten. Über weitere 289 können derzeit keine Angaben zum Ausbildungsstand gemacht werden. Die überwiegende Mehrheit jedoch – 1162 Flüchtlinge – können nur als Helfer für so genannte niedrigschwellige Arbeiten vermittelt werden.

Das Problem: Genau das ist auch jetzt schon die Hauptgruppe des Klientels des Schweriner Jobcenters, gibt Geschäftsführerin Regine Rothe zu. Ein Grund zum Resignieren sieht die Chefin des Jobcenters aber nicht, ganz im Gegenteil: „Unser Ziel ist es, bis zum Jahresende zehn Prozent der Zuwanderer in ein Arbeitsverhältnis zu bringen.“

Aktuell kümmern sich im Flüchtlings-Team des Jobcenters drei Integrationsfachkräfte täglich darum, passende Jobs für Flüchtlinge zu finden. Das bedeutet vor allem Klinken putzen bei Arbeitgebern und werben und argumentieren. „Zum 1. Oktober werden wir dieses Team auf neun Mitarbeiter aufstocken“, erklärt Regine Rothe. Grünes Licht dafür gaben Sozialdezernent Andreas Ruhl und Arbeitsagentur-Chef Guntram Sydow. Der Vorteil: Die neuen Kollegen konnten Rothe zufolge durch interne Ausschreibung gefunden werden. „Wir können dadurch sofort loslegen mit gut ausgebildeten Fachkräften“, sagt die Geschäftsführerin des Jobcenters.

Neben der Akquise bei Arbeitgebern soll das Flüchtlings-Team eine weitere Vernetzung der sieben Träger der Sprachkurse beflügeln und so für die Flüchtlinge den Grundstein für einen Arbeitsplatz legen. Es sollen Praktikumsplätze gefunden und die Qualifizierung befördert werden, um „sie in Ausbildung, zum Studium oder in Arbeit zu bringen“, sagt Rothe.

So gäbe es beispielsweise im Herbst einen Aktionstag für Flüchtlinge im Schweriner Helios-Klinikum. „Wir können uns vorstellen, bis zu 100 von ihnen zu beschäftigen“, sagt Kliniken-Geschäftsführer Thomas Rupp. Vor allem in der Helios-eigenen Servicegesellschaft gäbe es Bedarf. Auf Station Essen verteilen und Betten reinigen gehören zu den Aufgaben.

„Wir wollen aber auch für die Zuwanderer kurze Wege zu Hilfsangeboten“, erklärt Sozialdezernent Ruhl. „Wenn die Stadtvertretung zustimmt, werden wir im Mueßer Holz, wo derzeit die meisten der Flüchtlinge leben, eine direkte Anlaufstelle schaffen.

Vom nächsten Jahr an sollen die Mitstreiter des neuen Flüchtlings-Teams offiziell zu Joblotsen werden, die dann das Land finanziert.

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