Schwerin: ES WIRD ENG : Integration in Schweriner Klassenzimmer

Lernen die deutsche Grammatik: In der Erich-Weinert-Regionalschule in der Paulsstadt gibt es zwei Sprachkurse für junge Zuwanderer.
Lernen die deutsche Grammatik: In der Erich-Weinert-Regionalschule in der Paulsstadt gibt es zwei Sprachkurse für junge Zuwanderer.

An Schweriner Schulen fehlen aber Lehrer und Räume – und allein in diesem Jahr werden noch rund 300 Flüchtlingskinder erwartet

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08. März 2016, 04:30 Uhr

Zina bedeute in seiner afghanischen Heimat so viel wie „der Fröhliche“. Der Name würde zu ihm passen, sagt Zina. Seit zweieinhalb Jahren lebt der mittlerweile 18-Jährige in Deutschland, hier fühle er sich sicher. In der Erich-Weinert-Regionalschule in der Paulsstadt besucht Zina die neunte Klasse. Verkäufer möchte er einmal werden.

„Ich bin“, „du bist“, „er, sie, es ist“: In dem Klassenzimmer im Erdgeschoss der Weinertschule büffeln Zina aus Afghanistan, Houraa aus Syrien, Angel aus Bulgarien und Julia aus Polen gemeinsam mit anderen Zuwandererkindern die deutsche Grammatik. Zwei Sprachkurse gibt es in der Weinertschule. Mädchen und Jungen aus praktisch allen Klassenstufen lernen nebeneinander. Das Leistungsniveau ist unterschiedlich, die Übergänge sind fließend.

Fließend gestalten sich auch die Übergänge zum regulären Schulalltag. „Alle Kinder sind in Klassen integriert, nehmen soweit wie möglich am Fachunterricht teil“, erklärt Katrin Wächter, Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache. Als Houraa in die Bundesrepublik kam, kannte sie kein deutsches Wort. Nun spricht die 15-jährige Syrerin die Sprache ihrer neuen Heimat schon so gut, dass sie Katrin Wächter beim Unterricht unterstützt. „Mein Lieblingsfach ist aber Chemie“, verrät Houraa.

Schulleiter Fred Neumann weiß, was seine neuen Schüler und auch seine Lehrer leisten. Er kennt jedoch auch die Grenzen in seiner Schule. „Mehr als die jetzt gut 30 Flüchtlingskinder können wir nicht aufnehmen“, betont Neumann. Die Raumsituation sei eben beengt.

An der Astrid-Lindgren-Schule in Neu Zippendorf haben mittlerweile 50 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund. „An unserer Schule werden mindestens 20 verschiedene Sprachen gesprochen“, sagt Schulleiter Peter Metzler. Seit Anfang vergangenen Jahres habe die Regionalschule mit Grundschulteil mehr als 100 Kinder aus Flüchtlingsfamilien aufgenommen, sie in Klassen integriert. „Es sind sogar Mädchen und Jungen darunter, die vorher noch nie eine Schule von innen gesehen hatten“, schildert Metzler. Und es gäbe auch besondere Erfolgsmeldungen: So habe jüngst ein syrischer Junge in einer dritten Klasse die beste Mathe-Arbeit geschrieben.

Aber auch der Leiter der Lindgrenschule redet Klartext: Mit 700 Schülern komme die Schule langsam an ihr Leistungsvermögen: Zwar werde das Raumproblem bald dadurch entspannt, dass der Schulhort in Container umziehe. Allerdings: „Es fehlen Lehrer für die Deutsch-Kurse“, so Metzler.

Weinertschule und Lindgrenschule sind die Flaggschiffe bei den so genannten Standortschulen für Flüchtlinge in der Landeshauptstadt, zu denen auch die Grundschule Lankow und die Grundschule am Mueßer Berg gehören. Schuldezernent Andreas Ruhl ist sich aber längst darüber im Klaren, dass die derzeitigen Kapazitäten nicht ausreichen. Mehr als 150 Flüchtlingskinder zwischen 6 und 18 Jahren würden nach den Zahlen der Stadt aktuell in Schwerin beschult. Allein in diesem Jahr kämen wohl noch um die 300 hinzu, so Ruhl. „Wir wissen, dass wir ein Platzproblem haben und müssen kurzfristig nachsteuern.“ Um Flüchtlingsfamilien gerade auch bei der Unterbringung ihrer Kinder in Kitas und Schulen zu unterstützen, habe die Stadt gerade die Stelle eine neuen Integrationslotsin geschaffen, berichtet der Dezernent. Eine geplante App soll den Zuwanderern darüber hinaus bei der Orientierung in der neuen Heimat helfen.

Auch Zina sieht seine Zukunft in Deutschland. Der Alltag in der Bundesrepublik sei zwar stressiger als in Afghanistan, die Chancen auf einen guten Job aber größer. „Ich habe in Schwerin schon viele Freunde gefunden“, sagt der 18-Jährige. Und er klingt optimistisch, fröhlich.

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