Analyse für Schwerin : Institut: Schweriner reisen gern

„Ich bin dann mal weg“ – bei den Schwerinern steht das Reisen hoch im Kurs.
„Ich bin dann mal weg“ – bei den Schwerinern steht das Reisen hoch im Kurs.

Von der Radtour bis zum Städteausflug: Landeshauptstädter geben jährlich insgesamt 202 Millionen Euro für den Tourismus aus

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21. November 2017, 08:00 Uhr

Kofferpacken in der Landeshauptstadt – Reiselust steht hoch im Kurs: Insgesamt geben die Schweriner nahezu 202 Millionen Euro pro Jahr für den Tourismus aus – von der Landpartie bis zur Pauschalreise und von der Radtour bis zum Städteausflug. Das geht aus einer regionalen Tourismus-Datenanalyse hervor, die das Pestel-Institut erstmals für die Initiative „Auf Zukunft gebucht“ der Tourismuswirtschaft gemacht hat. Diese wollte wissen, wie viel das touristische Erleben den Menschen in der Region wert ist.

Vom Kind bis zum Senioren in Schwerin: Die Pro-Kopf-Ausgaben für den Tourismus betragen 2200 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt der Pro-Kopf-Ausgaben liegt bei 3025 Euro
Die niedrigsten durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben sind in Halle und in Gelsenkirchen mit jeweils rund 2000 Euro pro Person zu finden, die höchsten im bayerischen Landkreis Starnberg mit 5100 Euro pro Person gefolgt von München mit 4800 Euro.

„Egal, ob es der Flug zur Ferieninsel oder das Essen am Urlaubsort ist: Rund 15 Prozent von dem Geld, das die Schweriner ausgeben, fließt in den Tourismus. 12 Prozent sind es dagegen für Nahrungsmittel. „Ähnlich wie in Schwerin liegt die Ausgabe hier bundesweit bei durchschnittlich 1800 Euro pro Kopf und Jahr“, sagt Matthias Günther. Für den Leiter des Pestel-Instituts ist der Tourismus damit „ein starker Wirtschaftsfaktor – auch deshalb, weil drei Viertel der Ausgaben in Deutschland bleiben“.

Dabei wäre die Attraktivität des Tourismus sogar noch zu steigern. Er könnte Urlaubern aus Schwerin nämlich noch mehr fürs Geld bieten, sagt der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) als Koordinator der Initiative „Auf Zukunft gebucht“. Dies fange bereits bei der unterschiedlich hohen Besteuerung von Speisen an: „Es ist nicht einzusehen, warum frisch zubereitetes Essen in Restaurants nicht geringer besteuert wird – nämlich mit 7 statt der bislang fälligen 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Dies ist bei fertigen Produkten aus dem Supermarktregal oder von der Ladentheke in Bäckereien und Metzgereien, die ‚auf die Hand‘ verkauft werden, völlig normal. Hier wird mit zweierlei ‚Steuermaß‘ gemessen – das ist eine Farce“, sagt BTW-Generalsekretär Michael Rabe.

Die Tourismuswirtschaft kritisiert, dass der Staat kräftig an der Preisspirale beim Reisen drehe. Allen voran durch die Luftverkehrssteuer, die Deutschland im Alleingang erhebe. Sie werde immer dann fällig, wenn ein Flugzeug von einem deutschen Flughafen abhebe und mache das Reisen so jährlich um gut eine Milliarde Euro teurer.

Auch die Luftsicherheitsgebühren wälze der Staat auf die Reisenden und Unternehmen ab. „Hier geht es um Passagier- und Gepäckkontrollen – und um bundesweit immerhin fast 700 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Dabei ist Terrorismusbekämpfung und Gefahrenabwehr eine staatliche Aufgabe“, sagt Rabe.

Die Branche appelliert in einem „Tourismus-Brief“ an die heimischen Bundestagsabgeordneten, sich politisch für ein „günstigeres Reiseklima“ einzusetzen. „Es wird Zeit, die Stellschraube staatlicher Kostentreiber im Tourismus zurückzudrehen“, so Rabe. Die Tourismusbranche spricht sich in dem Parlamentarierbrief zudem für ein bezahlbares Bahnfahren aus.

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