Illegale Nachtfahrten : Innenstadtverkehr nervt Anwohner

Trotz Verbotes herrscht tagüber auch auf dem Marienplatz immer noch reger Lieferverkehr.
Trotz Verbotes herrscht tagüber auch auf dem Marienplatz immer noch reger Lieferverkehr.

Die Stadtverwaltung hat mit Verkehrszählung und Befragungen begonnen, doch die Bürger ärgern sich weiter über illegale Nachtfahrten

svz.de von
20. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Mit einer „Automeile“ vergleicht Manfred Porthun die Schweriner Fußgängerzone in der Nacht. Zu einer Zeit, in der dort höchstens Lieferverkehr zugelassen ist, ärgert sich der Schweriner über illegalen Autoverkehr, der seiner Ansicht nach das Maß des Erträglichen übersteigt. Seit Juli 2012 bemüht sich Porthun um Gehör bei verantwortlichen Stellen, sprach mit Polizei und Stadt, wandte sich an die Presse. Die Verwaltung versprach, sich des Problems so schnell wie möglich anzunehmen. „Doch geschehen ist seit anderthalb Jahren nichts“, klagt Manfred Porthun. „Im Gegenteil, seit etlichen Wochenenden und an Feiertagen werden die Poller Großer Moor, Puschkinstraße vom Ordnungsamt leider nicht mehr bedient“, sagt der Rentner, der wegen der versprochenen Ruhe in die Altstadt gezogen war. „Nun müssen wir besonders an diesen Tagen mit der Beschallung rund um die Uhr leben. Auf zweimalige Anfrage beim Amt erhielt ich leider keine Antwort.“ Trotzdem schöpft Porthun Hoffnung. Mit seinen Sorgen hatte er sich schließlich an den Bürgerbeauftragten des Landes gewandt. Nach eingehendem Kontakt mit der Stadt bescheinigt Matthias Crone: Die Verwaltung ist dran am Problem. Ihr Ziel: Ein intelligentes, praktikables, nachvollziehbares und durchsetzbares Erschließungssystem zu etablieren.

Eins ist allerdings jetzt schon klar: Mehr nächtliche Kontrollen wird der Kommunale Ordnungsdienst nicht leisten können. „Wir haben in einer anonymen Verkehrszählung beispielhaft für die Fußgängerzone die nächtlichen Durchfahrten zwischen 22 und 6 Uhr auf der Straße Großer Moor im Abschnitt Puschkinstraße bis Schlachterstraße ermittelt, um eine objektive Zahlengrundlage für das Ausmaß der nächtlichen Lärmbelastung zu erhalten“, erklärt Stadtsprecherin Michaela Christen auf SVZ-Anfrage. „Bei den Messungen, die an sechs aufeinanderfolgenden Wochentagen erfolgten, wurde eine sehr geringe Anzahl von Kfz ermittelt, die die Straße Großer Moor bei Nacht durchfuhren.“ Der schwächste Tag war ein Mittwoch mit drei Wagen innerhalb von acht Stunden, der höchste Wert lag an einem Freitag bei 18 Autos im gleichen Zeitraum. „Der hohen Erwartungshaltung von Bürgern, auch diese Fahrten noch durch intensivere Kontrollen unseres Ordnungsdienstes und der Polizei zu unterbinden, steht die begrenzte Personalausstattung unseres Ordnungsdienstes entgegen, der auch noch viele weitere wichtige Aufgaben zu erledigen hat.“ Natürlich sei jede einzelne verbotene Durchfahrt ein Ärgernis für die betroffenen Anwohner und die Stadt könne nur immer wieder an die Kraftfahrer appellieren, diese zu unterlassen, so Christen weiter. „Wir bedauern, dass wir Herrn Porthun und anderen Anwohnern gegenwärtig noch keine zufrieden stellende Lösung ihres Problems anbieten können.“

Der Bürgerbeauftragte des Landes will sich regelmäßig auf den neuesten Stand bringen lassen, z.B. über das Ergebnis einer anonymen Befragung der Händler und Gastronomen zu Liefermodalitäten. Die Lieferzeiten seien während der vergangenen 20 Jahre zwar gleich geblieben, die Verkehrsführung aber nicht. Die Schweriner Fußgängerzone besitze aktuell kein in sich geschlossenes, einheitliches Erschließungssystem mehr. Dass die nötigen Überprüfungen und Suche nach Lösungen eine „sehr lange Zeit“ in Anspruch nehmen kann, läge in „der Natur der Sache“, bemerkt der Bürgerbeauftragte. Manfred Porthun indes glaubt an „substanzielle Maßnahmen“ schon im kommenden Jahr. „Es wäre für uns Bewohner und wohl auch für die Besucher des Weihnachtsmarktes sehr wichtig, dass insbesondere jetzt für mehr für Ruhe, Ordnung und Sicherheit in der Altstadt gesorgt wird. Auf Veränderungen im Jahre 2014 sind wir sehr gespannt.“








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