zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 10:21 Uhr

Sülstorf : Innenleben für die Pfarrscheune

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sülstorfer Gebäude wird für dank Leadermittel für rund 100 000 Euro saniert / Ausstellung zu Dorfgeschichte und KZ-Zug soll entstehen

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 23:55 Uhr

Die Handwerker sind fleißig am Arbeiten. Die ersten Konturen sind bereits zu erkennen. Und das, was Pastor Árpád Csabay über das Projekt Sülstorfer Pfarrscheune erzählt, lässt erahnen, dass die Räume sehenswert werden. „Die Scheune soll zu einem kleinen Museum ausgebaut werden. Es wird ein kultureller Lern- und Denkort entstehen“, erzählt der Pastor, der mit seiner Familie im Pfarrhaus nebenan wohnt.

Für das Bau-Projekt wird die Kirchengemeinde Sülstorf-Pampow von der Lokalen Aktionsgruppe Süd-West-Mecklenburg und durch Leadermittel unterstützt. Aber nicht nur die Scheune, sondern der gesamte Pfarrhof soll auf Vordermann gebracht werden und sich zum touristischen Ziel entwickeln. Dafür soll ebenfalls das fast verfallene Stallgebäude zu einem Rastplatz für Fahrradtouristen umgebaut werden – das ist allerdings erst 2018 geplant. Für die Realisierung sind Fördermittel unabdingbar. Denn sonst wäre das Vorhaben kaum zu stemmen. „Die Instandsetzung der Scheune kostet rund 100 000 Euro, auch die Stallruine daneben soll ungefähr für den gleichen Betrag saniert werden“, erklärt Árpád Csabay. Summa summarum macht das 200 000 Euro. Zur Förderung der ersten 100 000 Euro wurden bereits Leader-Mittel beantragt. 70 Prozent sind gedeckt, der Kirchenkreis Mecklenburg gibt ebenfalls Geld dazu, den Rest muss die Kirchengemeinde Pampow-Sülstorf tragen. Dafür veranstaltet sie kleine Aktionen, sammelt Spenden.

„Seit Mitte August wird an der Scheune gebaut, kurz vorher haben Rastower Schüler beim Ausräumen geholfen. Unser Wunsch ist, Ende November fertig zu sein“, so der Sülstorfer Pastor. Sollte das nicht klappen, ist das Frühjahr avisiert. Dann soll es die Möglichkeit geben, im Sommer Filme aufzuführen. Kernstück ist aber eine zweiteilige Ausstellung – zur Geschichte des 800 Jahre alten Dorfes und zum KZ-Zug. In Zusammenarbeit mit den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin wird eine Sonderausstellung zum Räumungstransport aus dem KZ Beendorf bei Helmstedt erarbeitet. Der Zug mit mehr als 4000 KZ-Häftlingen stand vom 13. bis 15. April 1945 auf einem Nebengleis des Bahnhofes Sülstorf. In diesen drei Tagen starben mehr als 300 Menschen, sie verhungerten oder wurden totgeschlagen. Die Leichen wurden verscharrt, nach dem Krieg ein Friedhof angelegt. Seit 1951 gibt es eine Gedenkstätte.

Árpád Csabay ist es ein Anliegen, diese Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der Pastor ist seit 2013 in Sülstorf tätig. Damals wurde er für eine vierjährige Amtszeit eingeführt. Nun wird es eine zweite Einführung geben, denn der Pastor bleibt der Gemeinde erhalten. Am 22. Oktober um 14 Uhr findet dazu ein Gottesdienst in Pampow statt.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen