Schwerin : Initiative kämpft für die Paulshöhe

Mitten im Wohngebiet: Laut Stadtvertreterbeschluss soll der Sportplatz Paulshöhe verschwinden.  Dagegen gibt es Protest. Auch die Stadtpolitik ist beim Thema gespalten.
Mitten im Wohngebiet: Laut Stadtvertreterbeschluss soll der Sportplatz Paulshöhe verschwinden. Dagegen gibt es Protest. Auch die Stadtpolitik ist beim Thema gespalten.

Mehr als 3000 Unterschriften für Erhalt: Übergabe an Stadtvertretung auf Dezember-Sitzung verschoben – wegen AfD-Antrag

23-11368122_23-66108083_1416392567.JPG von
16. November 2017, 05:00 Uhr

Ans Aufgeben denken die Streiter für den Erhalt des Sportplatzes Paulshöhe noch lange nicht. Auch wenn die politischen Beschlüsse der Stadtvertretung und die Vorgaben des Innenministeriums eine andere Sprache sprechen: Geht es nach der Aktion Stadt und Kulturschutz (ASK) und der Bürgerinitiative für den Erhalt der Paulshöhe, der Politiker nahezu aller Parteien angehören, wird auch in mehreren Jahren im Schlossgarten noch Fußball gespielt.

Eigentlich wollte die ASK zur Stadtvertreter-Beratung am kommenden Montag die Unterschriften der mehr als 3000 Schweriner für den Erhalt der Paulshöhe an Stadtpräsident Stephan Nolte übergeben. Die Stadtvertreter müssten sich dann mit dem so genannten Bürgerantrag erneut mit dem Thema beschäftigen. Doch das will die Initiative nun auf die Dezemberberatung verschieben. Grund: Die AfD hat einen Antrag zur Paulshöhe gestellt. Stephan Martini von der Bürgerinitiative: „Trotz Zusage, dass die umstrittene Partei den entsprechenden Antrag zurück zieht, um den Weg für den Bürgerantrag zu ebnen, hielt die AfD an ihrem Antrag fest. Dies widerspricht der Idee eines Einwohnerantrages, da dieser dann zeitgleich mit einem Parteiantrag gestellt werden würde. Aus der gleichen Intention hatte die ASK im Septembert einen Antrag zurück gezogen.“

Außerdem wolle die Bürgerinitiative noch aktuelle Fakten aus der Verwaltung zur Paulshöhe bewerten, so dass dann im Dezember der Bürgerantrag Thema werden soll. Die Unterhaltskosten für die Paulshöhe seien überhaupt nicht so hoch, wie immer behauptet, argumentieren die ASK-Vertreter. Statt der bisher stets genannten 180 000 Euro pro Jahr seinen es derzeit nur 85 000 Euro. „Die offizielle Antwort der Stadt auf die Anfrage des ASK-Stadtvertreter Karsten Jagau zeigt, dass die Öffentlichkeit zu den Kosten der Paulshöhe seit Monaten angelogen wird“, heißt es in einer Mitteilung der ASK.

Auch bei den zu erwartenden Verkaufserlösen stimmten die Zahlen nicht, so die ASK. „Die Stadt geht von einem Verkaufspreis von 3,7 Millionen aus. Das Land hingegen von knapp 2,5 Millionen. Finanztechnisch eine Katastrophe“, heißt es in der Erklärung. „Wenn den Vereinen, die sich zukünftig auf dem ,Residenzsportplatz Paulshöhe‘ niederlassen wollen, der Platz übergeben wird – wie man es bei dem Sportplatz auf Krösnitz getan hat – kann und wird die Paulshöhe weiter bestehen.“

Doch wie immer gibt es auch eine andere Sichtweise. Das fängt schon bei einem möglichen Verkaufserlös an. Das Innenministerium fordert den Verkauf der Paulshöhe an einen Bauinvestor als Bestandteil des städtischen Konsolidierungskurses. „Ich denke, es ist nicht unrealistisch, wenn wir von rund vier Millionen Euro Verkaufserlös ausgehen“, sagt Finanzdezernent Andreas Ruhl. Immerhin handele es sich um rund 37 000 Quadratmeter Fläche in unmittelbarer Nachbarschaft zum begehrten Schlossgartenviertel. Ein Quadratmeter-Verkaufspreis für eine Wohnbebauung von rund 100 Euro dürfte sogar recht niedrig gerechnet sein, sagt Ruhl.

Auch bei den Betriebskosten gehe die ASK nicht korrekt vor, erklärt Matthias Tillmann, Leiter des Fachdienstes Sport. Nach der steuerlich notwendigen Gründung von zwei Betrieben gewerblicher Art – einen für die Sportplätze und die Funktionsgebäude und einen für die Ringerhalle, die Turnhalle und das Wohnhaus – sind die Bewirtschaftungskosten nur für den ersteren Betrieb aufgelistet. Der Hartplatz wird nicht bewirtschaftet, weshalb auch keine Flutlichtkosten mehr anfallen. Die Kosten werden zudem weiter sinken, wenn das Funktionsgebäude zum Jahresende leer gezogen ist.

Und dann gibt es noch die aktuelle Sportstättenplanung, sagt Dezernent Ruhl. Am Mittwoch wurde das zweite neue Funktionsgebäude in Lankow übergeben. Fast fünf Millionen wurden ins Fußballzentrum investiert. Damit ist die Planung nahezu umgesetzt. Jetzt mit dem Erhalt der Paulshöhe erneut anzufangen, widerspreche der bisherigen Arbeit. Und: „Schwerin hat kein Geld, um auf der Paulshöhe etwas zu verbessern. Und das Innenministerium wird keine Kredite genehmigen angesichts der bisherigen Sportstättenplanung“, so Ruhl.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen