Meereswellenkraftwerk vor Peenemünde : Ingenieure aus MV machen Strom aus Wellen

Erfinder: Andreas Wulff zeigt  eine Zeichnung des Meereswellen-Versuchskraftwerks.dpa
Erfinder: Andreas Wulff zeigt eine Zeichnung des Meereswellen-Versuchskraftwerks.dpa

Strom aus Wellen: Ein Meereswellen-Versuchskraftwerk entsteht in diesen Tagen vor Peenemünde. Dem Zinnowitzer Ingenieure Andreas Wulff kam die Idee beim Strandspaziergang.

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27. September 2012, 10:22 Uhr

Peenemünde | Die Testanlage eines neuartigen Meereswellenkraftwerks entsteht in diesen Tagen vor Peenemünde in der Ostsee. Rund einen Kilometer vor der Küste Usedoms würden in den kommenden zwei bis sieben Jahren die Wirkmechanismen und der Dauerbetrieb der Anlage unter Offshore-Bedingungen getestet, sagte der Geschäftsführer der HAB Hallen- und Anlagenbau GmbH in Wusterhusen, Andreas Poersch, gestern. Die Idee des neuartigen Wellenkraftwerks stammt von dem Zinnowitzer Ingenieur Andreas Wulff, der sich bereits mit den Tauchgondeln in Zinnowitz, Sellin und Grömitz einen Namen gemacht hat. Der halbjährige Probebetrieb der rund eine Tonne schweren Anlage in der Entwicklungsabteilung in Wusterhusen bei Lubmin hat die Entwickler und Ingenieure optimistisch gestimmt. "Das Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen", sagte Poersch.

Am Dienstag und Mittwoch scheiterte der Aufbau der Anlage zunächst an den Wellen vor Usedom. Wegen des starken Südostwindes musste das Rammen eines 18 Meter langen Pfahls abgebrochen werden. Auf dem Dalben soll die Anlage montiert werden. Die Ingenieure gehen davon aus, sie bis Ende der Woche installieren zu können. Der Plan für das Projekt sei unter anderem bei Strandspaziergängen auf Usedom gewachsen, berichtete Erfinder Wulff. "Wenn Offshore-Windmühlen elektrische Energie erzeugen, warum nicht auch durch die Kraft der Wellen?"

Die Idee von Wellenkraftwerken ist nicht neu, aber die Technologie steckt weltweit noch in den Kinderschuhen. Denn die Anlagen müssen ähnlich wie Offshore-Windkrafträder extremen Bedingungen mit Winterstürmen und meterhohen Wellen standhalten. Im Hafen von Mutriku im Baskenland ging im Juli 2011 ein Wellenkraftwerk in Betrieb - 16 Versuchsturbinen liefern 300 Kilowatt Strom. Schottische Entwickler arbeiten an einer anderen Technologie, der so genannten Seeschlange, bei der die Energie der Meereswellen in mit Gelenken verbundenen Schwimmelementen an Hydraulikzylinder übertragen und in Strom umgewandelt wird.

Bisher sind Experten davon ausgegangen, dass sich Ost- und Nordsee nicht für den Einsatz von Wellenkraftwerken eignen. Erfinder Wulff widerspricht. Lediglich die Wirtschaftlichkeit der Anlage sei wegen der kleineren Wellenhöhen geringer. Im Atlantik geht man von einer Energieausbeute von 30 bis 40 Kilowatt pro Meter aus, in der Ostsee liege der Wert bei 15 bis 20 Kilowatt. In der Testanlage aus Vorpommern, die an die Form eines Baggers erinnert, wird die Energie aus bis zu 80 Zentimeter hohen Wellen über einen fünf Meter breiten Schwimmer sowie einen ebenso langen Hebelarm an ein Hydrauliksystem und den Generator übertragen. "Zwei bis drei Kilowatt Strom lassen sich mit der Anlage erzeugen", sagte Wulff.

Das Unternehmen HAB mit 54 Mitarbeitern hat bisher eine halbe Million Euro in den Bau der Versuchsanlage gesteckt, 143 000 Euro kamen aus Fördertöpfen des Schweriner Wirtschaftsministeriums. Der nächste Schritt wäre eine Großdemonstrationsanlage mit einem 25 bis 30 Meter breiten Schwimmer, deren Entwicklung und Bau rund 2,8 Millionen Euro kosten würde. "Wir hoffen ganz stark, dass das Wirtschaftsministerium auch diese Entwicklung unterstützt", sagte Poersch. Der weltweite Bedarf sei mit von Experten geschätzten 750 000 Anlagen riesig, glauben die Entwickler aus Vorpommern.

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