Schweriner Betriebe : Industrie braucht Fachleute

Betriebsleiter Carsten Malschofsky stellt Hans Thon (l.) und Siegbert Eisenach (r.) von der IHK die neuesten Produkte vor.
Betriebsleiter Carsten Malschofsky stellt Hans Thon (l.) und Siegbert Eisenach (r.) von der IHK die neuesten Produkte vor.

IHK diskutiert bei Firmenbesuchen über Lösungsmöglichkeiten – Schoeller Allibert bildet seit seit Jahren seinen Nachwuchs selbst aus

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16. Januar 2018, 21:00 Uhr

Der Plastverarbeiter Schoeller Allibert gehört zu Schwerins Vorzeige-Industriebetrieben. 250 Mitarbeiter erwirtschaften im Werk in Sacktannen einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro. In automatisierten Prozessen werden mit hochmodernen Maschinen Kunststoffverpackungen für die Automobil- und Getränkeindustrie, für Handel und Landwirtschaft hergestellt.

„20 Millionen Euro hat das Unternehmen in den vergangene Jahren am Standort Schwerin in modernste Technik investiert“, sagte Betriebsleiter Carsten Malschofsky gestern beim Besuch der IHK-Spitze in seinem Werk. Stolz stellte er die neuesten Produkte vor: eine edle Bierkiste für Warsteiner aus zwei unterschiedlichen Materialien mit gerundeten Ecken, gebürsteten Seitenflächen und dreidimensional ertastbarem Logo sowie eine große, faltbare Kunststoffbox im EU-Paletten-Format. „Damit wollen wir den schweren und starren Metallgitterboxen den Rang ablaufen, verkündete Malschofsky.

Doch auch ein boomender Betrieb hat Probleme: „Uns fehlt der Fachkräftenachwuchs. Demnächst gehen zwei langjährige Mitarbeiter in Rente. Wir suchen schon seit einem halben Jahr Ersatz, können aber keinen Mechatroniker bekommen“, sagt der Betriebsleiter. Und auch nur ein Azubi habe im Herbst angefangen. „Wir haben derzeit 13, könnten aber locker 18 Azubis gebrauchen“, erklärt Malschofsky.

Dabei hat die Firma in Sacktannen gute Referenzen. „Wir bilden schon seit zehn Jahren aus und 90 Prozent unserer ehemaligen Azubis arbeiten bei uns. Aber es reicht nicht“, sagt der Betriebsleiter.

Seine Kritik richtet sich vor allem an die Schulen. „Viele Schüler wissen gar nicht, dass wir hier in Schwerin hochwertige und gut bezahlte Industrie-Arbeitsplätze haben. Unsere Angebote an Schulklassen zu Betriebsbesichtigungen werden nicht genutzt.“ Dabei gehe das Unternehmen auch dabei durchaus moderne Wege. „Wir hatten 23 Schulen zusammen mit insgesamt 1000 jugendgerecht gestalteten Flyern auch 100 Freikarten für das Handball-Derby gegen Rostock angeboten. Es gab sechs Rückmeldungen, zwei Freikarten wurden eingelöst. Auf unsere Nachfrage hieß es aus zahlreichen Schulen: Die Lehrer hätten keine Zeit gehabt, das Angebot in die Klassen zu bringen“, berichtet Malschofsky enttäuscht. „Die Schulen wollen, dass die Wirtschaft sie unterstützt, aber es kommt nichts zurück.“

IHK-Präsident Hans Thon und Geschäftsführer Siegbert Eisenach, versprachen, das Thema im Auge zu behalten. Thon verwies zugleich auf verschiedenen Anstrengungen der IHK, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Wir haben in den vergangene Jahren 300 junge Leute aus 26 Ländern in die Region geholt“, sagte Thon. „2017 waren es 40.“ Knapp zehn Prozent des Ausbildungsmarktes würden mit Ausländern gefüllt. Malschofsky bestätigt, dass das eine Chance sei. „Wir haben einen Syrer, der ist sogar Abteilungsleiter und unsere Azubine aus Griechenland ist Spitze. Wenn sie fertig ist, wollen wir sie unbedingt halten.“

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