Studenten-Projekt : Inder suchen Familienanschluss

An der Fachhochschule des Mittelstandes findet der Kurs statt, mit dem sich die Gäste aus Indien und Nepal auf eine berufliche Qualifizierung in Deutschland vorbereiten.
An der Fachhochschule des Mittelstandes findet der Kurs statt, mit dem sich die Gäste aus Indien und Nepal auf eine berufliche Qualifizierung in Deutschland vorbereiten.

Interkulturelles Programm: Junge Ärzte und Techniker aus Asien lernen in Schwerin die deutsche Sprache

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08. Juni 2015, 23:41 Uhr

Sanila John möchte Internistin werden. Die 27-Jährige  aus dem Bundesstaat Kerala in Süd-Indien hat Medizin studiert – spezialisieren will sie sich nun in Deutschland. „Hier finde ich sehr gute Bedingungen für meine Weiterbildung“, sagt Sanila, die in der Schweiz geboren wurde und sehr gut Deutsch spricht. Einen Praktikumsplatz bei den Schweriner Helios-Kliniken hat die junge Ärztin schon sicher. In den kommenden Monaten wird Sanila aber vor allem ihre Sprachkenntnisse noch weiter verbessern und auch die deutsche Kultur näher kennen lernen.

„Intercultural Program for Freshman“, so heißt Sanilas Kurs, den  die „International Academy of Students“ mit Sitz  in Lübeck und Wismar organisiert. Kursort: die Fachhochschule des Mittelstandes im Alten Fridericianum in  Schwerin. Insgesamt dreizehn junge Leute aus Indien und Nepal werden bis Ende Februar nächsten Jahres  mit Blick auf den Pfaffenteich deutsche Vokabeln pauken – und sich mit den landestypischen Besonderheiten vertraut machen.

„Wir sind mit unserem Konzept bei der Fachhochschule des Mittelstandes offene Türen eingelaufen“, berichtet Michael Gericke von der International Academy of Students. Er betreut das Programm, das nach dem Start im vergangenen Jahr nun mit neuen Teilnehmern in die zweite Runde geht. Bis zum August übernehmen zunächst Lehrer, die von der Academy engagiert wurden, den Unterricht, danach treten Dozenten der Fachhochschule an ihre Stelle.

Die Deutsch-Kenntnisse der Teilnehmer, darunter zehn Ärzte und zwei Techniker, seien durchaus unterschiedlich, schildert Gericke. Die jungen Leute im Alter zwischen 25 und 30 Jahren, untergebracht in Wohngemeinschaften, hätten aber  das gleiche Ziel: „Nach dem  Einstiegskurs möchten  sie  sich in Deutschland in ihren Berufen qualifizieren, die Ärzte zu Fachärzten, die Techniker zu Mastern.“ Mancher wolle danach in der Bundesrepublik bleiben.

Auch Pravin Prasad will die Möglichkeiten nutzen, die er in Deutschland findet. „Ich würde gerne Herzchirurg werden“, erklärt der 25-jährige Inder. Sein erster Eindruck von Schwerin: „Die Stadt ist schön, die Leute sind nett.“ Thomas Roy, 28 Jahre, Berufsziel: Kardiologe, fühlt sich ebenfalls wohl in Schwerin. Überschaubar sei die Stadt. „In Indien ist auf den Straßen viel mehr los“, erzählt der Arzt. Auch bei den kulturellen Traditionen gäbe es natürlich Unterschiede.

Nicht alle Facetten des Lebens in Deutschland ließen sich in einem Unterricht abbilden, sagt Michael Gericke. Deshalb sucht er Familien in Schwerin und Umgebung, die  einen Gast aus Indien oder Nepal betreuen möchten. Dabei gehe es  zum Beispiel um regelmäßige Ausflüge oder sportliche Aktivitäten. „Die jungen Leute sollen sehen, wie die Menschen in Deutschland wohnen, wie sie ihre Freizeit verbringen, über welche Themen sie sprechen“, erklärt Gericke.

Familien, die bei dem Projekt mitmachen wollen, können sich unter der Telefonnummer 03841-7581170 direkt an Michael Gericke wenden.

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