Schweriner Kunstwerk : In Ton gebrannte Stadtgeschichte

Puzzlearbeit: Friedrich-Walter Beckmann restauriert die Säule. Im Vordergrund: Tafel 13, die Schwerins Theaterleben zeigt.
Puzzlearbeit: Friedrich-Walter Beckmann restauriert die Säule. Im Vordergrund: Tafel 13, die Schwerins Theaterleben zeigt.

Steinbildhauer Friedrich-Walter Beckmann restauriert im Auftrag der Stadt die beschädigten Platten der Keramischen Säule

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21. November 2017, 12:00 Uhr

Wenn er über die Keramische Säule redet, gerät Historiker Norbert Credé völlig ins Schwärmen. Das 1986 von der Meißener Künstlerin Hanni Jung geschaffene Kunstwerk besteht aus 27 Tafeln, die 800 Jahre Stadtgeschichte zeigen. „Das ist ein einmaliges Stück, ein in dieser Form einzigartiges Kunstwerk“, sagt Credé. „Die Tafeln sind konvex und konkav geschwungen, so dass sich aus jedem Blickwinkel eine neue Perspektive eröffnet. Die Reliefs sind wundervoll plastisch gearbeitet mit ausdrucksstarken Gesichtern, filigran ausgeformten Händen und Fingern. Auch die Farbgestaltung ist brillant, fließt von einer Tafel in die andere, wechselt von glasiert zu matt oder vergoldet. Einfach genial.“

Doch das Kunstwerk, das einst in der Puschkinstraße, Ecke Großer Moor stand, kann nicht gezeigt werden. 1993 hatte ein Lastwagen beim Rückwärtsfahren die Säule gerammt und dabei sechs Tafeln schwer beschädigt. Die Skulptur war abgebaut und samt aller Scherben im Depot des Stadtgeschichtsmuseums eingelagert worden. In den folgenden 24 Jahren gab es zweimal Anläufe der Stadtvertretung, das Kunstwerk zu sanieren, doch die scheiterten an den Kosten.

Nun indes ist die Rettung da – in Person von Friedrich-Walter Beckmann. Der Schweriner Steinbildhauer und gelernte Restaurator hat sich der Aufgabe angenommen und setzt in seiner Werkstatt in Görries die zerstörten Tafeln wieder zusammen. Bei einigen, die in zwei Teile zerbrochen sind oder eine Ecke verloren haben, ist die Arbeit überschaubar. Sie werden mit Spezialkleber wieder zusammengesetzt und die Glasurabsplitterungen kaschiert. Bei anderen, die in viele Teile zersplittert sind – wie Tafel 15, 14 oder 13 – ist eine zeitraubende Puzzlearbeit notwendig. Doch Beckmann kann puzzlen. „Das geht nur ganz entspannt, wenn man Lust dazu hat“, sagt er lachend. Und es ist ihm tatsächlich gelungen, den Scherbenhaufen wieder zu einem Kunstwerk zusammenzufügen. Derzeit ist er dabei, die letzten Splitter an ihren Platz zu setzen und kleine Fehlstellen auszugleichen. Dafür benutzt er Zweikomponentenkleber, denn zunächst muss mit Pigment der richtige Farbton für die jeweilige Stelle gefunden werden. Dann erst kann retuschiert werden. Jetzt aber ist das Ende absehbar.

„Ist Restaurator Beckmann fertig, soll die Keramische Säule an einem geschützten Platz – in den Schweriner Höfen – wieder aufgestellt und öffentlich gezeigt werden“, kündigt Dirk Kretzschmar, Leiter des städtischen Kulturbüros, an. Dazu werde es auch Erläuterungen zu den Inhalten der 27 Tafeln geben. Ohne Geschichtskenntnis werden manche Reliefs den Betrachtern unverständlich bleiben. Norbert Credé erläutert das am Beispiel von Tafel 2: Sie zeigt, wie Graf Heinrich I. von Schwerin 1223 im Handstreich König Waldemar II. von Dänemark nach einem Saufgelage bei Fünen gefangen nahm und so die Rückgabe der von Waldemar annektierten Teile seiner Grafschaft erpresste.

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