In Stunden alle Pracht zu Asche

Der schönste Saal, den Schwerin je hatte, ist nur noch auf Bildern zu bewundern.LKD, aus der Festschrift von 1869
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Der schönste Saal, den Schwerin je hatte, ist nur noch auf Bildern zu bewundern.LKD, aus der Festschrift von 1869

Tausende Schweriner waren in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember 1913 Zeugen einer Feuersbrunst, die den zwischen 1851 und 1857 erbauten Teil des Schlosses völlig zu vernichten drohte. Die Brandursache blieb ungeklärt.

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01. September 2010, 05:54 Uhr

Der Brand brach am 14. Dezember 1913, einem Sonntag, abends gegen 21.30 Uhr aus. Wohl nahezu gleichzeitig wurden Feuerwehren und Garnison alarmiert.

Als das Feuer entdeckt wurde, hatte es "bereits die Holzdecke und die Holzverkleidung des Elisabethzimmers Nr. II ergriffen und konnte durch die sofort in Tätigkeit gesetzten, im Schlosse befindlichen Hydranten und durch die Handlösch apparate nicht mehr bewältigt werden", berichtet Hofbaurat Emil Liss am 19. Dezember. Das Feuer, so Liss, ergriff in kurzer Zeit den unausgebauten Saal, zerstörte die hölzerne Dachkonstruktion darüber und sprang, obwohl die in den Brandmauern des Schlosses befindlichen eisernen Türen noch geschlossen werden konnten, durch einen starken Nordwestwind angefacht, auf die Haupttreppe und die nach Süden gelegenen Festräume über.

Da der unvollendete Saal vor allem zur Unterbringung ausgesonderter Möbel und einer großen Menge Brennholz diente, hatte das Feuer hier neue Nahrung erhalten. Auch die damals üblichen Textiltapeten sowie Gardinen und Vorhänge führten zu einem weiteren Ausbreiten der Flammen. Sie verbreiteten sich über die Gobelin- und Strelitzer Zimmmer bis zum hohen Dachstuhl des Burgseeflügels. Der stürmische Wind trieb das Feuer vom Burgseee- zum Schlossgartenflügel. Dort gelangte es in den großen Südturm. Etwa um 1 Uhr nachts explodierte die dort aufbewahrte Jagdmunition. Es klang wie ein Schützengefecht und dauerte etwa 10 Minuten. Gleichzeitig mit dem Südturm muss das Feuer über die schwarze Marmortreppe den Goldenen Saal erreicht haben. Über dem Südportal stürzte die hohe steinerne Giebelfront herab und durchbrach die Decke des Saales. Die überaus prunkvolle Ausstattung des Raumes fiel den Flammen zum Opfer.

Noch in der Nacht kam mit Sonderzügen Hilfe aus Rostock und Hamburg. Gemeinsam konnten die Feuerwehrmänner den nördlichen und östlichen Schlossteil retten.

Natürlich wurde nach Brandursachen gesucht; ausgeschlossen wurde dabei, dass der Brand durch Kurzschluss, mangelhafte Heizungs- oder Schornsteinanlagen oder andere Fahrlässigkeiten verursacht wurde. Der Wiederaufbau der ausgebrannten Schlossflügel wurde rasch in Angriff genommen und noch 1914 konnte Richtfest gefeiert werden; der Erste Weltkrieg aber verhinderte die Vollendung.

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