In sein Netz gehen Fische und User

Dirk Stascheit hält die Verbindung  von Online und Print.
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Dirk Stascheit hält die Verbindung von Online und Print.

Dirk Stascheit freut sich, wenn einer anbeißt. Das ist beim Angeln so und auch bei seiner Arbeit. Denn als Online-Volontär dieser Zeitung will der 26-Jährige besonders viele Klicks auf die Internet-Ausgabe erreichen. Dafür legt er täglich besondere Köder aus: knackige Geschichten, Bilder und gerade gedrehte Videos. Für Rekord-Klickzahlen hat er sich jetzt besonders ins Zeug gelegt und das Video eines niedergehenden Meteoriten sogar aus Südschweden besorgt.

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20. Januar 2009, 10:14 Uhr

Klick, klick. Und wieder: Klick. Das ganze 16000 mal. Auf eine einzige Geschichte unserer Homepage. Was das bedeutet, ist für den Nicht-Fachmann schwer vorstellbar. Dirk Stascheit beschreibt die Euphorie, die diese 16000 Klicks für ihn als Mitarbeiter der Online-Ausgabe unserer Zeitung auslöst, anschaulich: „Dafür würde ich jederzeit eine 80-Zentimeter-Forelle sausen lassen“, sagt der passionierte Angler.

Am vergangenen Sonntag floss besonders viel Adrenalin durch seine Adern. Sonntag, „eigentlich ein Saure-Gurken-Tag“. So hatte er es erwartet, bis über den Ticker plötzlich diese kuriose Meldung lief: „Meteorit über der Ostsee abgestürzt.“ Bitte, was? Stascheit stellte die Nachricht sofort Online. War aber nicht zufrieden – zum Text fehlte noch die Illustration. „Irgendjemand muss doch dieses Ding gefilmt haben“, so seine Gedanken. Als Online-Fürst, wie er einmal liebevoll von einem Kollegen genannt wurde, weiß Stascheit, wo er nachschauen muss.

Er kramte die Agenturen durch, klickte sich von News-Dienst zu News-Dienst und fand „nach zehn Minuten, und das war schon ziemlich lange“ tatsächlich ein Video vom Meteoriten-Fall. Nur: Einfach herunterladen und veröffentlichen, ist verboten. Stascheit musste an die Person, die das Video gedreht hat, ran. Yahoo-News gab ihm den entscheidenden Hinweis. Der Dienst hatte das Video von einer südschwedischen Tageszeitung. Dort erreichte Stascheit den Bildredakteur. Mit „Tankstellen-Englisch“ verhandelten die beiden telefonisch ein Honorar. Der Chef vom Dienst, Matthias Hufmann, nickte es ab. Stascheit hatte das Video. Gleich dazu auch die Genehmigung, Standbilder davon zu veröffentlichen. In den Printausgaben.

Das war so ein Moment, in dem sich Online- und Druckausgabe nicht nur ergänzen, sondern gegenseitig bereichern. In den elf verschiedenen Printausgaben unserer Zeitung ist Stascheit jeden Tag auf der Suche nach den besten Geschichten, dem richtigen Bild, dem schmackhaftesten Köder für die Leser der Online-Ausgabe unserer Zeitung. Je höher die Klickzahlen, desto besser macht er seinen Job. „Es ist, als würde ich überall gleichzeitig umherspringen und schauen, wo es am meisten brennt. Und da lösche ich.“

Löschen bedeutet für Stascheit und die anderen „Onliner“: Die spannendste und aktuellste Geschichte so schnell wie möglich ins Netz zu stellen. Schneller als die Konkurrenz, aber ohne dabei die journalistische Sorgfalt zu vernachlässigen. Da verlässt er sich auf die Erfahrung seiner Kollegen aus dem Printbereich: „Sowohl in der Nachrichtenredaktion als auch in den Lokalredaktionen sitzen die eingespielten Teams aus erfahrenen und motivierten Journalisten zusammen. Die haben die Kontakte, machen die Recherchearbeit und schreiben die lebendigen Texte“. Er zapfe lediglich deren Sachverstand an, wenn er die digitale Ausgabe der Zeitung baut, die unter dem eingeführten Markennamen der gedruckten Zeitung im Internet zu finden ist.

Stascheit ist ein in der Wolle gefärbter Online-Macher, sagt aber aus voller Überzeugzung: Qualitativ hochwertigen, tagesaktuellen Journalismus kann langfristig nur aufrecht erhalten, wer das Prinzip „print first“ verfolgt. Heißt für ihn: Im täglichen Tauziehen zwischen Print und Online muss die gedruckte Ausgabe prinzipiell Vorrang haben. „Diese Arbeitsweise zwingt uns täglich zum Nachdenken: Was macht den Wert der Zeitung morgen aus? Was den Reiz der Online-Ausgabe? Welche Nachricht muss sofort online erscheinen? Was bringen wir um 22 Uhr und welche Geschichten sind erst morgen früh die Top-Themen, welche erscheinen parallel zum gedruckten Blatt?“ Wenn alles stimmt, klicken die User, und viele wollen dann auch unbedingt die gedruckte Zeitung lesen, ist die Chefredaktion zufrieden.

Sein Ziel: Online und Print zusammenhalten Wenn der „Online-Fürst“ in die Zukunft blickt, befürchtet er, dass sich Print- und Online-Journalismus auseinander entwickeln: „Ich glaube, dass es künftig einige hochwertige, aber teure Druckprodukte geben wird und zahlreiche werbefinanzierte Online-Medien, die qualitativ hinter den Produkten zurückbleiben, die auf dem Markt sind.“ Oder, wie er formuliert: „Nur online kann tierisch in die Hose gehen.“ Stascheit selbst will jedoch daran arbeiten, dass sich Print-Journalismus und die Trends der Online-Berichterstattung ergänzen, verschränken „und zusammen ein Ganzes ergeben, das qualitativ über die Grenzen der einzelnen Sparten hinaus geht.“ Wie im Fall des Meteoriten am mecklenburgischen Himmel.

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