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Neu-Schwerinerin dichtet : In Schwerin die Liebe zur Poesie entdeckt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Russin Alisa Beloklokowa begann in ihrer neuen Heimat, Gedichte zu schreiben

von
erstellt am 19.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Sie ist 88 Jahre alt, fühlt sich aber immer noch sehr jung. Seit 1997 wohnt Alisa Beloklokowa in Schwerin. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. Wie eine Stadt aus dem Märchen sei Schwerin: klein, gemütlich, wunderschön und sehr ruhig. Alisa Beloklokowa arbeitete als Ingenieur-Ökonom im Ministerium für Energie in Moskau und beschäftigte sich nur mit Zahlen. In Schwerin erst erwachte ihr schriftstellerisches Talent. Dabei war ihr Vater Journalist. Aber sie habe sich nicht vorstellen können, dass sie einmal selbst etwas schreibe, so die 88-Jährige.

„Ich beherrsche die deutsche Sprache eigentlich nicht so gut, aber wenn ich übersetze oder Gedichte schreibe, vergesse ich, dass meine Deutsch-Kenntnisse nicht ausreichend sind“, erzählt Alisa Beloklokowa. Sie lernt Deutsch bis heute, besucht einen Sprachkurs und versucht, auf Deutsch zu schreiben. Die Lehrerin, mit der sie die Sprache ihrer neuen Heimat lernt, bringt oft deutsche Gedichte zum Lesen mit.

Wenn Alisa Beloklokowa die Gedichte liest, dann möchte sie sie sofort ins Russische übersetzen. So entstanden schon acht Bücher: nicht nur mit eigenen Gedichten auf Deutsch und Russisch, sondern auch mit Übersetzungen. So übertrug Alisa Beloklokowa Gedichte von Heinrich Heine, Hermann Hesse, Ludwig Hölty, Heinrich Seidel, Horst Rennhack ins Russische.

Einmal hat die 88-Jährige im Deutsch-Russischen Kulturzentrum „Kontakt“ einen Literaturabend organisiert, bei dem alle Gäste ihre Gedichte und Übersetzungen gelesen haben. „Wie bekommen sie die Inspiration, werde ich immer wieder gefragt und ich antworte: plötzlich, spontan“, erzählt Alisa Beloklokowa. Manchmal reiche schon ein Blick aus dem Fenster. Wenn ihr die richtigen Worte nicht gleich einfallen, greift die Russin zum Wörterbuch.

Alisa Beloklokowa widmet viele Gedichte Schwerin. Ihre Bücher sind schon in mehreren Ländern der ehemaligen UdSSR gelesen worden. „Ich bin mir sicher, dass heute zahlreiche Menschen im Ausland Schwerin kennen. Ich schicke meine Bücher an Verwandte und Freunde, die in verschiedenen Ländern leben“, sagt die Autorin.

Computer, Drucker, USB-Stick und hunderte Seiten Papier – so sieht der Arbeitsplatz von Alisa Beloklokowa aus. Mit der modernen Technik könne sie gut umgehen, sagt die 88-Jährige, die jetzt darauf wartet, dass ihr neues Buch erscheint.

Nona Nersesyan

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