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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 11:32 Uhr

Spielwaren : In der Nische dem Internet getrotzt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spielwarenladen Lirum Larum in Schwerin behauptet sich seit 22 Jahren am Markt. Die Branche erwartet einen Umsatz von 2,93 Milliarden Euro.

svz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Mit zotteligen blonden Haaren und grünen Augen guckt die über einen halben Meter große Handpuppe, fein angezogen mit einem dunkelblauen Kleidchen, an der Kasse hervor. Auch Kuscheltiere mit großen Kulleraugen und flauschigem Fell schauen jeden Besucher des Spielwarenladens Lirum Larum erwartungsvoll an, so, als ob sie nur darauf warten, ein treuer Begleiter zu werden. Das Angebot im Geschäft von Gordon Bockhold in der Schweriner Altstadt assoziiert grenzenlose Möglichkeiten, sich spielend seine Zeit zu vertreiben.

Doch die Konkurrenz in der Branche ist enorm. Nicht nur große Ketten, sondern auch Discounter und Onlinehändler locken vermehrt mit günstigen Preisen, einer großen Auswahl und einer blitzschnellen Lieferung. Viele Einzelhändler können dem Druck nicht standhalten und müssen schließen: Laut der Umsatzsteuerstatistik aus den Jahren 2009 bis 2013 sank die Zahl der Einzelhandelsbetriebe im Spielwarenbereich in Deutschland von 3635 auf 3294 Betriebe. Auch Gordon Bockhold erinnert sich noch an drei, vier andere Spielwarengeschäfte, die es vor längerer Zeit in Schwerin gab. Vereinzelt werden auch in Schreibwarengeschäften und Babyausstattern Spielwaren angeboten. Doch Spielwarengeschäfte, die neben den großen Ketten bestehen können, gibt es wenige. Dass es dennoch machbar ist, beweist das Geschäft Lirum Larum in der Schweriner Altstadt.

Nicht nur zur Weihnachtszeit werden Spielwaren nachgefragt, sondern auch zu weiteren Anlässen wie Ostern, Geburtstagen oder Fasching, sagt der Spielwarenhändler. Laut Branchenverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 2,81 Milliarden Euro in Spielzeug investiert. Die Prognose für dieses Jahr fällt ebenfalls positiv aus: erwartet werden Umsätze von 2,93 Milliarden Euro.

Was nach einem Rundgang im Lirum Larum auffällt: Spielwaren von Playmobil und Lego sucht man hier vergebens. „Da sind meist die Discounter aktiv, wir können bei den Preisen nicht mithalten. Deshalb versuchen wir, die Nischen zu bedienen. Wir sind kein Bio- oder Ökoladen, unsere Spielsachen setzen aber trotzdem auf Nachhaltigkeit“, so Bockhold.

1993 hat er seinen Laden in der Puschkinstraße eröffnet, fünf Jahre später folgte ein zweiter im Schlossparkcenter. „Ich hatte die Idee, Kindern und Eltern Spielsachen zu bieten, die sinnvoll sind und einen hohen Spielwert haben“, sagt der Geschäftsführer. Dabei geht es ihm vor allem darum, hochwertige Materialien anzubieten. „Wir wollten dem Trend folgen, lieber ein schönes Teil zu schenken, das wertig ist, als zehn billige, die dann zeitnah in den Müll wandern“, sagt Bockhold und ergänzt: „Kinder lernen damit ganz anders umzugehen, übernehmen Verantwortung und lernen, die Dinge mehr zu schätzen.“

Gordon Bockhold sieht in den großen Ketten und im Onlinehandel jedoch keine große Gefahr: „Wir sprechen nicht den Kunden an, der nur auf den Cent achtet und ein Schnäppchen ergattern will. Wir wollen für den Kunden das Einkaufen erlebnisreich und lustig gestalten“, sagt der Spielwarenhändler.

Da komme es in der Vorweihnachtszeit auch öfter mal vor, dass Großeltern mit einem großen Wunschzettel der Enkelkinder in den Laden kommen und sich von den fünf festangestellten Verkäufern sowie im Weihnachtsgeschäft den ein bis zu zwei Aushilfen, darunter auch Henri Laaß, beraten lassen wollen. So sind ein ferngesteuertes Skateboard, veränderbare Federmappen mit kleinen bunten Steckern, intelligente Knete, die sich in Windeseile in einen Flummi verwandeln lässt, und die altbekannte Holzeisenbahn beliebt, sagt Bockhold. Aber auch Gesellschaftsspiele, Puppen und Spiele für das räumliche Vorstellungsvermögen zum Bauen, Stapeln, Puzzeln und Sortieren sind hoch im Kurs. „Das unterscheidet uns von den Onlinehändlern. Wir stehen dem Kunden dann zur Seite, beraten ihn und führen auch die Spielsachen vor“, sagt Bockhold.

Eine weitere Herausforderung ist zudem die ständige Verfügbarkeit von Artikeln, die online innerhalb von kürzester Zeit zum Kunden geliefert werden können. „Im Laden ist das kaum realisierbar. Wir können Artikel bestellen, doch wir sind nicht Amazon, die einen kleinen Artikel in großen Paketen versenden und das in schnellster Zeit. Vor Weihnachten kann es dann auch mal ein bisschen länger dauern“, sagt Gordon Bockhold. Doch viele Artikel seien im Geschäft vorrätig, versichert der Geschäftsführer.

Einen Onlineshop soll es bei Lirum Larum weiterhin nicht geben: „Wir hatten früher mal einen Online-Auftritt, doch dem Preisverfall kann man dort nicht lange standhalten. Zudem nützt es nichts, wenn du einen schönen Laden hast – das sieht der Onlinekäufer ja gar nicht. Die Innenstadt wäre dann irgendwann ausgestorben“, findet der Spielwarenhändler. Und nirgends könne schneller auf die Trends der jungen Zielgruppe reagiert werden, als direkt im Geschäft, sagt Bockhold. So holt er sich auch bei Messen Ideen oder tauscht sich mit anderen Spielwarenläden aus dem gesamten Land aus. Anschließend werden die Ideen dann im Laden umgesetzt.

„Man kann sagen, wir verdienen hier spielend unser Geld“, sagt Gordon Bockhold mit einem Augenzwinkern und widmet sich dann wieder dem Weihnachtsgeschäft.

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