Schwerin : In der Alten Münze gibt’s jetzt Falafel

Steht täglich in der Küche vom 'Lom': Aziz Bergmann.
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Steht täglich in der Küche vom "Lom": Aziz Bergmann.

Kulinarische Weltreise durch Schwerin – heute: Aziz Bergmann und sein Neffe Chaudhry kochen in der Münzstraße Pakistanisch

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03. März 2018, 12:00 Uhr

In der Landeshauptstadt leben Menschen aus aller Welt. Aus ihrer Heimat haben die Zugezogenen nicht nur ihre Sprache und ihre Traditionen, sondern auch ihre Essgewohnheiten mitgebracht. Einige kochen in Restaurants für die Schweriner ihre einheimischen Speisen. Andere bieten in ihren Läden frisches Obst und Gemüse und Waren feil, die es beim Discounter nicht gibt. Heute erzählt Aziz Bergmann aus Pakistan.

„Kasoori Methi? Das kennst du nicht?“ Aziz Bergmann lacht und verschwindet in der Küche. Er kommt wieder mit einem Schälchen voll mit getrockneten Blättern. „Riech mal. Ist das nicht gut?“ Kasoori Methi – so nennt man in Pakistan den Bockshornklee. Aziz lässt ihn sich direkt aus seiner Heimat schicken. Aus Kasur. „Dort gibt es riesige Anbaugebiete, weil die Erde so besonders ist.“ Bockshornklee kommt im „Lom“ in fast jedes Gericht. Warum? „Weil es wirkt wie Medizin“, sagt Aziz.

Wer bei ihm im „Lom“ essen geht, lebt gesund. Der gebürtige Pakistani verwendet ausschließlich frische Zutaten. „Wir kochen nicht vor. Bei uns kommt nichts aus der Mikrowelle“, sagt der 49-Jährige. Pilze, Zucchini, Blumenkohl, Kartoffeln, Petersilie, Paprika... Das alles liegt frisch geschnippelt neben den drei Wok-Pfannen in der Küche im Hinterhof der Münzstraße. Heute kocht Chaudhry, der Neffe von Aziz. Gekonnt schwenkt er das Gemüse im Wok. Nur kurz. Dann gibt er noch einen Schuss Knoblauch in Olivenöl dazu, eine Kellenspitze Kurkuma, eine bisschen Chili und Curry. Gelbcurry für die milde Variante, Rotcurry für die scharfe. Und zum Schluss, natürlich, eine Prise Kasoori.

Das Kochen hat Chaudhry von Aziz gelernt, und der hat es sich bei seiner Uroma Fatima zuhause im pakistanischen Kashmirtal abgeguckt. Uroma Fatima, Aziz nennt sie die Goldene Frau, ist 107 Jahre alt geworden. „Das lag nicht nur an ihrem gesunden Essen, sondern auch an dem Pfeifchen, das sie jeden Tag geraucht hat.“ Aziz lacht. Er lacht viel. Jeden Gast, der herein kommt, begrüßt er persönlich. Schon in den Mittagsstunden ist in dem Lokal fast jeder Tisch besetzt. Rentner aus der Nachbarschaft kommen, Schauspieler aus dem Theater, Geschäftsleute, Kirchenmitarbeiter, Beamte aus den Ministerien. Einem von ihnen hat es Aziz überhaupt zu verdanken, dass er in Schwerin ist. Mathias Brodkorb, der Finanzminister, kennt Aziz noch aus Rostock. Dort hat der Pakistaner studiert und sich mit dem orientalischen Café „Momo“ einen Namen in der Kulturszene gemacht.

Und nun Schwerin? Auf Brodkorbs Vorschlag reagierte Aziz erst skeptisch. Aber dann stolperte er bei seinem ersten Besuch buchstäblich über das Verkaufsschild auf dem Gehweg vor der Alten Münze. „Da war die Sache schon fast entschieden“, sagt er.

Nach dreieinhalb Jahren Leerstand und drei Monaten Umbauzeit ist das Fachwerkhauses seit neun Monaten wieder voller Leben. Wer einmal da war, kommt meistens wieder. Erst kürzlich hätten Israelis im „Lom“ Falafel gegessen und nicht glauben können, dass die in Deutschland besser schmecken können als in der Heimat. Das Geheimnis? Aziz macht sie aus reinem Kichererbsenmehl, das er sich gemeinsam mit dem Reis aus Pakistan schicken lässt. Manchmal bitten die Gäste auch Chaudhry aus der Küche zu sich an den Tisch. Nur, um ihm zu sagen, wie lecker es wieder war. Aziz und Chaudhry freuen sich über die Aufgeschlossenheit ihrer Gäste. „Viele wollen wissen, woher genau wir kommen und ob das Lom nun länger in der Alten Münze bleibt“, sagt Aziz. Die letzte Frage kann er mit einem klaren „Ja“ beantworten. Er bleibt. Und er macht sogar Pläne. Vielleicht gibt es in der Altstadt bald ein zweites Café. Ein Café Momo.




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