Immerhin schon mal ein Depot

So soll das neue Zentraldepot für Archäologen und Staatliches Museum in der Landeshauptstadt aussehen.Scheidt/Kasprusch Architekten
So soll das neue Zentraldepot für Archäologen und Staatliches Museum in der Landeshauptstadt aussehen.Scheidt/Kasprusch Architekten

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08. September 2012, 09:12 Uhr

Schwerin | In der Landesarchäologie ist ein Ende der katastrophalen Lagerbedingungen und der Übergangslösungen ein Stück mehr in Sicht. Das Land will den geplanten Depot- und Werkstattbau für das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege nach den Entwürfen des Berliner Architektur- und Planungsbüros Scheidt/Kasprusch errichten. Am Standort auf dem Schweriner Artil lerieberg in der Johannes-Stelling-Straße soll ein viergliedriger, mit Kupferblechplatten verkleideter Gebäudekomplex aus drei unterschiedlich großen, quadratischen Bauten mit Depots für die Archäologie, das Kunstgewerbe und die Papier-Kunstwerke entstehen sowie ein verbindender Riegelbau, der die Werkstätten und Büros beherbergt. Insgesamt soll das Zentraldepot samt Werkstätten 15 000 Quadratmeter Nutzfläche bieten - und erweiterbar sein. Kostenvolumen des Projektes: 50 Millionen Euro. Baubeginn soll 2015 sein, Fertigstellung 2020.

Auf die europaweite Ausschreibung des Architektenwettbewerbs hatten 371 Büros aus 15 Ländern reagiert. 60 reichten dann detaillierte Entwürfe ein, allerdings war kein Architekturbüro aus MV dabei. Eine elfköpfige Jury entschied sich schließlich einstimmig für die Arbeit des Berliner Büros Scheidt/Kasprusch. Die Planer dort haben Erfahrungen mit derartigen Gebäuden: Scheidt/Kasprusch war unter anderem für den Neubau von Depot und Verwaltung des Ruhr Museums in Essen verantwortlich, das 2010 fertiggestellt worden ist.

Denkmalrat: Neues Gebäude wäre kein Hindernis für Welterbe

"Die besondere Herausforderung bestand darin, die funktionalen Bedürfnisse der Nutzer mit den städtebaulichen Erfordernissen des Standortes in Einklang zu bringen", erläuterte Michael Bleyder vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes. Denn das zu bebauende Areal befindet sich oberhalb des barocken Schlossgartens in der Sichtachse des Schlosses zwischen dem denkmalgeschützten alten Offizierscasino und zwei ehemaligen Artilleriekasernen, die heute die Landesbibliothek und das Finanzamt beherbergen. Angesichts der Bewerbung des Schweriner Residenz-Ensembles für das Unesco-Weltkulturerbe erfordere jede Bebauung in dem Areal eine besondere Sensibilität, betonte Bleyder. Allerdings habe der Internationale Denkmalrat Icomos bereits Zustimmung zu dem Sieger-Entwurf signalisiert. Auch Finanzministerin Heike Polzin zeigte sich sehr zufrieden: "Ich bin froh, dass wir nach 20 Jahren Diskussion über die Depot-Situation nun endlich Nägel mit Köpfen machen und das Projekt auf den Weg gebracht haben. Es ist mit seiner Investitionssumme von rund 50 Millionen Euro das teuerste Hochbauprojekt des Landes der jüngsten Zeit."

Die 20 Jahre Diskussion um die Depot-Situation sind nicht die einzige Baustelle in der Museumslandschaft, aber die drängendste: Die Wissenschaftler und Mitarbeiter der Landesarchäologie warten seit Jahren auf ordentliche Bedingungen für die Aufbewahrung und Konservierung der Fundstücke. Diese liegen bisher in mehr als einem Dutzend Notdepots, die im ganzen Land verteilt sind.

Archäologie-Chaos kostete das Land schon einzigartige Funde

Vielfach ist nicht einmal bekannt, was die in den improvisierten Depots eingelagerten Kisten überhaupt bergen. Das erste dieser Notdepots in ehemaligen Bunkern in Wiligrad nördlich von Schwerin wird seit mehreren Monaten geräumt. Es war von Schimmel befallen. Die Stücke werden gereinigt, gesichtet und in angemieteten Hallen in einem Schweriner Industriegebiet zwischengelagert. Die anderen Depots sollen in den nächsten Jahren folgen. Im Jahr 2009 hatte der Zerfall von steinzeitlichen Einbäumen, europaweit einzigartigen Funden, in einem Notlager in Schwerin bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die bis zu 7000 Jahre alten und eigentlich extrem gut erhaltenen Boote waren 2002 in Stralsund gefunden worden. Aber im provisorischen Depot in Schwerin wurden sie falsch gelagert, gerieten in Vergessenheit - und waren spätestens 2004 unrettbar zerfallen. Bundesweit kritisierten damals Wissenschaftler und Archäologen die Situation in MV. Daraufhin waren Pläne für den Werkstatt- und Depotneubau in Angriff genommen worden. In dem Neubau soll auch das Staatliche Museum Magazinräume bekommen.

Ein Archäologisches Landesmuseumhat MV bisher nicht, trotz einer stetig wachsenden Zahl von publikumsträchtigen Bodenfund-Schätzen. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte der Bestandssicherung Priorität gegeben: "Dieses Land ist voller Einbäume, was die archäologischen Funde angeht." Deshalb müsse der Depotbau als erstes kommen.

Nun gibt es immerhin einen Depot-Entwurf. Dr. Günter Reinkober vom städtischen Bauamt versicherte, dass die Landeshauptstadt nun mit hoher Priorität den B-Plan aufstellen und Baurecht schaffen werde. Allein das werde aber noch ein Jahr dauern.

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