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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 02:47 Uhr

Plater Gesichter : Immer am Ball für die Jugend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rudi Hillmann klappert sogar die Kindergärten ab, um Fußball-Nachwuchs für den SV Plate anzuwerben

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Urkunden, Zeitungsartikel, Namenslisten – wenn Rudi Hillmann etwas sucht, dass mit der Fußball-Jugend des SV Plate zu tun hat, dann zieht er einen blauen Ordner hervor und fängt an zu blättern. Da ist es ja, das Mannschaftsfoto der A-Jugend aus der Saison 1997/98. „Eine ganz erfolgreiche Saison“, schwärmt Hillmann. Bezirksmeister ist die Truppe geworden. Die Jungs vom Dorfverein, die erst ein, zwei Jahre zusammen spielten, hatten es den etablierten Clubs gezeigt. „Darauf waren wir schon stolz“, erinnert sich Rudi Hillmann, der Mitte der 1990er-Jahre beim SV Plate als Nachwuchstrainer begann. Dank der Brüder Ihde gab es beim SV Plate zu dieser Zeit zwar eine vorzügliche Infrastruktur, doch genug Kicker für eine A-Jugend gab es nicht. Hillmann fuhr los, zog durch die Schulen der Umgebung, suchte talentierte Fußballer auf dem Schweriner Dreesch und stellte ein Team zusammen. Von wegen, die Nach-Wende-Jugend ist faul und macht nichts. Hillmann wollte das Gegenteil beweisen, formte ein Team mit Spielern, die er förderte und forderte. „Trainer“, riefen sie ihn und brachten ihm den Respekt entgegen, mit denen er den Jungs auch begegnete. Fußballclubs wie der SC Freiburg oder Erzgebirge Aue, sagt er, die imponieren ihm. Mit wenig Mitteln viel erreichen und den Großen die Stirn bieten, das findet er gut. Rudi Hillmann ist jetzt 78. Der Fußball, der hat ihn schon vor über sieben Jahrzehnten fasziniert. Auf dem selbst gebauten Rad fahren, Angeln am See oder Boxen bei der Einheit in Crivitz, immer wieder gerne. Aber Fußball, das war etwas ganz besonderes. Und als Viertklässler organisierte er schon das ein Schul-Turnier.

Rudi Hillmann wurde in Berlin-Spandau geboren, die Bomben des Zweiten Weltkriegs trieben die Familie aus der Hauptstadt. In Schwerin kamen Hillmanns unter. Zwei Jahre nach Kriegsende ging es nach Crivitz. Verkäuferlehre, Lehrausbilder, später war er Grundschullehrer in Sülstorf, wo er mit zwei Handball-Mädchenteams und zwei Jungen-Fußball-Mannschaften die BSG Traktor Sülstorf gründete. Nach einem Sonderstudium für Musikerziehung arbeitete er als Musiklehrer an der POS in Brüsewitz. Musik ist die zweite Leidenschaft von Rudi Hillmann, da lag es nahe, auch den ortsansässigen Singeklub zu leiten. Beruflich war er dann bis 1997 als Fachschuldozent für Musik an der Pädagogischen Schule Schwerin zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen tätig. Schon zu diesem Zeitpunkt war seine sportliche Heimat der SV Plate.

In den Kindergärten der Umgebung kennen sie den rüstigen Rentner seit vielen Jahren. Wenn er kommt, bringt er manchmal einen Ball oder eine Luftpumpe als Geschenk mit. Wenn er geht, hat er Werbung für den Fußball gemacht und so manchen Jungen für die Nachwuchsarbeit im Verein gewonnen. Das Ehrenamt liegt ihm am Herzen. „Und die frische Luft jeden Tag. Ich wohne auf dem Dreesch, ohne Garten. Da freue ich mich, wenn ich in Plate auf dem Fußballplatz stehe“, sagt er. Oder, wenn er gemeinsam mit Heinz Peske dafür sorgen kann, dass das Vereinsheim und die Kabinen blitzeblank sind. „Wir wollen doch auch bei unseren Gästen einen guten Eindruck hinterlassen“, begründet er. Sein Engagement brachte ihm schon schöne Stunden beim Bundespräsidenten Joachim Gauck am Tag des Ehrenamts ein oder wie jetzt einen Eintrag ins Plater Ehrenbuch. „Das hier“, sagt der ehemalige Abteilungsleiter Fußball des SV Plate „ist Marcel Götting.“ Dabei tippt er auf einen Burschen mit blondem Haar und breitem Grinsen, der auf dem Foto der A-Jugend-Meister-Mannschaft von vor fast 20 Jahren zu sehen ist. Marcel Götting ist einer von denen, die jetzt selbst Nachwuchs-Teams und den eigenen Sohn in Plate trainieren. „Mensch, wie die Zeit vergeht“, sagt Rudi Hillmann. Der Graue Star mache ihm zwar zu schaffen, aber er will weiter für den Nachwuchs da sein und den aktuellen Vereinschef Steffen Korwand unterstützen. Rudi Hillmann braucht Fußball und frische Luft: „Und so lange es geht, will ich auch noch weitermachen.“

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