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Cambser Bienen und Hummeln : Imker warnt: Bienen sind gestresst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mirko Lunau hat sein Herz an Honig-Sammlerinnen verloren – nicht alle Tiere sind gut über den Winter gekommen

Auch wenn die ersten Sonnenstrahlen die Natur bereits teilweise aus dem Winterschlaf gelockt hat und vor allem die Menschen nach Wärme lechzen, gibt es auch Gegner des zeitigen Frühlings-Erwachens. „Der Raps hat die ersten Knospen. Viele andere Blüten leuchten bereits in den schönsten Farben. Es ist aber zu früh. Noch ist die Biene nicht unterwegs“, sagt Bienenforscher Dr. Mirko Lunau. Er ist zudem Imker und hat ein besonderes Gespür für die kleinen HonigSammlerinnen. Der Ahrensboeker betreibt eine Imkerei und Mosterei – nach strengen Bio-Richtlinien des Demeter-Anbauverbandes. „Natürlich ärgert es mich dann ganz besonders, wenn sich in meinem Honig die Folgen der konventionellen Landwirtschaft nachweisen lassen“, erklärt er. Bereits Kleinstmengen von Pestiziden würden sich auf das Nervensystem der Bienen auswirken. „Sie vergiften das Gehirn – greifen das Nervensystem an“, sagt Lunau und nennt Folgen: „Die Honigsammler brauchen länger, um nach einem Flug wieder nach Hause zu finden, werden träge.“ Sein frommer Wunsch: „Es dürfte nur noch Bio-Landwirtschaft geben.“

Dass er seinen Bienen aber nun nicht abtrainieren kann, sich an den Rapsblüten auf den konventionell bewirtschafteten Feldern zu bedienen, ist ihm klar. Umso mehr freut sich der Imker, wenn in der Region auch andere Flächen blühen. Ein neues Projekt ist vor wenigen Wochen gestartet: Im vergangenen Jahr rief das Netzwerk Blühende Landschaften mit Landwirtschaftsbetrieben und Kommunen das Projekt „Bienenblütenreich“ ins Leben. Ziel war es, möglichst viele blühende Oasen zu schaffen. Eine davon gibt es demnächst in Cambs. Die Saat ist bereits erledigt. Bürgermeister Frank-Rainer Müller unterstützt die Aktion, die Gemeinde hat 4000 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Der ortsansässige Landwirt habe bei der Einsaat entlang der Bundesstraße geholfen. Im gesamten Bundesgebiet wurden Samen für mehr als 30 Hektar Blühfläche in den Boden gebracht. „Eine wirklich gute Sache“, sagt der Bienenforscher. Allerdings werde das allein seine Honig -Sammlerinnen auch nicht retten. Im vergangenen Winter hat er einige Völker verloren. „Daran ist aber nicht allein die Varroamilbe schuld“, betont Lunau. Bienen würden zum einen durch die intensive Landwirtschaft geschwächt und auch durch die Imker selbst gestresst. „Die Beuten werden zu eng gebaut, die Waben zu schnell entnommen, so dass die Biene produziert und produziert. Sie wird gestresst und ist anfälliger“, sagt Lunau. Lösen lasse sich das nur, wenn auch der Druck auf die Imker sinke, der Honig besser bezahlt werde. Mindestens doppelt so teuer müsse er sein, damit Imker und auch Biene gut von ihrer Arbeit leben können. „Das ist aber nicht so leicht zu vermitteln“, weiß der Ahrensboeker. So freut er sich zunächst über die blühenden Streifen in seiner Heimatgemeinde und hofft, dass auch Garten- sowie Balkonbesitzer etwas für die Bienen tun. „Und auch die Landwirte“, schiebt er hinterher.

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erstellt am 27.Apr.2017 | 05:00 Uhr

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