Gutachter-Kontrolle : Im Zoo mangelt es am Arbeitsschutz

Gibt es bei den Nashörnern erneut einen Vorfall, so muss vorher klar sein, wer zu informieren ist und wer dann welche Entscheidungen treffen muss.
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Gibt es bei den Nashörnern erneut einen Vorfall, so muss vorher klar sein, wer zu informieren ist und wer dann welche Entscheidungen treffen muss.

Ein Gutachter sieht keine gravierenden Sicherheitsmängel im Schweriner Zoo, deckt aber andere Unzulänglichkeiten auf.

svz.de von
15. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Ein Beinahe-Ausbruch der Nashornkuh Clara, Bären, die ihre Höhle unter dem Zaun buddelten, ein Kapuziner-Äffchen, dass außerhalb seines Geheges herumtollte. Das alles warf die Frage auf, ob der Zoo noch sicher sei (SVZ berichtete). Die Aufsichtsbehörde, das städtische Umweltamt, sah dringenden Handlungsbedarf. Deshalb hatte die Leiterin Carola Nitz händeringend nach einem Fachmann gesucht, der sehr schnell den Schweriner Tierpark begutachten könnte. „Wir haben eine große Unterstützung durch den Landeszooverband bekommen. Der hat sogar seinen Jahresplan umgestoßen und die Überprüfung der Schweriner Einrichtung vorgezogen“, so Nitz. Und auch die oberste Fachbehörde, das Landwirtschaftsministerium, habe sehr geholfen.

Die dreitägige Begutachtung hat inzwischen stattgefunden. Schriftlich soll das Ergebnis aber erst im Januar vorliegen. So viel ist aber bereits klar: Im Zoo gibt es keine „gravierenden“ Sicherheitsmängel. Ändern muss sich aber trotzdem einiges. Vor allem offenbar beim Arbeitsschutz. „Dort kommen viele Nacharbeiten auf uns zu“, sagt Carola Nitz. Kein einfaches Thema, denn dort hinein spielen auch der Gehege- und der Tierschutz. „Wir werden deshalb das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales bitten, möglichst schnell aktiv zu werden“, so die Umweltamtschefin. Aber auch das Landwirtschaftsministerium und das städtische Umweltamt selbst werden sich um den Zoo stärker kümmern müssen. „Die Strukturen in der Einrichtung müssen grundlegend verändert werden“, sagt Carola Nitz. Es gäbe „sehr viele Bereiche“ mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Auch die Informationspflichten sollen überarbeitet werden. Offenbar ist unklar, wer wen wann bei Vorfällen zu informieren hat und welche Konsequenzen dann gezogen werden müssen. Der Gutachter hatte auch an einer Arbeitsschutzbelehrung der Zoomitarbeiter teilgenommen. Auch hier seien Veränderungen nötig.

Unter den Mitarbeitern des Zoos rumort es schon länger. „Wir müssen dringend etwas für eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit tun“, sagt Carola Nitz. Dabei wünscht sie sich mehr Unterstützung durch den Aufsichtsrat. Dessen Vorsitzender Jürgen Friedrich habe bisher noch nie mit der Aufsichtsbehörde gesprochen.

Neben diesen internen Problemen, die im Zoo zu lösen sind, kommen aber auch noch externe Forderungen auf den Tierpark zu. Grund ist das so genannte Säugetiergutachten, das zwar noch nicht in Kraft ist, aber als Endentwurf bereits vorliegt. Danach muss es in der Haltung vieler Tierarten in Schwerin Veränderungen geben. Betroffen sind davon nahezu alle Zoos in MV. Es geht beispielsweise um die Art und Gestaltung der Gehege. Möglicherweise dürfen bestimmte Tierarten in der Landeshauptstadt gar nicht mehr gehalten werden. „Auf jeden Fall müssen wir auf das Säugetiergutachten reagieren“, kündigt Carola Nitz an. Das wird einiges kosten. Das vorgelegte 40 Millionen Euro teure Konzept zur Umgestaltung des Zoos sei deshalb vorerst „nicht relevant“. „Wir müssen jetzt zunächst kleinere Brötchen backen.“

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