Im Visier der Diebesbanden

Alle dreieinhalb Minuten ein Wohnungseinbruch in Deutschland – der höchste Stand seit 15 Jahren

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27. November 2014, 12:30 Uhr

Die Familie M. in Guest bei Greifswald hatte am Mittwoch Glück im Unglück. Gegen 3.45 Uhr versuchten Unbekannte im Schutz der Dunkelheit in ihr Haus einzusteigen, während die Bewohner schliefen. Allerdings wurde die hauseigene Alarmanlage ausgelöst, die Täter flohen ohne Beute. „Wir vermuten, dass die Unbekannten die Autoschlüssel des vor dem Haus stehenden Mercedes ML 350 im Haus finden wollten, um diesen dann stehlen zu können“, sagte ein Polizeisprecher in Anklam.

Andere hatten weniger Glück. Der Fall in Guest gehört vermutlich zu einer Einbruchsserie im Speckgürtel um Greifswald, die die Polizei seit Tagen in Atem hält. In nur einer Woche wurden drei Einbrüche in der Region gemeldet, bei denen Autoschlüssel aus der Diele gestohlen wurden, um anschließend mit den teuren Autos vom Hof verschwinden zu können. „Wir gehen in diesen Fällen von Auftragsdiebstählen aus“, meinte der Polizeisprecher.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche nimmt seit Jahren zu. In Mecklenburg-Vorpommern registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 1521 Taten – 108 mehr als 2012 und 187 mehr als 2011.

Deutschlandweit wurden 149 500 Wohnungseinbrüche gemeldet. Alle dreieinhalb Minuten ein Bruch. Das ist der höchste Stand seit 15 Jahren. Aufklären konnte die Polizei mit 23 194 Taten nur 15,7 Prozent der Fälle. Der Gesamtschaden wird für 2013 mit 427,5 Millionen Euro beziffert. In der Städterangliste liegt Bonn auf dem ersten Platz mit 563,8 Einbrüchen pro 100 000 Einwohner. Es folgen Aachen und Köln. Die sicherste Großstadt Deutschlands ist Augsburg mit lediglich 53,9 Einbrüchen je 100 000 Einwohner.

Auch in Brandenburg steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche. Mehr als 62 Prozent der insgesamt etwa 4000 Fälle erfolgten im Speckgürtel von Berlin. Dort hat sich die Anzahl der versuchten oder gelungenen Einbrüche seit 2009 fast verdoppelt. Wegen der steigenden Kriminalität im Speckgürtel und in den Grenzregionen korrigierte die Potsdamer Landesregierung bereits Ende Januar dieses Jahres die Polizeireform, die vorsah, die Zahl der derzeit 8250 Polizisten im Land bis zum Jahr 2020 auf rund 7000 Stellen zu senken. Die überarbeiteten Pläne sehen vor, dass die Marke von 7800 Polizisten nicht unterschritten werden soll.

Anders als beim Diebstahl hochwertiger Autos sind nach Ansicht des Landeskriminalamtes (LKA) in Schwerin nicht vorrangig Banden aus Osteuropa für die Einbrüche verantwortlich.

2013 waren 12,7 Prozent der 408 überführten Einbrecher in Mecklenburg-Vorpommern Ausländer – weit weniger als im Bundesdurchschnitt. Darunter waren 32 Tatverdächtige mit polnischem Pass und sechs aus dem Kosovo. „Die Täter kommen von überall her“, berichtet LKA-Sprecher Michael Schuld. Besorgt zeigt sich auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU): „Gerade Wohnungseinbrüche bedeuten für die betroffenen Bürger einen massiven Eingriff in ihre Privatsphäre und berühren ihr Sicherheitsgefühl in besonderem Maße.“

Steffen Salow von der Schweriner Polizeiinspektion rät: „Aufmerksamkeit ist wichtig, häufig wird die Wohngegend von den Banden vorher ausgekundschaftet.“ Auffälligkeiten sollten der Polizei gemeldet werden. Außerdem: „Wo Nachbarn gut zusammenhalten, haben es Einbrecher meist schwerer“, so der Hauptkommissar.

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