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21. November 2017 | 17:04 Uhr

Im Tal der Netzlosen

vom

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erstellt am 28.Aug.2012 | 07:11 Uhr

Gädebehn | Im idyllischen Warnowtal bei Crivitz regt sich Unmut: Die Einwohner von Gädebehn, Kladow, Basthorst, Augustenhof und Muchelwitz warten auf die versprochene Breitbandversorgung. Das schnelle Internet sollte diese Ortsteile der Stadt Crivitz eigentlich bereits Ende vorigen Jahres erreichen. Davon kündet auch ein zehn Meter hoher Betonmast an der Buswendeschleife von Gädebehn. Doch in den Haushalten hat sich bislang nichts getan. Wer ins Netz will, muss das weiterhin auf Schleichwegen tun.

Dabei wurde für die Breitbandversorgung in diesen Dörfern viel Steuergeld ausgegeben - rund 100 000 Euro. 90 000 Euro davon sind Fördermittel, 10 000 Euro musste die Stadt Crivitz beisteuern. "Wir waren froh, dass wir über die Initiative zur Versorgung der ländlichen Räume mit schnellem Internet auch für die Einwohner unserer Ortsteile aktiv werden konnten", blickt Ulrich Güßmann zurück. Heute ist der Bürgermeister nicht nur enttäuscht. Er ist sauer, dass die offerierte und während der Planung nachgebesserte technische Lösung nicht funktioniert. Diese Gemütslage teilt Ulrich Güßmann nicht nur mit den Stadtvertretern, sondern auch mit den Einwohnern der fünf Dörfer. Dort hat sich inzwischen eine Bürgerinitia tive gegründet, die eine Breitband-Versorgung einfordert.

Auf der jüngsten Sitzung der Crivitzer Stadtvertretung liefen die Initiatoren mit ihrer Forderung offene Türen ein. Denn auch die Stadt will nicht locker lassen. Der Bürgermeister sieht dabei die Koordinierungsstelle Breitband beim Zweckverband Elektronische Verwaltung in MV in der Pflicht. Über diese läuft die Breitbandversorgung in ländlichen Räumen von Mecklenburg-Vorpommern. "Der Zweckverband muss eingreifen und den Anbieter dazu bringen, die technischen Anlagen in Gädebehn nachzurüsten - auf Kosten des Anbieters", fordert Güßmann. Denn so wie gedacht, klappt es nicht mit dem schnellen Internet. Das sollte per Funk an dem Mast in Gädebehn ankommen. Von hier aus wäre die Breitband-Versorgung über die Telefonleitungen in jeden Haushalt, in jede Firma gelangt. "Dass dafür von den Kunden der bisherige Festnetz-Telefonvertrag gekündigt werden muss und zugleich ein Kombivertrag für schnelles Internet plus Telefon nötig ist, ist unakzeptabel", unterstreicht Güßmann.

In einem Schreiben der Koordinierungsstelle Breitband an die Stadt wird nun eine neue technische Variante mit Aufsplittung der Frequenzbereiche für das Telefonieren und für das Internet ins Spiel gebracht. "Bevor wir uns darauf einlassen, muss erst geprüft werden, ob das wirklich funktioniert", betont Güßmann. Die Stadt werde dabei auch fordern, externe Experten hinzuziehen. Denn durch dieses technische Desaster ist auch viel Vertrauen verloren gegangen.

Zudem waren aus den Reihen der nun gebildeten Bürgerinitiative schon vor dem Bau des Funkmastes Zweifel an der Funktionsweise laut geworden, insbesondere an der Weiterleitung per Telefonkabel. Die empörten Bürger sprechen daher beim Anblick des Funkmastes auch von Schildbürgerstreich und Verschwendung von Steuergeld - zugleich fordern sie den versprochenen Zugang zur Datenautobahn ein.

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